Raritäten aus der Geschichte der Löschtechnik

Staunen über die Oldtimer und die Vorführungen in historischer Brandbekämpfung beim Feuerwehrfest

Feuerrote Löschfahrzeuge aus vielen Epochen gaben sich am Wochenende ein Stelldichein. Aus dem ganzen süddeutschen Raum und der Schweiz waren sie nach Welzheim gefahren. Jeder von ihnen hat eine eigene Geschichte.

Mit derlei Fahrzeugen rückte man anno dazumal einer Feuersbrunst zu Leibe: Vorführung beim Fest in Welzheim.Fotos: E. Layher

Von Sabine Kaesser

WELZHEIM. Es blinkten die blauen Lichter und es übertönten sich teilweise die Sirenen, als die Löschfahrzeuge rund um die Kirche am Samstagnachmittag Position bezogen. „Die hän a Rundfahrt durch dr Welzheimer Wald g’macht“, ließ Werner Kugler von der Welzheimer Feuerwehr vernehmen. Über zwei Jahre Planung für dieses im süddeutschen Raum einmalige Ereignis lagen hinter ihm und seinen Mitstreitern. Die Sonne strahlte mit den Veranstaltern, den Gästen und den über 100 Fahrzeugen um die Wette. Ein gewisser Stolz war hiesigen und angereisten Feuerwehr-Fans anzumerken.

„Da war ich schon mehrmals oben“, bestätigte ein Mitglied der Mergentheimer Feuerwehr auf Nachfrage. Als wäre es eine Selbstverständlichkeit, auf eine über 30 Meter hohe, aufgestellte Leiter zu klettern. Die umstehenden Passanten, den Kopf im Nacken und die Hand zum Schutz vor der Sonne über den Augen, zollten ihm, die Leiter im Blick, anerkennend Respekt. Für den Magirus-Deutz Marke DL30H, sprich Drehleiterfahrzeug mit 30 Meter Leiterlänge, hatte – im Jahr seiner Zulassung – 1963 immerhin die stolze Summe von 100000 Mark investiert werden müssen. Dafür kann bis zum heutigen Tag die Leiter im Bedarfsfall eingesetzt werden.

Viel Bewunderung ernteten auch zwei Pferde mit prächtigem Geschirr. Mit wedelndem Schweif gegen die lästigen Fliegen ließen sie sich brav von den Besuchern streicheln. Die französischen Kaltblüter hatten Nervenstärke bewiesen. Brav zogen sie bei der Löschübung, die unter großem Publikumsandrang am Feuersee stattfand, die Handdruckspritze. Qualmender Rauch, eine bunte interessierte Menschenmenge und die hallenden Lautsprecheransagen konnten sie bei ihrem rettenden Einsatz nicht aus der Ruhe bringen. Historisch gewandete Feuerwehrler demonstrierten eindrucksvoll die Geschichte der Löschtechnik. Vom einfachen Ledereimer über Bottiche, Puttenspritze und Einfolgenspritze konnten die bessere Reichweite und steigende Wassermenge gut festgestellt werden. Ganz nebenbei erfuhren die Besucher, dass bereits früher ein „Anreizsystem“ für schnelles Handeln sorgte: derjenige, der zuerst mit seinen Pferden zur Stelle war, erhielt eine Prämie.

Unterdessen wurden rund um die roten und anderen Raritäten Fachgespräche über Sonderanfertigungen, Ersatzteile und die nächsten Treffen geführt. Fast jedes der Fahrzeuge, die zum Teil 70 bis 80 Jahre alt sind, hat irgendeine Besonderheit. Ob mit Holzleiter aus dem Jahre 1928 oder einer Kraftdrehleiter Marke KL18, mit einem Ersatzrad auf dem Dach oder einem Fahrzeug Marke Borgward bis zur Werksfeuerwehr von Daimler Benz aus Sindelfingen in „Cabrioform“: jedes für sich ein Unikat. Dennoch sind einige von ihnen durchaus noch einsatzfähig, wenn es darauf ankommt. „Wir sind eben alles Idealisten und freuen uns, hier zusammen zu kommen“, resümierte Peter Holzwarth von der Welzheimer Feuerwehr.