Mastiaux will Elefant zum Tanzen bringen

Der Vorstandsvorsitzende der EnBW AG versucht in Sachen Energiewende Brücken zu bauen

Ein Plädoyer für innovative Partnerschaften zwei Worte im Titel von Dr. Frank Mastiaux Festvortrag lassen aufhorchen: Plädoyer und Partnerschaften. Das klingt nach Scheidungsanwalt, witzelt der EnBW-Chef. Er aber will das Gegenteil sein: Sein Anliegen ist es, in Sachen Energiewende für Brücken zu werben. Er möchte Partner zusammenbringen.

Der Mann fürs Grüne: Frank Mastiaux arbeitet mit viel Leidenschaft daran, die Impulse für den nötigen Wandel bei der EnBW zu setzen.Fotos: J. Fiedler

WAIBLINGEN. Die etwa 700 Gäste meist Unternehmer und Politiker hörten das Angebot beim IHK-Neujahrsempfang mit Wohlgefallen. Bloß, wer sind die Partner Mastiaux konkretisierte: Ich möchte Brücken bauen zwischen den hier versammelten Branchen und der Energiewirtschaft, zwischen Mittelstand und Großkonzern, zwischen Bürger und Energieversorger. Der Konzernchef, der gerne auch mal mit dem Titel der Mann fürs Grüne bedacht wird, prognostiziert der EnBW eine Zeit des radikalen Wandels. Er lobte die neue Bundesregierung, die die Energiewende als zentrales Thema erkannt hat. Und er kritisierte gleichzeitig: Aber an einigen Stellen ist man klar zu kurz gesprungen. Laut Mastiaux hätte der Gesetzgeber einige Dinge konsequenter regeln sollen. Etwa die Weiterentwicklung der Windkraft. Viele Investoren wissen nun nicht, wie es weitergeht.

Die sich rapide verändernden Rahmenbedingungen sind auch für die EnBW eine große Herausforderung. Denn ihr traditionelles Geschäftsmodell, der Betrieb großer Kraftwerke, funktioniert nicht mehr. Im Kern gilt es, sich als Energieversorger neu zu erfinden oder zu verschwinden. Die Energiewende ist in ihrer Dimension vergleichbar mit der Wiedervereinigung, der politischen Wende. Der Energiemarkt werde so große Veränderungen erleben, dass kaum ein Stein auf dem anderen bleibt.

Die Energiebranche vollzieht derzeit einen fundamentalen Wandel, den Mastiaux als Evolution bezeichnete. Er verglich dies mit der Situation von IBM vor 20 Jahren. Der Konzern hatte ein funktionierendes Geschäftsmodell und war Weltmarktführer und rutschte dennoch innerhalb weniger Jahre in die Verlustzone. Der damalige Vorstandsvorsitzende Lou Gerster habe es geschafft, den Konzern mit innovativen Partnern unter Beibehaltung seiner Kompetenzen neu zu erfinden und mit anderen Inhalten wieder Weltmarktführer zu werden. Mastiaux empfahl den Gästen Gersters Buch Wer sagt, dass Elefanten nicht tanzen können Und der Nordrhein-Westfale würdigte das Potenzial Baden-Württembergs, das Land der Tüftler und Ingenieure.

Die Dezentralisierung verändert die Energieflüsse im Stromnetz radikal. Früher lief der Transport vom Großkraftwerk zum Kunden. Heute ist er aufgrund der dezentralen Einspeisung viel komplexer zu organisieren, weil sich die Ein- und Ausspeisestellen ständig ändern.

Zwei Herzschläge sollen den Fortbestand der EnBW sichern. Ihre Titel: Maschinenraum der Energiewende und Nahe am Kunden. Das bedeutet: Das Großformatige und Industrielle bleibt vorhanden. Neu ist dagegen, die 100-prozentige Orientierung am Kunden. Es müsse neue Lösungen und Produktinnovationen geben.

Mastiaux versicherte, er werde viel Energie darauf verwenden, die Impulse für den notwendigen Wandel bei der EnBW zu setzen. So möchte er erreichen, dass aus einer vermeintlichen Druckposition eine echte Chance für das Unternehmen wird. Wir sind auf einem guten Weg. Der Elefant ist aufgestanden und läuft gerade los. Und wir gucken einmal, ob wir ihn zum Tanzen bringen.