Die Pläne und die Realität

Szenen aus der jüngeren Walke-Geschichte
Wird nicht realisiert: Discounter und Elektromarkt im Konzept des Investors.

(rf). Das Obere-Walke-Archiv der BKZ ist prall gefüllt. Wir haben geblättert und ein Sammelsurium von Aussagen und Planungen zusammengestellt – ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit.

2007: Im August macht eine Aktion von Innenstadteinzelhändlern mobil gegen das Konzept. Mitte September präsentiert im Technischen Ausschuss der Stuttgarter Investor Häussler überarbeitete Pläne für ein Fachmarktzentrum. Es ist gefälliger als zunächst vorgesehen, heißt es im Gremium. Tage später fasst der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss: Die Walke soll Standort großflächigen Einzelhandels werden. Das Vorhaben ist in der Bevölkerung umstritten, ein ehemaliger Amtsleiter spricht in einem Leserbrief von einem „schädlichen Konzept“ – und wird daraufhin von Stadträten öffentlich gerügt. Kritisch äußert sich auch der BUND – über Jahre hinweg.

2008: Die Kritik reißt nicht ab, der Widerstand wird größer, das Baudezernat wird mit Einsprüchen eingedeckt. Unter anderem fordert eine Agenda-Gruppe einen Park und Wohnbebauung. OB Dr. Frank Nopper spricht von alternativloser Planung, während von Täuschung die Rede ist und Häussler im Mai erneut eine „stark veränderte Konzeption“ präsentiert: Ein Bau- und Gartenmarkt wird aus den Plänen rausgeworfen.

Im Frühherbst nimmt Häussler von seinem Vorhaben teilweise Abstand und einen Co-Investor mit ins Boot: die Hanseatic Bauträger GmbH. BKZ vom 20. September 2008: „Die Walke-Diskussion beginnt von Neuem.“

2009: Im Januar wird bekannt, dass ein Häussler-Konkurrent seinen Hut in den Ring geworfen hat – es ist die Dibag. Die will mit deutlich weniger Verkaufsfläche auskommen und abschnittsweise ihre Ideen realisieren. Als erstes soll für den Mediamarkt Platz geschaffen werden. In diesen Wochen fetzen sich der OB und Hanseatic-Vertreter wegen angeblicher klarer Positionierung Noppers zugunsten Doblingers. Im Gemeinderat am 4. Februar spricht sich die Stadtverwaltung für Doblinger aus. Das Kommunalparlament gibt den Münchnern grünes Licht, aber ohne Begeisterung.

Wenig später denkt Dibag über einen Rücktritt vom Kaufvertrag nach. Grund: Anker-Mieter Mediamarkt will sich angeblich lieber auf jenem Gelände ansiedeln, wo derzeit (Oktober 2013) der Edeka-Bau seiner Vollendung entgegensieht. Es ist Ende April, als Firmenpatriarch Alfons Doblinger höchstpersönlich Druck macht, freundlich im Ton, aber immerhin: Bis Ende Juni will er ein klares Signal. Das Problem: Doblinger und der Eigentümer des kleineren Walke-Stücks, Dr. Folkart Schweizer, werden sich wegen des Grundstückpreises nicht einig. Dieses Problem löst sich Anfang Juni: Schweizer verkauft sein Walke-Areal an die Grundstücksgemeinschaft Carl Kaess. BKZ-Kommentar: „Die Unternehmensfamilie Schweizer hat sich mit Süffisanz aus dem zunehmend provinziell anmutenden Theaterstück Obere Walke verabschiedet.“

2010: Es wird etwas ruhiger. Erst im Oktober macht die Obere Walke wieder größere Schlagzeilen: Dibag-Vertreter Reinhard Riedl und Kaess-Geschäftsführer Wolfgang Kaess präzisieren im Gemeinderat ihre Vorstellungen für eine grundlegende Modernisierung eines Schandflecks. Kaess verspricht einen Lebensmittelvollsortimenter (von Edeka ist noch nicht die Rede) und Riedl weiterhin einen Discounter und einen Mediamarkt. Zudem kann er sich ein Technikmuseum im sogenannten Marconi-Bau vorstellen. Reaktion im Gemeinderat auf die Pläne: Verhaltenes bis großes Lob.

Im Dezember verkündet der Stadtplaner, dass die Walke-Bebauung keine Probleme für Fauna und Flora mit sich bringt und dass mit weit weniger Altlasten gerechnet wird, als befürchtet.

2011: Einige der alten Fabrikbauten auf der Walke sollten erhalten bleiben. So hieß es immer. Doch nach und nach scheint nichts mehr erhaltenswert, auch wegen der Hochwasser-Schäden vom Januar. Mitte Mai wird wieder eine solche Entscheidung bekannt: Der sogenannte Marconi-Bau soll aus Kostengründen ebenfalls fallen. Damit ist auch die Idee, dort ein Technikmuseum unterzubringen, gestorben.

Ende Juli heißt es seitens der Dibag, dass der Mediamarkt im Mai 2013 eröffnet werden soll. Auch die Carl Kaess Grundstücksgemeinschaft nennt einen Termin: Eröffnung des Vollsortimenters (Edeka) im Herbst 2013. Bedingung beider Investoren: Der Gartenstraße-Umbau muss bis dahin fertig sein. Die Stadt hält sich dran und auch Kaess bleibt seiner Ankündigung treu...

Im Juli beginnen auch die Abbrucharbeiten, über lange, lange Zeit ist’s staubig und laut. Am Ende werden 80000 Tonnen Bauschutt abtransportiert sein.

2012: Im Zusammenhang mit seiner Kritik am Hochwasserschutz zwischen Oppenweiler und Backnang beklagt der BUND auch die Erhöhung des Walke-Niveaus. Wichtige Retensionsflächen gingen verloren. Die Bebauung ist „vollkommen rechtskonform“, sagt kurz darauf Stadtplaner Stefan Setzer im Gemeinderat. Im August dann bestätigt Aldi unserer Zeitung, dass er kein Interesse am Standort Obere Walke hat. Media Markt hingegen bekräftigt seine Umzugspläne...

Im November reicht der BUND einen Normenkontrollantrag gegen den Walke-Bebauungsplan ein. Der VGH Mannheim hat bis heute noch nicht entschieden.

2013: Die Arbeiten auf der Industriebrache gehen weiter, insbesondere der Edeka-Bau wächst. Weiter hinten wächst vor allem Grünzeug.