Heimtückischer Mord am Limes

Alamannen kennen keinen Schmerz: Szenen für ein Dokudrama wurden von der Hochschule für Medien in Grab gedreht

Die Filmcrew, die aus der Kälte kam: Rund um den Heidenbuckel bei Grab wurden jetzt Szenen für ein Dokumentardrama gedreht. Die Hochschule für Medien in Stuttgart war mit einem großen Aufgebot an den Limes gereist.

Auspeitschen inklusive: Als alamannischer Räuber muss man einiges aushalten – als Schauspieler auch.Foto: J. Fiedler

Von Markus Stricker

GROSSERLACH. Es ist bitter kalt und der eisige Nord-Ostwind verwandelt den Limeswachturm auf dem Heidenbuckel bei Grab zu einer denkbar unwirtlichen Filmkulisse. Die imposanten Scheinwerfer, die den winterlichen Wald taghell erleuchten, spenden auch keinerlei Wärme. Minus 5 Grad. Es wird immer kälter und die fast zwanzigköpfige Filmcrew bibbert mit den Schauspielern um die Wette. Alle sehnen die nächste Pause herbei, um sich wenigstens kurz in dem eilig aufgeschlagenen, beheizten Zelt aufzuwärmen. „Ruhe bitte und volle Konzentration, wir drehen jetzt.“ Das Kommando ist kurz und prägnant. Langsam fährt die Kamera auf den parallel zum Set verlegten Schienen, und eine Horde alamannischer Räuber, schwer bepackt mit Diebesgut, hetzt durch das Unterholz. Bewaffnet mit Rundschild, Ger und Frame, den typischen germanischen Speeren, versuchen sie nach einem Beutezug über den Limes zurück in ihre Stammesgebiete zu gelangen. Es sind durch die Bank Mitglieder der ASK-Alamannen, der wohl renommiertesten Alamannen-Reenactment-Gruppe Süddeutschlands.

Mit von der Partie ist auch Axel Worlitz aus Murrhardt-Steinberg, der an diesem Abend angetan mit Wolltunika, Rechteckmantel, Wadenwickel und Bundschuhen seinen ersten Filmauftritt als „Alamanne“ hat. „A.D. 235 – Fall des Limes“ lautet der Arbeitstitel des Filmes, für den die Szene in Grab gedreht wird. Es handelt sich dabei um eine Produktion der Hochschule der Medien (HdM) Stuttgart in Kooperation mit der Stadt Schwäbisch Gmünd. Gedreht wird an insgesamt 14 Locations in Deutschland, England und Italien. Das 60-minütige Dokudrama thematisiert den spektakulären Mord an Kaiser Severus Alexander und dessen Mutter Mamaea im Jahr 235, der im süddeutschen Bereich des Limes stattfand und noch nie filmisch aufgearbeitet wurde. Dieser heimtückische Mord gilt als wesentlicher Faktor der Destabilisierung des römischen Reiches und beschleunigte die umwälzenden politischen und militärischen Ereignisse im 3. Jahrhundert nach Christi, die den Wendepunkt der römischen Herrschaft in Germanien darstellten und mit zum Niedergang der Reichsgrenze Limes führten. Der Film setzt auf die direkte Erfahrung und das Begreifen von historischen Zusammenhängen und geht einen neuen Weg in der medialen Aufbereitung von Geschichte. Weg vom trockenen, rein wissenschaftlichen Vortrag hin zum dramaturgischen Schauspiel mit historisch korrektem Ansatz. Professionell produziert und umgesetzt von den Studierenden der HdM, ermöglicht er auch den teilnehmenden Reenactmentgruppen, ihre Arbeit einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Neben ausgebildeten Akteuren sind es vor allem diese Laienschauspieler, die ihre jahrelange Erfahrung mit der Darstellung römischen und germanischen Lebens in den Film einfließen lassen. In aufwendigen Coachings wurden sie im Vorfeld an der Filmhochschule von professionellen Trainern auf ihre Rollen vorbereitet.

Die wichtigsten Hauptrollen, wie der machtbesessene, kaltblütige Maximinus Thrax, gespielt von Stephan Bernau, oder Christina von Elm, die die Kaisermutter Mamaea mimt, sind mit Laien besetzt – die spielen ihre Rolle aber so glaubwürdig, dass die Filmcrew unter der Leitung von Professor Stuart Marlow rundum happy ist. Die alamannischen Räuber im kalten schwäbischen Wald erledigen ihren Job ebenfalls zur vollsten Zufriedenheit, wenn auch ihr Diebeszug abrupt am Limes endet. Es ist schon nach Mitternacht, als sie von einer römischen Patrouille gestellt werden, die kurzen Prozess mit ihnen macht.

Axel Worlitz und Jari Heidenwag aus Stuttgart werden gefangen genommen und dürfen sich auf die nächste Szene freuen, die es allerdings so richtig in sich hat. Wieder ein Außendreh, nur einen Tag später, im Welzheimer Ostkastell. „Auspeitschung der alamannischen Räuber“ steht auf dem Drehplan. Axel und Jari werden stundenlang geschminkt. Hämatome und blutige Peitschenstriemen werden auf ihre Rücken gemalt und dann werden beide mit nacktem Oberkörpern an einem Holzpfeiler angebunden und ausgepeitscht. Das Thermometer zeigt mittlerweile minus 6 Grad an. Alamannendarsteller kennen scheinbar keinen Schmerz. Informationen zum Film: www.ad235derfilm.de. ASK-Alamannen: www.ask-alamannen.de.