Das trennende BK und das Bindeglied B14

IHK-Geschäftsführer Hans-Martin Gayer wirbt im Bürgerzentrum der Kreishauptstadt für das Verbindende

Das Jubiläumsjahr des Rems-Murr-Kreises ist Vergangenheit, aber das Thema Zwangsgebilde ist trotzdem präsent wie eh und je. Trotz oder vielleicht gerade wegen dem wieder neu eingeführten BK-Kennzeichen. Hans-Martin Gayer, der Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer, warb für das Verbindende.

WAIBLINGEN (not). Das Motto der Heimattage, die in diesem Jahr in Waiblingen ausgerichtet werden, lautet: alte Steine neue Wege. Für Gayer war neue Wege eine Steilvorlage: Das wissen alle hier im Saal neue Wege müssen auch in der Verkehrsinfrastruktur beschritten werden. Und schwups war das Thema B14 und damit die nach wie vor problematische Verbindung zwischen Backnang und Waiblingen wieder auf dem Tableau. Alt ist, dass der Ausbau der B14 weiter auf sich warten lässt. Neu ist, dass Kfz-Halter nun wieder zwischen WN- und BK-Kennzeichen wählen können. Gayer: Wir können nur hoffen, dass diese neue Aufteilung der Kfz-Kennzeichen die Trennung zwischen Rems und Murr nicht noch verschärft, sondern alsbald die B14 als Bindeglied ausgebaut und die Verbindung damit gestärkt wird. Der IHK-Mann appellierte an die Politik, endlich kluge Entscheidungen zu treffen und ihre Versprechen einzulösen.

Während das B-14-Thema eher Sache des Bundes ist, ist das Land verantwortlich für eine Neuerung, die Gayer ganz und gar nicht gefällt: Die Einführung von Kommunalunternehmen in Form einer Anstalt des öffentlichen Rechts. Seiner Ansicht nach sieht die neue Regelung eine fast schrankenlose Freigabe wirtschaftlicher Betätigungen für Städte und Gemeinden vor. Das Ganze sei ein deutliches Signal weg von der Marktwirtschaft hin zu staatlicher, unternehmerischer Tätigkeit. Gayer sieht hierin eine Gefahr für kleinere und mittlere Betriebe, die in Zukunft mit Kommunen um Aufträge konkurrieren müssten. Doch der Wettbewerb sei verzerrt. Denn Kommunen könnten viele Leistungen zu niedrigeren Preisen anbieten. Der Grund hierfür: Aufgrund nicht vorhandener Insolvenzgefahr kommen die Gemeinden günstiger an Kredite. Gayer appellierte eindringlich an die Landespolitiker, das kritisierte Verfahren zu stoppen.

Diesen Appell hörten viele Abgeordnete, denn der Neujahrsempfang der IHK lockt Jahr für Jahr ein illustres Publikum. So war es auch am Donnerstagabend. Abgeordnete von Bund und Land hatten sich eingefunden, dazu etliche Regional-, Kreis- und Stadträte sowie Vertreter von kommunalen Verwaltungen oder großen Behörden. Der große Saal des Bürgerzentrums war gut gefüllt, aber längst nicht alle Plätze waren besetzt. Der Feierstimmung der IHK-Gäste bereitete dies aber keinen Abbruch. Nach den Reden wurde wie immer das Buffet gestürmt. Und bei leckeren Häppchen und manch einem Viertele über dieses und jenes geplaudert. Dass an dem Abend auch das Künstlerische nicht zu kurz kam, dafür waren Michaela Christl und Christian Höller verantwortlich. Die Sängerin und der Akkordeon-Spieler waren bei dem Empfang gleich viermal gefordert und ernteten für ihre Darbietungen viel Applaus. Zur Einleitung brachten die beiden Also sprach Zarathustra (Richard Strauß), Willkommen Cabaret (John Kander), Nichts haut mich um, aber Du (Hildegard Knef) und Cest si bon (Henri Betti) zu Gehör. Zwischen den einzelnen Vorträgen und Grußworten erfreuten sie das Publikum noch mit La vie en rose (Die Fledermaus/Johann Strauß) oder Kann denn Liebe Sünde sein. Auch Hildegard Knefs Hit Für mich solls rote Rosen regnen zählte zum Programm, dazu noch Milord und der Tango Libertango (Astor Piazzolla).

Mit Je ne regrette rien schloss der Abend. Eine gute Wahl für den Abschluss. Denn keiner, der da war, hatte Anlass, den Besuch zu bedauern.