100 Jahre Brandt, 50 Jahre Gruber

Der Backnanger SPD-Landtagsabgeordnete behauptet sich im Haifischbecken Profipolitik
Gernot Gruber

(not). Als vor zwei Jahren Gernot Gruber in den Landtag gewählt wurde, war nicht jeder Beobachter sofort davon überzeugt, ob sich der brave Backnanger im Haifischbecken Profipolitik ohne Weiteres durchsetzen kann. Denn von Gruber weiß man, dass er grundehrlich und aufrichtig ist – nicht unbedingt die beste Voraussetzung dafür. Heute ist klar, man kann auch mit Grubers Naturell und vor allem mit seinem Fleiß im Politikgewerbe bestehen, auch wenn es vielleicht im Ellenbogengeschäft nicht nach ganz oben reicht.

Andere Kritiker bezweifelten, ob der zuweilen bieder auftretende Sozialdemokrat das Format hat, sich auf der öffentlichen Bühne zu bewegen. Und siehe da, seit Monaten blüht der Genosse richtig auf. Im Feuerwehrgerätehaus versprühte er am Dienstagabend richtiggehend Witz und brachte mit seiner ihm eigenen Art die Besucher mehrfach zum Lachen. So etwa bei der Begrüßung, als er auflistete welche Mandatsträger alle zu Gast waren. Ganz trocken zählte er auf: „Ich begrüße auch die Vorsitzende der SPD-Gemeinderatsfraktion von Murrhardt, mei Mutter.“

Als er später Innenminister Reinhold Gall ein Buch zum Jubiläum 150 Jahre SPD überreichte, sagte er: „In Backnang gibt es die SPD zwar erst seit 123 Jahren, aber 150 Jahre – das lässt sich besser merken. Denn das bedeutet 100 Jahre Willy Brandt und 50 Jahre Gernot Gruber.“

Zuvor hatte Backnangs Feuerwehrkommandant Daniel Köngeter die Hilfsfristen thematisiert. Die Feuerwehr muss nach spätestens zehn Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort sein. Köngeter verdeutlichte, dass es für die Kameraden zuweilen sogar unmöglich ist, innerhalb der georderten Zeit überhaupt nur bis zum Feuerwehrgerätehaus zu kommen. Als Beispiel nannte er die Strecke von der Stuttgarter Straße zum Gerätehaus. Köngeter verdeutlichte: Während des Berufsverkehrs ist das in zehn Minuten nicht möglich. Laufsportler Gernot Gruber dazu knochentrocken: „Höchstens zu Fuß.“

Am Ende schlug Gruber aber auch wieder ernste Seiten an. Es gehe nicht an, immer nur schlecht über die Politiker zu sprechen, sonst gebe es keinen guten Nachwuchs mehr. Heute schon sei es sehr schwierig, Kandidatenlisten voll zu kriegen. Auch zum Vorwurf Politiker-Raffgier fand er deutliche Worte. So erklärte er beispielsweise für seine Person, dass er heute weniger verdiene als in seinem früheren Berufsleben. Und: Er habe seine sichere Position bei seinem Arbeitgeber aufgegeben, gleichzeitig sei aber seine Wiederwahl in drei Jahren nicht garantiert. Gruber: „Ich bin da ein hohes Risiko eingegangen.“