Häufig eine Eins mit Sternchen

Adolf-Grün-Gedächtnisschau war die zweite Kreisschau des Kreisverbands der Kleintierzüchtervereine

Stolz und kuschelig: Zwerg-New Hamshire (links) von Richard Schreiber, Winnenden, und kastanienbrauner Lothringer von Patrick Schuska, Alfdorf-Mannholz.Fotos: U. Gruber


Von Ute Gruber

KIRCHBERG AN DER MURR. Lautes Krähen erfüllt die Gemeindehalle. Von kräftigem Bass bis grellem Sopran, je nach Größe der hervorbringenden Kehle. Dazwischen das sanft werbende Gurren der Tauben. Nur von den vielen Kaninchen im Hintergrund hört man nichts. Es sei denn ein gelegentlich warnendes Klopfen. Dabei ist es dieses Jahr noch leise, denn die 40 gemeldeten Enten und lautstarken Gänse sind wegen der Vogelgrippe zu Hause geblieben: Zu hohe Auflagen für den Transport von Wassergeflügel.

Und noch einer fehlt beim Höhepunkt der Schausaison im Rems-Murr-Kreis: Adolf Grün aus Backnang, die gute Seele der Kleintierzucht. „Ich gebrauche den Begriff ‚Vorbild‘ sonst selten“, meint Öffentlichkeitsreferent Bernd Uhlmann dazu, „aber bei Adolf Grün war er angebracht. Fachlich sowohl wie menschlich.“ Die zweite Kreisschau des Kreisverbands der Kleintierzüchter ist daher dem vor einem Jahr verstorbenen Ehrenmitglied und langjährigen Preisrichter gewidmet.

Über 600 der schönsten Tiere von 88 Ausstellern aus dem ganzen Rems-Murr-Kreis sitzen nun in den langen Reihen von Einzelkäfigen. Bereits tags zuvor waren die neun Preisrichter zugange gewesen, die Ergebnisse können die Besucher auf den kleinen Schildchen an jedem Käfig ablesen: Beim Geflügel etwa werden unter anderem Haltung, Kamm, Farbe beurteilt. Erreicht das Tier 91 oder 92 der 100 möglichen Punkte, bekommt es ein „gut“, ab 93 ein „sehr gut“, ab 96 ist es „hervorragend“ und ab 97 „vorzüglich“. Praktisch eine Eins mit Sternchen. Gar nicht so selten in Kirchberg.

Dabei ist für jede Rasse ein Idealtyp festgelegt, an dem das zugehörige Tier gemessen wird. Ist bei den dunklen Augsburger Hähnen der doppelte Hahnenkamm rassetypisch, ist er bei den ansonsten recht ähnlichen Australorps ein grober Mangel, der unweigerlich zum Ausschluss führt. Bei den Kaninchen spielt außer Fell und Körperform auch das Gewicht eine gewichtige Rolle. Die übergewichtige Hasendame, deren Höchstgewicht überschritten und damit „nicht befriedigend“ ist, lässt das kalt. Wie die meisten anderen döst sie entspannt ausgestreckt im Stroh. Nur die Rammler sind durch die große Konkurrenz etwas aufgedreht und versprühen ihre Markierungsstoffe. Wohlweislich ist der Hallenboden mit Gummimatten ausgelegt…

Grobe Mängel finden sich in Kirchberg allerdings kaum. Unter „Wünsche“ notiert der Preisrichter mehr oder weniger leserlich seine Verbesserungsvorschläge, zum Beispiel: „auf Kammlage achten“, „mehr violett“ etc. Dass der Gockel mit den Schwanzfedern, die anstatt sich elegant gebogen und grün schillernd zu präsentieren, aussehen, als hätte sie der Räuber Knapp schon fünf Jahre am Hut getragen, heute „leider nicht in Schauverfassung“ ist, erkennt dann auch der Laie. Vielleicht ein andermal.

Aus der Not geboren, waren Kleintierzüchtervereine entstanden, um auch ärmere Familien mit lebenswichtigem Protein aus Eiern und Fleisch zu versorgen. Daran freilich mangelt es heute nur selten; so hat sich die Haltung von Geflügel, Tauben und Kaninchen inzwischen zur Liebhaberei entwickelt. Doch „auch unsere Kinder schätzen unsere eigenen, goldgelben Eier zum Frühstück.“ so Uhlmann. Und das Schlachten, vor allem der Hasen? „Das gehört dazu. Da weiß ich wenigstens, was ich esse.“, meint Züchtertochter Saskia Beck. „Aber mein Bruder hat nie Hase gegessen.“ Überzählige Tiere aber entstehen unweigerlich beim Züchten, vor allem Männchen. Schließlich behält man nur die besten Tiere für die Zucht, der Rest wandert notfalls in die Bratwurst. Aber das eine oder andere Kuschelhäschen für die Kinder springt doch dabei heraus, vor allem bei den Farbzwergen: Die sind doch allzu knuffig, weiß mit schwarzem Kajalstrich zum Beispiel die „hototfarbenen“ oder die Widder mit den Schlappohren oder die Hermeline mit den blauen Augen oder...

Der Nachwuchsförderung unter den Kleintierzüchtern hat sich vor allem Joachim Weißkopf verschrieben. Als Kreisjugendleiter bietet er interessierten Schulen und Kindergärten einen Kükenschlupf an: 21 Tage dürfen die Kinder einen Brutapparat betreuen, Temperatur und Feuchte kontrollieren und vor allem „leise sein, damit die wachsenden Küken sich nicht erschrecken. Die Lehrer waren mir dafür äußerst dankbar“. Und dann das Schlüpfen miterleben. In so manchem Hausgarten entstand da eine Voliere, in der heute die Kinder Verantwortung für ihre Tiere übernehmen.

Folgende Vereine wurden Kreisvereinsmeister 2015: Spiegelberg bei den Kaninchen, Winnenden beim Geflügel und Weissacher Tal bei den Tauben.

Bei den Züchtern wurden Kreismeister 2015: Kaninchen:    Roland Schaal, Backnang (    Rote Neuseeländer);       Dieter Pachonik, Auenwald   (Kleinsilber schwarz);     Alwin Schäfer, Kirchberg/Murr  (Zwergwidder, thüringerfarben);       Bernd Uhlmann, Spiegelberg    (Castor-Rexe). Geflügel:    Bernd Müller, Marbach (    Ind. Kämpfer, blau-fasanenbraun),       Gisela Wolf, Auenwald    (Zwerg-Italiener, goldfarbig);       Günther Schreiber, Winnenden (Zwerg-Cochin, schwarz). Tauben:    Günther Schreiber, Winnenden  (D. Modeneser Schietti, rotfahl-geh.); Erich Kellermann, Auenwald  (  D. Schautaube, schwarz);       Erich Kellermann, Auenwald (    D. Schautaube, schwarz-getigert). Weitere Informationen unter www.kv-rems-murr.de.