540 Meter Murr werden verlegt

Konsens beim Hochwasserrückhaltebecken in Oppenweiler erreicht Kosten steigen um eine halbe Million Euro

Die Auseinandersetzungen und teilweise erbitterten Streitereien in Sachen Hochwasserschutz haben offensichtlich ein Ende gefunden: Die Mitgliedsgemeinden des Wasserverbandes Murrtal, zuständige Behörden und der Betreiber der Wasserkraftanlage Rüflensmühle haben einen Kompromiss gefunden. Es herrscht nun Konsens.

OPPENWEILER/BACKNANG (rf/flo). Wirksamer Hochwasserschutz muss sein. Darüber sind sich die Murr-Anlieger spätestens seit dem verheerenden Januar-Hochwasser aus dem Jahr 2011 einig. Eine der wichtigsten Maßnahmen: Das Rückhaltebecken bei Oppenweiler. Die nach vielerlei Hin und Her im Herbst 2013 beschlossene Variante stieß auf erbitterten Widerstand von Rüflensmühle-Eigentümer Dr. Jürgen Küenzlen.

Folge: Zahlreiche weitere Gespräche, zahlreiche weitere Überlegungen und ganz entscheidend eine vom Landratsamt vorgenommene Änderung des wichtigen Parameters Mindestwassermenge in einer sogenannten Umgehungsrinne. Herausgekommen ist dabei schlussendlich eine Variante, die als Nummer 4 in die Geschichte des Wasserverbandes eingehen wird.

Sie wird um etwa 500000 Euro teurer, als die 2013 beschlossene Variante 3b (6,5 Millionen Euro), sie wird von der zuständigen Behörde allerdings auch als förderfähig eingestuft. Für den Verband entstehen so Mehrkosten von 150000 Euro. Davon hat Backnang laut Satzung etwa 82500 Euro zu tragen. Ein wichtiges Signal: Der Wasserkraftbetreiber will sich an der Finanzierung auch beteiligen, und zwar mit 50000 Euro.

Wesentliche Punkte der Maßnahme (Variante 4) nach Berechnungen und Plänen des Backnanger Ingenieurbüros Frank GmbH:

Die Murr (immer von der Fließrichtung aus gesehen) wird deutlich vor dem heutigen Rüflensmühle-Wehr zum topografischen Geländetiefpunkt verlegt und mündet unterhalb des Mühlkanals beziehungsweise dem alten Verlauf wieder in den bestehenden Verlauf ein. Heißt: Neubau der Murr links ihres jetzigen Betts auf einer Länge von 540 Metern. Mittlerer Ausbaudurchschnitt: 20 Meter breit. Die Mühle wird wie bisher über den Mühlkanal mit Wasser versorgt.

Zur Regelung der Stauhöhe zur Mühle beziehungsweise des Abflusses in die Hochwassermulde wird am Übergang Murr-Flutmulde ein sogenanntes Schlauchwehr (25 Meter breit) eingebaut, mit dem der Stauwasserspiegel geregelt werden kann. Im Normalfall steigt das Wasser dann in Richtung Ellenweiler, im Hochwasserfall sorgt es für einen Abfluss des Wassers in das Rückhaltebecken, das durch einen Damm begrenzt wird.

Auf diesem Damm wird, wenn sie denn einmal gebaut werden sollte, auch die Ortsumfahrung der Bundesstraße14 errichtet werden können. Die Beschickung der Mühle wird über eine Verdolung unter dem geplanten Rückhaltedamm zum Mühlkanal erfolgen. Um die Durchgängigkeit der Murr (etwa für Fische) zu gewährleisten, wird eine sogenannte Umgehungsrinne neben dem neuen Murrlauf ab Schlauchwehr angelegt.