Investor denkt an Wohnbebauung

Vermarktung läuft nicht so, wie gedacht: Die Dibag rückt von ihrem bisherigen Obere-Walke-Konzept ab

Ein Großteil der Obere-Walke-Pläne ist Makulatur. Aldi kommt definitiv nicht, Mediamarkt mit größter Wahrscheinlichkeit nicht und auch sonst tut sich auf dem Dibag-Areal nichts. Jetzt denkt der Investor über Wohnbebauung nach.

Die Natur erobert die Obere Walke: Während der Edeka-Markt (im Hintergrund) kurz vor der Vollendung steht, liegt das restliche Gelände brach; hier könnten Wohnungen gebaut werden.Foto: E. Layher

Von Reinhard Fiedler

BACKNANG. Kaess kam, schaute, kaufte und baute. Und noch Ende dieses Monats wird der neue Edeka-Markt eröffnet. Das ist ein Teil der jüngeren Geschichte der Oberen Walke. Eine Erfolgsgeschichte, wenn man so will.

Der andere, der größere Teil der einstigen Industriebrache gähnt vor sich hin. Keine Erfolgsgeschichte. Einzig die Natur sorgt für zwar langsame, aber stete Veränderung. Es entwickelt sich ein Biotop. Heißt: Auf dem Areal der Doblinger Industriebau AG (Dibag) geht seit geraumer Zeit nichts mehr. Neubebauung mit Discounter, Elektromarkt, Gewerbehof, Möbelhandel, Künstlerateliers und Café – waren das nur große Sprüche?

Mit Ja zu antworten wäre unlauter. Denn die gute Absicht des Münchner Investors Dibag war vorhanden. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Eine bei großen Projekten nicht selten zu machende Erfahrung.

Aldi sollte von der einen Murr-Seite auf die andere Seite ziehen. Das war die Idee der Dibag-Experten. Doch Aldi wollte nicht, das ist schon seit August vergangenen Jahres bekannt.

Hingegen bekräftigte der Mediamarkt noch im August 2012 sein Interesse an einem Umzug von der Sulzbacher Straße auf die Obere Walke. Dibag reichte einen Antrag auf Baugenehmigung ein, das städtische Baurechtsamt gab grünes Licht. Doch die beiden Vertragspartner fanden bis heute nicht zusammen. Es hängt, heißt es, mit Umstrukturierungen beim Mediamarkt zusammen. Vor drei Wochen sagte Dibag-Projektentwickler Sebastian Kuhlen, dass man bei der Stadt eine Tektur eingereicht hat. Heißt: Eine Korrektur oder Überarbeitung einer fertigen Bauplanung.

Von anderen sich auf dem Dibag-Areal ansiedelnden Branchen wird auch schon lange nicht mehr gesprochen. Von einem Gartenmarkt war vor Jahren mal die Rede – und unlängst wieder. Die Stadtverwaltung soll dem Investor einen Großen aus der Branche schmackhaft gemacht haben. Doch hat sich wohl auch dieses zwischenzeitlich zerschlagen. Offenbar sind auch hier zwei nicht zusammengekommen.

Gut gedacht war auch das Vorhaben, hinter dem PicksRaus-Markt einen Gewerbehof zu entwickeln. Ein Areal für kleine Gewerbebetriebe, Handwerker und Künstler. Wenn das je realisiert werden sollte, dann gewiss nicht so schnell, es dürften bis dahin noch etliche Jahre ins Land ziehen.

Wenn sich also zwischen dem demnächst fertigen Edeka und dem existierenden PicksRaus kein Aldi niederlässt und kein Mediamarkt und auch sonst kein Geschäft, was dann?

Dass die Projektentwickler auch darüber nachdenken, liegt auf der Hand. Offiziell bestätigt es niemand, doch die Informationen unserer Zeitung sind zuverlässig: Wohnbebauung lautet jetzt die Überschrift. Wohnbebauung, wie sie schon vor vielen Jahren immer mal wieder – auch aus der Bevölkerung – vorgeschlagen wurde, mit Verweis auf finanzielle Aspekte aber nie ernsthaft zur Debatte gestanden ist.

Handelt es sich bei der von Dibag eingereichten Tektur also nicht nur um kleinere Planänderungen, sondern um eine völlig neue Planung? Es sieht alles danach aus. In einigen Wochen dürfte es so weit sein, dass auch der Gemeinderat die neuen Vorstellungen präsentiert bekommt. Dies nicht nur wegen der eh angebrachten Transparenz, sondern weil es im Falle des Baus von Wohnungen einer Bebauungsplanänderung bedarf. Und über die entscheidet allein das Kommunalparlament. Es ist durchaus denkbar, dass die Stadträte dieser neuesten Planung gerne zustimmen. Das Rathaus will sich noch nicht offiziell äußern, erste Stimmen klingen allerdings angetan: „Mehrwert statt Supermärkte. Von denen haben wir ja schon genug.“