Keine Grabsteine aus Kinderhand

Gemeinde treibt den Fairtrade-Gedanken voran Gegen Ausbeutung und Zwangsarbeit

Auf den Friedhöfen in der Gemeinde Weissach im Tal soll künftig die Regel gelten: Keine Grabsteine aus Kinderhand. Der Gemeinderat hat der Verwaltung einstimmig den Auftrag erteilt, einen entsprechenden Passus für die Friedhofssatzung auszuarbeiten.

Künftig sollen nur noch fair gehandelte Grabsteine und Einfassungen zulässig sein: Friedhof in Unterweissach. Archivfoto: E. Layher

WEISSACH IM TAL. Seit dem Weihnachtsmarkt ist es ganz offiziell und mit Urkunde bestätigt: Weissach ist Fairtrade-Gemeinde. Mit dem Zertifikat wurde jedoch nicht nur eine Anerkennung für bisherige Anstrengungen ausgesprochen. Vielmehr ist damit auch der Handlungsauftrag verbunden, weiterhin im Sinne des Fairtrade-Gedankens zu wirken.

Ein Ansatzpunkt für die Gemeinde bietet sich, wie Hauptamtsleiter Wolfram Hartmann erklärte, bei Grabsteinen und Grabeinfassungen. Zahlreiche Grabsteine auf deutschen Friedhöfen stammen nämlich aus Indien nach Schätzungen des Deutschen Naturwerkstein-Verbands stammen 40 bis 50 Prozent der angebotenen Grabsteine von dort. Für die Kunden sind solche Produkte unschlagbar günstig. Doch oftmals haben sie keine Ahnung davon, dass Kinder in den indischen Steinbrüchen schuften mit allen denkbaren üblen Folgen: Sie holen sich bereits in frühen Jahren Staublungen und handeln sich chronische Augenentzündungen und Haltungsschäden ein. Vor allem aber bekommen sie nie eine Schule von innen zu sehen und haben keine Chance auf eine Grundbildung.

Fairtrade verbietet solche ausbeuterische Kinderarbeit und Zwangsarbeit. Die Organisation wendet sich dabei gegen Arbeit, die gefährlich ist und die Schulbildung oder seelische und körperliche Gesundheit der Kinder beeinträchtigt. Bezeichnungen wie Made in Italy oder Made in China stellen dabei keine echte Versicherung für die Kunden dar: Natursteinprodukte werden in diesen Ländern oft nur weiterverarbeitet, das Gestein selbst stammt aber dennoch aus indischen Steinbrüchen. Der Weg der Steine sei oft schwer nachvollziehbar, erklärt der Naturwerkstein-Verband.

Vor diesem Hintergrund wurde bereits das Bestattungsgesetz geändert. Gemeinden können nun festlegen, dass nur Steine verwendet werden dürfen, die nachweislich aus fairem Handel stammen und ohne ausbeuterische Kinderarbeit hergestellt wurden. Der Nachweis erfolgt über entsprechende Zertifikate.

Hier können wir klar Position beziehen, sprach sich Bernd Hecktor (Weissacher Bürger) für die Änderung der Friedhofssatzung aus. Darüber hinaus erklärte er, Konsumenten hätten stets eine hohe Verantwortung: Jeden Tag kann jeder einen Beitrag zu einer besseren Welt leisten. Auch Irmgard Hestler (SPD) schloss sich an, sie fand den Gedanken pervers: Kinder sollen Grabsteine schlagen.

Auch CDU/FWV und UBL stimmten dem Vorhaben zu. Einstimmig wurde die Verwaltung beauftragt, einen entsprechenden Passus für die Friedhofssatzung zur Beschlussfassung vorzubereiten.