Die Camper vom Lido und die Räuberbande

Gruschtelkammer-Theatergruppe führte das von Werner Papst bearbeitete Stück „Scheene Ferien“ in der Sängerhalle Oberbrüden auf – Tosender Beifall am Ende

Für die einen ist Camping das reinste Vergnügen, für die anderen einfach nur billig: Stoff genug für Verwicklungen: Szene aus der Aufführung der Gruschtelkammer-Theatergruppe. Wie in all den Jahren zuvor wurden gleich mehrere Vorstellungen angesetzt.Foto: E. Layher

Von Karin Wagner

AUENWALD. Die Gruschtelkammer-Theatergruppe brachte mit „Scheene Ferien“ ihr Publikum zum Lachen – und das fast drei Stunden lang. Das Lustspiel von Bernd Gombold war von Werner Pabst auf die schwäbische Mundart und die Schauspieler des Kulturvereins zugeschnitten worden. Das Engagement der Mimen wurde immer wieder durch Szenenapplaus und tosenden Beifall am Ende der Vorstellung belohnt.

Camping – für die einen ein Lebenselixier, für die anderen einfach nur eine Möglichkeit, billig Urlaub zu machen. Die Hansemanns (Gerda Traiser und Rolf Breitkreutz), ein wohlhabendes Ehepaar aus dem Norden, verbringen jedes Jahr ihren Urlaub in ihrem luxuriös ausgestatteten Wohnwagen auf dem Campingplatz. Sie lieben die Ruhe. Dazu passen die neuen Camping-Nachbarn wie das Ehepaar Muffel (Susanne Marquardt und Manfred Burkhardtsmaier) vom Hallschlag in Stuttgart mit Schwiegermutter-Anhang überhaupt nicht. Kaum sind diese eingetroffen, geht das Gezanke auch schon los. Erika Muffel beklagt sich bitterlich. Sie hat sich die Reise anlässlich ihrer Silberhochzeit ganz anders vorgestellt. Sie dachte da eher an eine Kreuzfahrt und nicht an einen Abenteuerurlaub auf dem Lido am Brüdenbach. Da half der Tipp des Ehemanns Klaus Muffel, eine Bootsfahrt auf dem Ebnisee zu machen, auch nicht viel. Er dagegen gab lautstark seinem Ärger Ausdruck: dass wieder einmal die Mutter, von ihm liebevoll „Schwiegerdrache“ genannt, dabei ist. Die Martha (Maria Schweinberger) ließ sich aber nichts gefallen und konterte wortgewaltig. Aber zumindest sollte sie separat im mitgebrachten kleinen Aldi-Zelt schlafen. Allerdings kippte der Klaus lieber ein paar Dosen Bier anstatt das Zelt aufzubauen. Die leeren Dosen warf er dann einfach in die Natur. Da dauerte es nicht lange, und Frauke Brunsberg-Zickenstein (Petra Graf), die Möchtegern-Psychologin, tauchte auf und beklagte sich bitterlich über das rüpelhafte Verhalten von Klaus Muffel. Aber ganz Psychologin, versuchte sie mit Rollenspielen und Therapieangeboten ihren Gegenübern zu helfen. Denn der Mann braucht Hilfe. Auf jeden Fall hatte der Camping-Wart Heiner Hägele (Karl Bäuerle) alle Hände voll zu tun, um die Ordnung auf seinem Campingplatz zu erhalten. Und dann waren da auch noch die Nachrichten über eine Räuberbande, die ihr Unwesen an nahegelegenen Campingplätzen treibt. Um das Tohuwabohu zu komplettieren, tauchte immer wieder zwischendurch der Camper Peter (Volker Thoma) auf, um sich Zutaten für seine Schwarzwälder Kirschtorte bei den Hansemanns zu schnorren. Und Fokus-Journalistin Lisa Schreiber (Gabi Broens) nervte alle nasenlang mit ihren Fragen für ihre Reportage über das Camper-Verhalten in Deutschland. Als auf dem Campingplatz erste Gegenstände fehlten, beschlossen Klaus, Gottfried und Heiner, eine Nachtwache zu halten, um die Diebe zu entlarven. Eine erste Annäherung der ungleichen Nachbarschaft. Nach ein paar Bieren und Schnäpsle ging’s recht lustig zu. Zu guter Letzt kündigte sich dann auch noch Tom (Klaus Schienbein), der Sohn von Hansemanns an. Ein Großkotz, der unter ständigem Geldmangel leidet. Hansemanns wollten ihm eine Lehre erteilen und kurzerhand tauschten sie mit Muffels quasi Haus und Hof. Tom erschien mit Jenny (Nicole Mehl), der Tom eine Modelkarriere und viel Geld versprochen hatte. Der traute seinen Augen und Ohren nicht, als er erfuhr, dass seine Eltern pleite sind und von dort nichts zu holen war. Am Schluss wurden dann noch Gott sei Dank die Diebe festgenommen. Man wollte es nicht glauben, aber es waren der Peter und die „Fokus-Tussi“. Nach all den Erlebnissen fand die ungleiche Nachbarschaft dann doch noch zusammen, und selbst Gisela Hansemann fand Gefallen an dem guten Hopfenblütentee aus der Bierdose. Und Erika Muffel verzieh ihrem Ehemann, der ihr zum Hochzeitstag einen (Fahrrad)-Mantel und eine (Fahrrad)-Kette schenkte.