Spielfreude hier, Hörgenuss dort

Das Ensemble Collage mit der Klarinettistin Sabine Meyer sorgte im Bürgerhaus für ein außergewöhnliches Konzert

Hat selten zu hörende Kammermusikwerke im Programm: das Ensemble Collage.Foto: E. Layher

Von Cornelia Ohst

BACKNANG. Begeisterte Bravorufe waren bereits gleich nach dem ersten Programmpunkt beim Konzert im Walter-Baumgärtner-Saal des Bürgerhauses zu vernehmen. Kein geistig entrücktes Musizieren, das Distanz aufbaut, sondern eine vitale, hochprofessionelle Spielfreude, die den Funken bis in die hintersten Sitzreihen überspringen lässt, demonstrierte das Ensemble Collage schon zu Beginn mit Johannes Brahms’ Trio für Klavier, Violine und Horn in Es-Dur.

Es ist bezeichnend für Sabine Meyer, eine der renommiertesten Klarinettistinnen, dass sie sich mit Musikern umgibt, die jeweils eine Klasse für sich auf ihrem Instrument darstellen. So auch das Ensemble Collage, das Sabine Meyer im Jahr 2005 ins Leben gerufen hat. Die sechs ambitionierten Musiker haben sich zum Ziel gesetzt, bedeutende Kammermusikwerke zu pflegen, die aufgrund ihrer ausgefallenen Besetzung mit Streichern, Bläsern und Klavier selten aufgeführt werden. Die wunderschön herausgearbeiteten Dialoge, wie etwa von Hornist Bruno Schneider und dem Violinisten Benjamin Schmid, die ein andächtiges Perlen der Töne, dann wieder einen energiegeladenen Austausch ermöglichen, stellten sich auch bei diesem Konzert als beglückender Hörgenuss heraus. Bewundernswert zart die Technik des Hornbläsers im Zusammenspiel mit der virtuosen Geigeninterpretation und dem temperamentvollen wie auch sinnlichen Spiel der Pianistin Silke Avenhaus. Sie überzeugte an diesem Abend rund zwei Stunden lang mit einer faszinierend einfühlsamen und impulsgebenden Begleitung mit einem akkuraten und ausgefeilten Nuancenreichtum.

In vollständiger Besetzung zeigte sich das Ensemble bei der zeitgenössischen Komposition des Polen Krzystof Penderecki. Das Avantgarde-Stück des Abends, ein Sextett für Violine, Viola, Violoncello, Klarinette, Horn und Klavier, wurde dem Publikum mit einführenden Worten von Benjamin Schmid schmackhaft gemacht. „Pendereckis Komposition enthält eine außergewöhnliche Tonsprache in bildhafter Form“, erklärte der Musiker und erhöhte die Erwartungshaltung mit Aussagen wie: „Die beiden Sätze sind voller archaisch-rhythmischer Kraft“ und „der Satz findet nach einem großartigen Ausbruch am Klavier langsam wieder zur Ruhe“. Den Zuhörern wünschte er für die folgenden 35 Minuten eigentümlicherweise „viel Glück“ bei einer Komposition, die durch die bemerkenswert eingearbeiteten Soli besticht. Das obertonreiche Klangbild von Meyers Klarinette war ein ideales Studiengebiet für die jungen Nachwuchsmusiker im Publikum.

Für sie gab es auch nach der Pause allerhand Gelegenheit, die klangliche Gestaltungskraft von Sabine Meyer mitzuerleben. Dem beachtlichen Tonvolumen und den berauschenden Klangfarben, die sie ihrem Instrument entlockt, konnten die Zuhörer bei einem weiteren Trio von Brahms nachspüren. Dieses Mal für Klavier, Klarinette und Violoncello in C-Dur. Gemeinsam mit dem variationsreichen und originellen Spiel des Cellisten, Clemens Hagen, zeigte Meyer auch hier eine tief berührende Interpretation. Ernst von Dohnányis temporeiche und klangstarke Komposition „Sextett C-Dur“ beendete den glanzvollen Kammermusikabend. Heftiger Applaus und begeisterte Ausrufe waren der wohlverdiente Lohn für ein außergewöhnliches Hörvergnügen.