„Wir wünschen uns mehr Sozialarbeiter“

Infoveranstaltung Asylbewerber in der Sporthalle: Schüler und Anwohner brachten ihre Sorgen vor – Polizei riet zur Gelassenheit

Rund 100 Zuhörer waren gestern Abend zur Infoveranstaltung ins Kreisberufsschulzentrum gekommen. Weniger, als Stadt und Kreis erwartet hatten. In Bezug auf die Flüchtlingsunterbringung in der Sporthalle brachten Anwohner und Schüler ihre Sorgen vor. Aber auch die Frage, warum alles so plötzlich und ohne Infos gestemmt werden musste.

„Maximal drei Monate“: Landrat Johannes Fuchs informierte gestern Abend über die Unterbringung von Asylbewerbern. In der Schule hingen bereits Regeln fürs Zusammenleben. Fotos: A. Becher


Von Florian Muhl

BACKNANG. Im Wesentlichen waren es drei Themenblöcke, die von den Zuhörern während der über zweistündigen Veranstaltung in der Aula angesprochen worden waren: Die Dauer der Unterbringung, der Sicherheitsaspekt und die viel zu kurze Zeitspanne bis zur Umsetzung. Der erste Punkt ist rasch beantwortet: Auf Fragen aus dem Zuhörerkreis sagte Landrat Johannes Fuchs: „Wir werden die Belegung nach drei Monaten beenden – das sage ich ihnen zu.“ Eine längere Beanspruchung der Sporthalle lasse die Landesbauordnung gar nicht zu.

Zuvor hatten Fuchs und OB Dr. Frank Nopper sowie Geschäftsbereichsleiter Joachim Frey vom Landratsamt und Schulleiterin Dr. Isolde Fleuchaus Grundsätzliches erklärt. So kommen 60 der 100 alleinstehenden Männer, die wohl am späten Montagvormittag eintreffen werden, aus dem Kosovo und jeweils 20 aus Nigeria und Gambia.

Thema Krankenhaus: Dieses komme deswegen als Unterbringung nicht infrage, weil dort bereits Abrissarbeiten im Gange sind, so Fuchs. So fehlen bereits Leitungen und technische Ausstattungen. Wie Nopper sagte, gibt es dort auch keine Wasser- und Wärmeversorgung mehr. Auch aus Gründen der Nachnutzung, die zum Teil schon sehr konkret geplant ist, sei das Krankenhaus keine Alternative.

Thema Sport: Mit Freude und auch Stolz sagte Nopper, dass für die betroffenen Schüler und Vereinssportler „vergleichsweise akzeptable Ersatzlösungen“ gefunden wurden, in der Stadthalle, in der Karl-Euerle-Halle, in der Reisbachhalle, in der Sporthalle der Schillerschule, in der Mehrzweckhalle Maubach und in der Radsporthalle des RSV Waldrems.

Fleuchhaus erläuterte, dass von den 124 Sportstunden, die es wöchentlich gibt, keine einzige ausfallen wird. Die Schüler müssten zu Fuß oder in zehnminütiger Busfahrt in andere Hallen gelangen. „Ich denke, eine geringe Komforteinschränkung für unsere Schüler“, so die Schulleiterin. Sie wies auf das Regelwerk hin, das überall in den Schulgebäuden aufgehängt wurde. Dort steht: „Jeder bewegt sich NUR in seinem Lebensraum“ und: „Wir besuchen unsere Nachbarn nur, wenn wir offiziell eingeladen sind“.

Aber wird das in der Praxis auch so funktionieren, war eine Frage einer Anwohnerin. Eine andere: „100 junge Männer ohne Frauen – mir wird’s da einfach ein bissle Angst.“ Es gebe viele alleinstehende Frauen in dem Wohngebiet. Auch Schülerinnen meldeten sich zu Wort, beispielsweise: „Ich laufe hier oft alleine bis 18 Uhr. Wie sicher bin ich hier?“ Und ein junger Mann fragte: „Wie werden die Asylbewerber beschäftigt? Wenn die den ganzen Tag nichts zu tun haben, kommen die doch auf dumme Gedanken.“ Und begleitet von Gelächter fügte er an: „Also wenn ich nichts zu tun habe, dann komme ich auf dumme Gedanken.“

„Die Flüchtlinge werden durch einen Sozialarbeiter betreut“, sagte Frey. Zudem gibt’s einen Hausmeister, der auch eine Kontrollfunktion hat und einen privaten Wachdienst rund um die Uhr im Drei-Schicht-Betrieb. Eine weitere Unterstützung erhofft sich das Landratsamt durch ehrenamtliche Helfer.

So wie sich die Polizei bei der Asylbewerberunterkunft in der Hohenheimer Straße des öfteren blicken lasse, werde sie auch im Bereich der Sporthalle eine höhere Präsenz zeigen, sagte der Backnanger Polizeichef Jürgen Hamm. „Was es nicht geben wird ist eine dauerhafte Präsenz der Polizei oder eine dauerhafte Absicherung der Halle durch die Polizei. Dafür gibt’s den Sicherheitsdienst.“ Schüler und Anwohner sollten sich so verhalten, wie sonst auch. Hamm: „Da ist ein bisschen Gelassenheit gefordert.“

Auf die Frage, ob denn nicht ein Betreuer für 100 Flüchtlinge zu wenig sei, antwortete Frey: „Wir gehen davon aus, dass ein Sozialarbeiter ausreicht.“ Wenig später sagte Fleuchaus: „Wir wünschen uns mehr Sozialarbeiter dort und auch mehr Hausmeister. Aber das alles kostet Geld.“ Eine 100-Prozent-Forderung sei nicht durchzusetzen.

Auf kritische Fragen, warum alles so plötzlich ging und zu wenige Informationen von der Kreisbehörde flossen, gaben Fuchs und Frey den Schwarzen Peter weiter an das Land und das Regierungspräsidium Karlsruhe. Man habe unkonkrete und unverlässliche Zahlen erhalten und sei selbst von der Anzahl der zusätzlichen Flüchtlinge überrascht worden.