- Kultur 10.03.2010
Robert Schumann und seine Zeitgenossen
Konzert mit der Pianistin Melanie Sauter bei der KEH-Förderung junger Künstler im Bürgerhaus
Von Christoph Rothfuss
BACKNANG. Noch einmal fährt sie sich durchs Haar, wartet – und greift dann in die Tasten: hochkonzentriert beginnt die junge Pianistin Melanie Sauter ihren Klavierabend im Rahmen der KEH-Reihe im Backnanger Bürgerhaus.
Die Musikfreunde feiern dieses Jahr den 200. Geburtstag von Robert Schumann, und so stellte Sauter ihr Recital unter das Motto „Schumann und seine Zeitgenossen“. Schumann komponierte seine Phantasiestücke op. 111 anno 1851, also fünf Jahre vor seinem Tod. Das erste Stück („sehr rasch, mit leidenschaftlichem Vortrag“) bietet Melanie Sauter aufgewühlt, bisweilen heftig zupackend. Um seine seelischen Befindlichkeiten zum Ausdruck zu bringen, verwendete Schumann das antagonistische Paar von Florestan dem Wilden und Eusebius dem Milden. Diese beiden geistern auch durch die Phantasiestücke. So ist das zweite Stück, welches die Pianistin innig und mit geschlossenen Augen interpretiert, eindeutig Eusebius zuzurechnen. Im dritten Stück („kräftig und sehr markiert“) marschiert Florestan mit triumphatorischer Geste einher, doch auch Eusebius meldet sich in verträumten Passagen zu Wort. Es folgt ein Paradestück Sauters, welches sie seit Jahren begleitet: die Grande Etude d’après Paganini, Nr. 2 („Andantino capricioso“) von Franz Liszt. Hier darf Sauter ihr ganzes pianistisches Können aufbieten: perlende Läufe, donnernde Oktaven und vollgriffige Akkordpassagen. Nach diesem launischen Stück wird es finster mit den Funérailles (Trauerfeier) aus den „Harmonies poétiques et réligieuses“, ebenfalls von Liszt. Doch auch in diesem Stück gibt es Hoffnung, und bei den beiden orkanartigen Steigerungen teilt sich Sauter die Kräfte gut ein.
Nach der Pause erklingt die Sonate a-Moll D 784 von Franz Schubert. Der erste Satz (Allegro giusto) beginnt mit verhaltener Spannung, die Pianistin zeichnet klare Strukturen und macht abrupte Dynamikwechsel schlüssig nachvollziehbar. In der Durchführung führt sie die Zuhörer gekonnt durch die Gefilde entfernter Tonarten und hämmert die Akkordpassagen mit kräftigem Anschlag. Es ist ein Wechselbad der Kontraste, das einen fesselt. Das sich anschließende Andante ist ein Idyll, welches bedroht ist, sich aber am Ende behauptet. Mit dem feinen Pinsel geht Melanie Sauter den quirligen letzten Satz (Allegro vivace) an. Doch auch hier finden sich expressive Ausbrüche, die für Spannung sorgen. Am Ende erklatscht sich das Publikum eine Zugabe: die Etude op. 25/4 von Chopin.

