Kein Stillstand beim Afrika-Hilfsprojekt

BKZ-Leser helfen: Christian Kreisel plant jetzt ein Kultur- und Jugendzentrum – Zum Welt-Aids-Tag startet die neue Homepage

Hilfe, die wirklich etwas bewirkt: Der Einsatz des Backnanger Studenten Christian Kreisel für Kinder in Tansania fruchtet. Das beeindruckende Hilfsprojekt, das er mit viel Herzblut und durch kräftiges Anpacken auf den Weg gebracht hat, wird wieder von der Aktion „BKZ-Leser helfen“ unterstützt.


Von Peter Wark

BACKNANG. Rastlos treibt Christian Kreisel sein Hilfsprojekt voran. An der Universität in Marburg, wo er Medizin studiert, hat er viele Mitstreiter gefunden. Interdisziplinär arbeiten inzwischen eine ganze Reihe von Studenten, Dozenten und externen Fachleuten mit. Stillstand gibt es nicht. Ganz aktuell zum Welt-Aids-Tag am Montag, 1. Dezember, wird die neue Homepage seiner Hilfsorganisation African German Expert Knowledge (AGET) freigeschaltet.

Der Verein wurde vor wenigen Wochen gegründet (wir berichteten), Schirmherr ist Nobelpreisträger Jules Hoffmann, Gründungsmitglied unter anderem der Marburger Oberbürgermeister Egon Vaupel. Das Finanzamt hat inzwischen die Gemeinnützigkeit anerkannt, AGET ist ins Vereinsregister eingetragen.

Zum zweiten Mal wird Christian Kreisel von der BKZ-Weihnachtsspendenaktion unterstützt, ebenso von der Stadt Backnang. Anfang Oktober berichtete der Heininger vor den Mitgliedern des gemeinderätlichen Jugend- und Sozialausschusses über sein Engagement – und hinterließ beeindruckte Stadträte.

Über die neue AGET-Homepage werden ab 1. Dezember die Kalender, die von Studierenden des Institutes für bildende Kunst der Philipps-Universität Marburg erstellt wurden, zu kaufen sein. 17,95 Euro plus Versandkosten werden verlangt – Geld, das voll und ganz der Arbeit für HIV-positive Kinder in Kibosho am Fuße des Kilimandscharo zugutekommt.

Es gibt schon zwei konkrete Projekte, die mit dem Erlös des Kalenders umgesetzt werden sollen: Die Errichtung eines Jugend-und-Kultur-Centers, in dem die jungen HIV-infizierten Menschen beziehungsweise Aids-Waisen temporär unterkommen und eine Ausbildung machen können. Diese Ausbildungen soll es ihnen ermöglichen, wirtschaftlich auf eigenen Beinen zu stehen. Das ist vorwiegend für junge Frauen wichtig, die nicht erbberechtigt und daher oft mittellos sind. Aktuell ist es häufig so, dass eine junge HIV-positive Frau ihre Infektion verleugnen muss, um einen Partner zu finden, der zumindest eine Hütte hat in der sie leben kann.

Das führt nicht selten dazu, dass sie möglicherweise ihren Partner infiziert beziehungsweise selbst wieder eine Anzahl von HIV-positiven Kindern bekommt, sondern auch dazu, dass sie die Medikamente die sie häufig bereits nimmt, wieder absetzt. Um diesem Teufelskreis vorzubeugen, werden Christian Kreisel und seine Mitstreiter versuchen, die Betroffenen in verschiedenen praktischen Berufen auszubilden und ihnen eine Anstellung zu verschaffen. Das Tempo, in dem der 36-jährige Backnanger sein Hilfsprojekt in Tansania vorantreibt, ist beeindruckend. Vor stark einem Jahr erst hat er damit angefangen und seither schon mehr auf die Beine gestellt als manche finanzstarke Hilfsorganisation in so kurzer Zeit zustande bringen kann.

Derzeit ist eine Gruppe Studierender des wirtschaftswissenschaftlichen Instituts der Universität Marburg damit beschäftigt, eine konkrete Wirtschaftsplanung sowie eine Kostenberechnung durchzuführen. Parallel dazu werden im Moment die Baupläne für die Gebäude für das neue Zentrum erstellt.

Ein anderer Teil des Geldes aus dem Kalendererlös und den Spenden soll in ein Projekt fließen, dass ebenfalls mit interdisziplinärem Ansatz aus der Universität Marburg heraus entwickelt wird. Dabei handelt es sich um Apps, mit denen die Aids-Aufklärung in Afrika zielgruppengerecht gestaltet werden kann. Zwar gibt es eine Unmenge an Broschüren zum Thema HIV und Aids. Das Problem ist nur, dass die meisten Menschen in Afrika nicht oder kaum lesen können. Dagegen hat nahezu jeder Mensch in Tansania ein Handy oder Smartphone. Mit kurzen Filmen, die in Apps verpackt werden, soll hier ein Erfolg versprechender Beitrag zur Aids-Aufklärung geleistet werden.

Des Weiteren können über die Homepage auch Bildungspatenschaften für einzelne Kinder und Jugendliche in Tansania übernommen werden. Für einen Betrag von 100 Euro im Jahr kann man beispielsweise einem Kind zum Primary-School-Abschluss verhelfen.

Unter der Adresse www.AGET-Germany.com sind ab Montag, 1. Dezember, alle Infos abrufbar.