Mit E-Fahrzeugen in die Zukunft

Mobiles Schulungszentrum Elektromobilität steht bis zu den Herbstferien beim beruflichen Schulzentrum Backnang
Präsentierte einige verblüffende Fakten rund ums Elektroauto: Uwe Kehn von der Leutenbacher Firma GreenIng in einem E-Fahrzeug. Foto: J. Fiedler

Von Klaus J. Loderer

BACKNANG. Die Kenntnisse über Elektromobilität sind in weiten Teilen der Bevölkerung noch immer ziemlich gering. Um dem abzuhelfen, hat die Technische Akademie Schwäbisch Gmünd ein mobiles Schulungszentrum entwickelt, in dem sich Schüler ab der achten Klasse über Elektromobilität informieren und auch mal ein E-Bike ausprobieren können.

Schon am Eröffnungsabend fanden aber die beiden E-Go-Karts am meisten Zuspruch – zwei Jungs flitzten damit über den Schulhof. Bei dem mobilen Schulungszentrum handelt es sich um einen Pavillon, der neben der Aula des beruflichen Schulzentrums aufgestellt wurde. Allerdings ist er nicht nur für dessen Schüler gedacht, sondern steht bis zu den Herbstferien allen Schulen der Region offen, wie TA-Geschäftsführer Michael Nanz betonte.

Seit April 2013 sei das MSE in Esslingen und Fellbach bereits von mehr als tausend Schülern besucht worden. Das MSE sei das erste derartige Projekt in Deutschland, sagte Nanz stolz. Er hatte aber auch gleich eine Bitte an die beiden anwesenden Bundestagsabgeordneten, Norbert Barthle und Christian Lange: „Beim Thema Elektromobilität müssen wir in diesem Land vorne dran bleiben.“

Eine wichtige Erkenntnis, zu der die Schüler im MSE kommen sollen, lautet, dass Elektromobilität nur dann sinnvoll ist, wenn der Strom aus regenerativen Energien gewonnen wird, erläuterte Bernd Herrig, der das Projekt als Kursleiter betreut. Dazu wurde eine komplexe Software entwickelt, mit deren Unterstützung sich die Schüler im theoretischen Teil mit Energie, Energiegewinnung und Mobilität befassen können. Im praktischen Teil können die Schüler in kleinen Gruppen verschiedene Experimente machen, die in dieser Form im Schulunterricht nicht angeboten werden.

„Hier tut sich ein Stück Zukunft auf“, lobte Landrat Johannes Fuchs und erklärte, in den beruflichen Schulen des Rems-Murr-Kreises sei das Thema Elektromobilität bereits in die Lehrpläne eingearbeitet, da man erkannt habe, dass Elektromobilität etwa im Kfz-Bereich zur Zukunft gehöre. Hier wolle man den jungen Menschen Kenntnisse vermitteln, da man bestrebt sei, sich neuen beruflichen Aufgabenfeldern zu stellen. Es sei ein Glücksfall, dass es gelungen sei, das Mobile Schulungszentrum Elektromobilität nach Backnang zu holen.

Auch Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper zeigte sich beglückt, dass Backnang einer der ersten Standorte sei, an denen das neue MSE zum Einsatz kommt. „Viele Experimente“ müsse der Slogan heißen, um Schüler anzuregen, unter wissenschaftlicher Anleitung spannende Versuche im Schulungspavillon zu machen. Und der Oberbürgermeister betonte auch sogleich, dass Backnang der Sitz moderner Unternehmen sei, die sich genau mit diesem Thema befassen.

Ein Beispiel dafür ist die Firma Flyer Service, deren Geschäftsführer Thomas Hummel das Unternehmen ausführlich vorstellte. Das in Backnang noch junge Unternehmen ist eine Tochter des schweizerischen E-Bike-Herstellers Biketec. Seit 2001 stellt man in Huttwil mit inzwischen 200 Mitarbeitern Elektrofahrräder her, die den Modellnamen Flyer tragen. Dieses Jahr sollen es 50000 werden. In der Firma nehme man Nachhaltigkeit sehr ernst, deshalb sei das neue Produktionsgebäude auch als Passivhaus errichtet worden. Das Tochterunternehmen in Backnang übernimmt den Service in Deutschland und schult Fachgeschäfte.

Einen ausführlichen Vortrag zu den verschiedenen Facetten und Problemfeldern der Elektromobilität hielt Dr. Uwe Kehn, Geschäftsführer der vor drei Jahren gegründeten Firma GreenIng in Leutenbach, die sich mit Fahrzeugentwicklung, Grundlagenentwicklung und Consulting beschäftigt. In seinem Vortrag ging er ausführlich auf die Ladeproblematik und den Wirkungsgrad ein, den er mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren verglich. Kehn betonte aber auch, dass im Bereich der Schiene Elektrofahrzeuge schon seit Jahren vorherrschen. Auch das erste elektrische Auto sei viel früher entwickelt worden als angenommen. Das Publikum staunte, als Kehn ein im Jahr 1900 von Ferdinand Porsche entwickeltes Elektroauto vorführte. Und man schmunzelte, als man das Auto von Oma Duck erkannte – bei dessen Vorbild es sich um das „Detroit Electric“ handelt, das von 1908 bis 1939 hergestellt worden sei.

Die anwesenden Lehrer und Schulleiter waren vom Mobilen Schulungszentrum Elektromobilität angetan, ließen sich das Konzept genauer erklären und buchten eifrig Termine für ihre Klassen.

Informationen und Anmeldung unter 07171/314407, www.mse-ta.de, E-Mail: mse-ta@technische-akademie.de.