Grimminger: Qualifizierte Trainer verdienen zu wenig

Leiter des Olympia-Stützpunkts Stuttgart wirbt für größere finanzielle Unterstützung des Sports, um wettbewerbsfähig zu bleiben

Thomas Grimminger

(jük). „Was ist unserer Gesellschaft der Hochleistungssport wert?“ Mit dieser Frage beschäftigte sich Thomas Grimminger, Leiter des Olympia-Stützpunkts Stuttgart, bei einer Veranstaltung des Sportkreises Rems-Murr in Winterbach. Mit seiner Meinung hielt der 45-Jährige nicht hinter dem Berg: Ihm ist die Bezahlung von qualifizierten Trainern, die häufig bei nur um die 35000 Euro pro Jahr liege, zu gering. Abwerbungen durch andere Länder seien längst nichts Ungewöhnliches mehr.

25 Athleten vom Olympiastützpunkt in Stuttgart sowie aus der Region nahmen im zu Ende gehenden Jahr an den Olympischen Sommerspielen in London teil. Mit wechselhaften Ergebnissen. Dass letztlich fast nur noch Gold zählt und Silber dem ersten Verlierer gebührt, setzt sich immer mehr durch. „Dabeisein ist alles“ – das war einmal, findet auch Grimminger. Die heftig umstrittene Vorgabe von 86 deutschen Medaillen durch das Innenministerium und den deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), das Verfehlen dieses wohl utopischen Ziels mit nur 36 Edelmetallen und die folgende Diskussion unterstreichen dies eindeutig. „Von manchen Teilnehmern aus der Sportregion Stuttgart haben wir deutlich mehr erwartet“, räumt Grimminger ein. Im Sport seien Leistungen aber nicht zu 100 Prozent berechenbar. Formschwankungen, mentale Stärken oder Schwächen machen viel aus.

Trotzdem werde am Olympiastützpunkt alles getan, um den Aktiven beispielsweise durch ein sogenanntes „Athleten-Management“ möglichst gute Voraussetzungen zu bieten. Ob Internat oder duale Karriereplanung (Sport/Studium oder Beruf), Eliteschulen des Sports oder Sponsoring – das Aufgabenfeld ist vielschichtig. Selbiges gelte fürs „Trainings-Management“, angefangen von den Trainingsstätten über die Leistungsdiagnose bis zu hochqualifizierten Übungsleitern. Hinzu kommt das Personal für die gesamte Infrastruktur des Stützpunktes. „Die Mitarbeiter sind zeitlich am Limit, gehen darüber sogar noch hinaus. Das gilt gleichfalls für die Trainer“, betont Grimminger. Um die Vorgaben aus Politik und Verbänden erfüllen zu können, reiche das alleine aber nicht aus: Er fordert deutlich größere finanzielle Unterstützung, um auf Dauer wettbewerbsfähig sein zu können. Die Befürchtung, dass gute Trainer von anderen Ländern mit gutem Geld abgeworben werden, sei mittlerweile eine Tatsache, der Einhalt geboten werden sollte: „Wir dürfen uns nicht länger die Butter vom Brot nehmen lassen.“

Aus dem Rems-Murr-Kreis sind die Bogenschützen aus Welzheim auch außerhalb des Landes gut bekannt. Der Stützpunkt der Rhythmischen Sportgymnastik in Fellbach ist ebenso ein Aushängeschild: „Natürlich wird die starke Gruppe in Fellbach viel unterstützt. Doch der Aufwand von Sportlerinnen, Sportlern, Trainern, Mitarbeitern ist enorm groß. Da wird das jeweilige Engagement absolut überschritten.“ Grimminger ist die aus seiner Sicht zu geringe Bezahlung der Übungsleiter aus einem weiteren Grund ein Dorn im Auge: „Das zeugt von mangelndem Respekt gegenüber den Trainerinnen und Trainern.“ Sein Appell: Im Hinblick auf die Sommerspiele 2016 werde mehr finanzielle Unterstützung gebraucht. Geld garantiere keine Medaillen, erhöhe die Chancen auf Bestleistungen der Athleten aber eindeutig.