Mutige Menschen müssen aufstehen

Bodyguard Michael Stahl gestaltete im Bildungszentrum einen Gewaltpräventionstag – Gegen Mobbing, für Fairness

„Jeder ist unbeschreiblich wertvoll“: Bodyguard Michael Stahl mit Jugendlichen beim Gewaltpräventionstag im Weissacher Bize. Foto: E. Layher

Von Sabine Kaesser

WEISSACH IM TAL. Unglaubliches ereignete sich bei einem Gewaltpräventionstag mit Bodyguard Michael Stahl im Bize. Schüler, die sich bei ihren Mitschülern und auch beim Lehrer für ihr verletzendes Verhalten entschuldigten. Menschen, die so überwältigt waren beim Geraderücken von Fehlverhalten, dass sie die Tränen nicht zurückhalten konnten.

Ziemlich emotional muteten diese Szenen an. Was war geschehen? Was hat Michael Stahl in einem mehrstündigen Training bewirkt, was Lehrer und Mitschüler zuvor nicht vermochten? „Wichtig ist Wertschätzung für sich und für andere“, hörten die rund 80 Schüler der fünften und sechsten Klasse am Nachmittag aus dem Mund des Beraters.

Stahl, der auf Initiative des Freundeskreises und Fördervereins an die Schule gekommen ist, ist groß gewachsen, hat breite Schultern und kurze Haare, und er vermag die Kinder und Jugendlichen zu fesseln. Er erzählte Geschehnisse aus seinem Leben und wirkte pur, gradlinig und authentisch. Er kennt die bewundernden Reaktionen der Schüler, wenn er die Stars aufzählt, die sich auf seinen Schutz verlassen konnten: Nena, der Papst, Boris Becker, Dieter Bohlen und No Angels – um nur einige zu nennen.

Stahl hält sich nicht lange mit diesen Dingen auf. Er hat ein gutes Gespür für die kleinen Unruhestörer, die Anführer unter den Schülern. Gezielt greift er sich einen Jungen und demonstriert, wie Selbstverteidigung funktioniert. Ruhe im Rund. „Wer möchte versuchen, mich umzuwerfen?“ Gleich drei Helden stehen auf und testen sich aus. Ohne Erfolg, Stahl bleibt standhaft.

Doch nun wirkt das Gesagte noch glaubhafter. Wichtig ist, aufzustehen für die Gerechtigkeit. Jeder für sich. „Wer wird gequält in dieser Klasse?“ Ein Name fällt, und der Schüler kommt zu Stahl. Er legt ihm die Hand auf die Schulter und fragt, wer zu ihm stehen möchte. Dann holt er sich einige vermeintliche Anführer und stellt sie vor den vermeintlich Schwachen. „Wenn du ihm hilfst, was glaubst du, was dann die anderen machen?“ Ein unsicheres Grinsen auf dem Gesicht des ernannten Beschützers lässt vermuten, dass diese Demonstration und die Worte tiefer gehen. Und das sollen sie auch. Für andere da sein, andere beschützen, fair sein und für Schwächere eintreten, lauten die Appelle des Bodyguards. Er kämpft für Werte, die, wie er selbst sagt, in unserer Gesellschaft verloren gehen. Am Morgen war der Anstoß Stahls so weit bei vier Klassen der älteren Schülern gegangen, dass die Jugendlichen sich bei einem gemobbten Mitschüler entschuldigt hatten und ebenfalls bei einem Lehrer. Sie hatten einen Weg gefunden, aufeinander zuzugehen. Stahl hatte sie berührt, und einer der Schüler war aufgestanden.

Seit 17 Jahren ist der Fachlehrer für Selbstverteidigung nun schon an Schulen tätig. „Jeder ist unbeschreiblich wertvoll…“, fährt er fort. Und er regt die Schüler zu Handlungen an: „Was möchtest du mit deinem Vater am liebsten machen?“ Die Antworten haben eines gemeinsam, es geht um Aktivitäten. Keiner nannte, gemeinsam Computer zu spielen. Klettern, Baumhausbauen, Fußballspielen. Dinge, die auch die Generation von Stahl im Jugendalter gemacht hat. „Doch heute sitzt ihr vor dem Fernseher, dem PC. Wie könnt ihr da erfahren, was ein richtiges Abenteuer ist? Wie sich Schmerz anfühlt, wenn man vom Baum fällt?“ Nicht nur die körperliche Ertüchtigung ist wichtig. „Wann habt ihr zum letzten Mal eurer Mama, eurem Papa gesagt, dass ihr sie lieb habt?“

Stille kommt auf, die Kinder sind nachdenklich. Stahl forderte die Schüler auf, die Eltern zu umarmen, und „das Gleiche sage ich euren Eltern heute Abend“, fügte er hinzu. Am Abend folgte der Vortrag für die Eltern unter dem Motto „True Heroes – wahre Helden“.