Bürger wollen ihren Laden im Dorf nicht missen

Reger Wortwechsel bei Infoveranstaltung Nahversorgung am Beispiel des Bonus-Markts Kunden und Anbieter müssen mit Kompromissen leben

Der Saal im Florian-Haus platzte aus allen Nähten. Mit so einem großen Ansturm hatte niemand gerechnet. Erfreulich trotzdem. Ist es doch ein Zeichen dafür, wie sehr den Bürgern das Thema Nahversorgung am Herzen liegt.

Freuten sich über das überraschend große Interesse (links von vorne): Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz, Klaus Baumgardt (Jobcenter), Moderator Jobst Kraus und Hans-Jürgen Beier (Vertriebsleiter bei Bonus) im Florian-Haus Burgstall. Foto: E. Layher

BURGSTETTEN. Wenn die Freundlichkeit fehlt, geht keiner mehr hin!, Ich würde gerne Geld im Laden liegen lassen, kann es aber nicht, weil keine Ware da ist!, Sie sollten uns hier nicht sagen, was im Bonus-Markt alles nicht geht, sondern, was machbar ist! Die Bürger nahmen am Donnerstagabend kein Blatt vor den Mund. Sprachen aus, was ihnen stinkt, aber auch, was sie sich wünschen und was ihnen gefällt.

Hans-Jürgen Beier, Vertriebsleiter bei Bonus und verantwortlich für 30 Märkte, hatte keinen leichten Stand. 130 bis 140 Bürger waren ins Florian-Haus gekommen, viele hatten im Saal keinen Sitzplatz ergattert und mussten stehen oder im Foyer Platz nehmen. Die meisten von ihnen waren Bonus-Kunden, und die meisten unzufrieden. Beier versuchte deutlich zu machen, dass die Bürger keinen Lebensmittelmarkt im herkömmlichen Sinn erwarten dürften. Bonus komme dort hin, wo es sich für die etablierten Märkte nicht lohne. Aus diesem Grund müsse er sich mit erschwerten Rahmenbedingungen auseinandersetzen.

Da sind zum einen die Mieten und die immensen Energiekosten. Letztere, weil Bonus noch nicht auf kostengünstige LED-Beleuchtung umgestellt hat und Kühlprodukte nur in (ur-)alten Truhen anbieten kann. Zudem verfüge er über kein Fachpersonal. Er sei auf die Mitarbeiter angewiesen, die ihm das Jobcenter zuweist. Die seien oft nur wenig motiviert, würden sich kaum mit der Tätigkeit in einem Lebensmittelmarkt oder mit dem Ort identifizieren und würden in der Anfangszeit auch oft ausfallen.

Zudem: Die Höchstförderdauer des Jobcenters dauert zwei Jahre. Länger dürfte ein Bonus-Markt eine Arbeitskraft gar nicht beschäftigen. Das heißt: Der häufige Wechsel von Mitarbeitern ist vorprogrammiert und unabdingbar.

Auch wenn diese Argumente punkten, die Bürger wollten sich nicht mit diesen Aussagen zufriedengeben. Zahlreiche Wortbeiträge gab es, in denen sich Kunden über die Unkenntnis der Bonus-Beschäftigten beschwerten. Ware würde nicht eingeräumt werden, Preise wären gar nicht oder falsch ausgezeichnet, Kundenwünsche würden ignoriert werden, Rauchpausen ausgedehnt und die Kasse sei oft gar nicht besetzt von der Freundlichkeit und Höflichkeit der Mitarbeiter ganz abgesehen.

Wenn kein Marktleiter da ist, der seine Mitarbeiter einweist und überwacht, kann es ja nicht klappen, brachte es ein Bürger auf den Punkt. Überhaupt: Werden die Mitarbeiter eigentlich eingelernt Niemand der Anwesenden hatte den Eindruck, dass dies geschieht. Und wer ist dafür verantwortlich Das war eine der zentralen Fragen an diesem Abend.

Das ist nicht unsere Aufgabe, machte Beier deutlich. Die Leute müssten Minimal-Anforderungen erfüllen, Regale mit Ware auffüllen und kassieren mehr nicht. Freundlichkeit setze er voraus. Ich kann erwachsenen Menschen nicht sagen, dass sie sich morgens waschen und kämmen sollen, sagte Klaus Baumgardt. Aber, so der Leiter des Jobcenters Rems-Murr weiter, biete er auch Seminare und Fortbildungsveranstaltungen an.

Dennoch, es gab auch Lichtblicke. Beier präsentierte den neuen Marktleiter Reinhold Göbbel. Der 26-Jährige ist jetzt jeden Tag im Markt vor Ort. Der soll bleiben, das ist ein ganz Netter, rief eine Zuhörerin in die Runde, die spontanen Beifall erntete. Moderator Jobst Kraus und Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz machten deutlich, dass nicht alles perfekt sein könne, dass man Kompromisse eingehen müsse. Beier bot an, dass man sich noch in kleiner Runde im Bonus-Markt treffen kann, um weiter zu diskutieren, beispielsweise über das Warensortiment und über Öffnungszeiten.