Innenminister Gall wirbt für Nachwuchs beim Ehrenamt

Gesundes Miteinander entsteht bei gegenseitiger Hilfe

Ein Lobpreis auf all jene Bürger, die sich bei der Polizei, bei der Feuerwehr und bei den anderen Hilfsdiensten „für die Menschen in unserem schönen Land einsetzen“ – Innenminister Reinhold Gall würdigte bei den Backnanger Gesprächen der SPD die Verdienste all jener, die sich hier mit ihrer ganzen Kraft einbringen. Und er warb für Nachwuchs.

Wirbt mit vollem Einsatz fürs Ehrenamt: Reinhold Gall. Ein Bereich, in dem seiner Ansicht nach mehr passieren sollte, ist die Werbung von Migranten zu Feuerwehr und Hilfsdiensten. Foto: J. Fiedler

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Reinhold Gall ist Feuerwehrmann durch und durch. Seit 40 Jahren ist er Mitglied und selbst heute noch, wenn es die Arbeit zulässt, bei Einsätzen mit dabei. Wer aber deshalb glaubt, Gall würde deshalb als Innenminister den Feuerwehren mit beiden Händen Geld zuschanzen, der hat sich geschnitten. Im Vorfeld der Veranstaltung hatte sich Gall noch mit Mitgliedern der Feuerwehr zu einem Vorgespräch getroffen. Nun verteidigte der Sozialdemokrat die Haltung, die Berufsfeuerwehr nicht weiter auszubauen und setzt vielmehr auch in Zukunft auf das Ehrenamt. Die Grenze liegt derzeit bei 100000 Einwohnern. In Städten, die weniger Bürger zählen, kann es laut den Vorgaben keine Berufsfeuerwehr geben. Ein Fehler, meinen Kritiker. So müssten zum Beispiel die drei hauptamtlichen Wehrmänner von Esslingen zuweilen mit dem Ausrücken drei bis vier Minuten warten, bis die ersten Ehrenamtlichen eintreffen und dadurch eine komplette Staffel zustande kommt. Doch Gall widersprach. Die Grenze niedriger anzulegen – etwa bei 80000 Einwohner – würde die Hilfe nicht verbessern, sondern allenfalls verteuern. Gall zog als Vergleich die Notärzte heran. Hier handelt es sich ausschließlich um Profis, und die schaffen es oft nicht, die gesetzliche Hilfsfrist einzuhalten, obwohl diese in diesem Bereich 15 Minuten beträgt. Galls Fazit: Ohne Ehrenamt funktioniert das System nicht.

Deshalb ist es für ihn besonders wichtig, genügend Nachwuchs zu bekommen. Bei der Polizei gibt es derzeit keine Probleme, immer noch gibt es deutlich mehr Bewerber als Stellen. Landesweit gibt es 24000 Beschäftigte bei der Polizei, darunter erfreulich viele Frauen. Er lobte den Einsatz der Polizei und verdeutlichte, was dies zuweilen heißt: „Das bedeutet, an Weihnachten Dienst zu schieben und auf den Braten zu verzichten. Das bedeutet, den Kindergeburtstag der eigenen Kinder auszulassen. Das bedeutet, Todesnachrichten zu überbringen. Das bedeutet, nüchtern zu bleiben, während andere Fasching und andere Feste feiern.“ Gall lobte: „All diese Menschen engagieren sich für die Sicherheit der Bürger.“ Und er weiß: „Dort, wo Menschen sich einander helfen, entwickelt sich ein gesundes Miteinander.“

Doch wie sieht es mit dem Nachwuchs bei der Feuerwehr und den Rettungsdiensten aus? Der Wegfall der Wehrpflicht und des Ersatzdienstes hat die Sache nicht vereinfacht. Der Minister appellierte, bei der Nachwuchsgewinnung neue Wege zu gehen und forderte kommunale Unterstützung ein. Um die Jugend an das Thema heranzuführen, sind zum Beispiel schon die Erzieherinnen gefordert. Die Jugendfeuerwehren sind längst schon unverzichtbar. Doch Gall glaubt, „bald werden wir auch Kinderfeuerwehren haben“. Es geht darum, Werte in der Gesellschaft hochzuhalten. „Wir müssen vermitteln, dass man als Mitglied einer Hilfsorganisation in einem bestimmten Umfang auch Erfüllung findet im Ehrenamt.“

Es war das erste Backnanger Gespräch der SPD unter der Federführung von Gernot Gruber, seit dieser Landtagsabgeordneter ist. Nach der freundlichen Begrüßung durch Gruber schmeichelte Gall dem engagierten Gastgeber und dem SPD-Stadtverband: „Ich bin gerne gekommen, denn die Backnanger Gespräche haben einen sehr guten Ruf.“