Er misst sich mit den Profis

Michael Weick kreiert Holzskulpturen und nimmt an Symposium in St. Blasien teil

Er kreiert Skulpturen aus Holz, die er mit der Kettensäge aus einem Baumstamm herausarbeitet. Michael Weick wurde von einer Jury für das 18. Internationale Bildhauersymposium in St. Blasien ausgewählt. Dort können Besucher zuschauen, wie mitten in der Stadt Kunst entsteht.

Das Ergebnis einer Arbeit mit einer schweren Kettensäge: Michael Weick in seinem Garten mit einer seiner Skulpturen. Foto: privat

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Seine Werke hat Michael Weick noch nie der Öffentlichkeit präsentiert. Aber besucht man ihn in seinem Haus in Backnang, wird man bereits im Vorgarten von seinen Objekten aus Holz empfangen. Überdimensionale bunte Bonbons oder ein etwa 80 Zentimeter langer Apfelbutzen liegen zwischen der Bepflanzung. Aber das sind nur die kleineren Objekte. Den Garten hinter dem Haus schmücken bis über zwei Meter hohe Arbeiten. Holzringe greifen ineinander oder verbinden Elemente. Die verschlungenen Objekte wurden jeweils aus einem einzigen Stamm gefertigt. Nichts ist geleimt oder zusammengefügt. Sehr präzise muss Weick vorgehen, wenn etwa eine große Kette mit 10 einzelnen in sich greifenden Gliedern entsteht. Mit der Kettensäge bearbeitet er den vollen Stamm, trennt die Glieder und schleift sie. „Man muss genau wissen, wie man durchstechen muss“, sagt Weick, der früher als Konstrukteur gearbeitet hat. „Ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen ist nötig.“

Dass er zur Holzbildhauerei gekommen ist, war eigentlich reiner Zufall. Als der diplomierte Ingenieur Anfang der 1990er-Jahre in Backnang ein Haus kaufte, standen 25 Fichten auf seinem Grundstück, die bis zu 13 Meter hoch waren. Weick kaufte sich eine Kettensäge und fertigte aus dem Stammholz seine erste Skulptur an. Es war eine polynesische Figur. Eine Reise nach Hawaii hat ihn zu dem Motiv inspiriert. Dort hatte er übrigens am Ironman Triathlon teilgenommen. In Backnang ist Weick seit 1984 Mitglied des Triathlon Clubs und gehörte 12 Jahre lang dem Vorstand an. Körperliche Fitness kommt ihm auch beim Arbeiten mit der schweren Kettensäge zugute.

Seit Weick vor drei Jahren in den Ruhestand gegangen ist, beschäftigt er sich intensiv mit der Kettensägekunst. Sein Arbeitsplatz, wo auch die Stämme gelagert sind, befindet sich auf einer Wiese hinter dem Haus. Natürlich sind die Fichten längst zu Skulpturen und auch zu Brennholz verarbeitet worden. Inzwischen ersteigert Weick Festmeter-Holz mit verschiedenen Holzarten wie Buche, Roterle oder Weißtanne. In seinem Haus stehen eigene Werke, wohin man auch blickt. Restholz verarbeitet er zu kleineren Figuren wie witzigen, bunten Männchen, die von der Treppe grinsen. Meterhohe Streichhölzer, eins davon unbenutzt, eins abgebrannt und geschwärzt, sind aus schmalen Resten entstanden. Besonders interessant ist ein Knoten aus Holz mit harmonischen Rundungen. Bei der fast lebensgroßen Figur eines Turners, der sich auf drei Pfosten stützt, hat Weick eine andere Technik angewandt. Er ist nur grob mit der Kettensäge bearbeitet und schwarz geflammt. Aus kleinen Holzresten fertigt er bunt bemalte Bonbons.

Bei der Ausschreibung für das 18. Internationale Bildhauersymposium in St. Blasien, das dieses Jahr unter dem Motto. „Es leuchten die Kuppeln, es singt meine Stadt...“ steht, hat er sich mit einem Foto von einer Würfelsäule beworben, die mit den Farben eines Regenbogens angemalt ist und eine leichte Krümmung aufweist. Unter vielen Bewerbungen wurde er von der dortigen Jury ausgewählt. 15 Künstler werden an Standorten in der Domstadt vor den Augen der Besucher ein Werk entstehen lassen. Vom 25. August bis 1. September dauert das Symposium. Am letzten Tag werden die Objekte versteigert und ein Publikumspreis sowie ein Jurypreis ausgelobt. Unter internationalen Mitbewerbern ausgewählt worden zu sein, ist für den Hobbykünstler aus Backnang bereits ein Gewinn.