Keine besonderen Vorkommnisse

Das Miteinander der knapp 100 Asylbewerber und der Schüler des Berufsschulzentrum klappt bislang problemlos

Keine besonderen Vorkommnisse. So lautet das Fazit eines jeden, der zu der Belegung der Sporthalle beim Berufsschulzentrum mit knapp 100 Asylbewerbern befragt wird. Das Landratsamt erklärt: „Die Lage ist ruhig und geordnet.“

Kurz vor dem Bezug durch die Asylbewerber: Der Schlafbereich der Halle. Auch wenn jeder Flüchtling ein Geschenk erhielt: Heimat ist anders.Foto: E. Layher


Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Uli Schöller, der stellvertretende Schulleiter der Gewerblichen Schule, winkt ab, „es gibt nichts zu vermelden, wir kümmern uns jetzt vorerst einmal wieder um den Schulbetrieb“. Auch die Sozialarbeiterin in der Sporthalle, die für die Belange der Asylbewerber zuständig ist, sitzt relaxt in ihrem Büro. Keiner der Flüchtlinge steht vor ihrem Schreibtisch, es gibt derzeit anscheinend keinen großen Hilfs- oder Regelungsbedarf.

Sie gibt keine Auskunft, sondern verweist auf die Pressestelle des Landratsamtes. Nicht, weil es etwas Brisantes vorsichtig zu umschreiben gäbe, sondern weil es Vorschrift ist und es eigentlich nichts zu berichten gibt.

Im Hintergrund ist aus dem Schlafsaal Musik zu hören. Die Lautstärke ist überraschend gering, offensichtlich halten sich alle an die Regeln, die für ein Zusammenleben auf so engem Raum vonnöten sind. Im Flur bildet sich eine kleine Pfütze. Sie wird aus einem Wäschestück gespeist, das, offensichtlich frisch gewaschen, auf einem Heizkörper zum Trocknen liegt. Die Bewohner stehen in kleinen Gruppen zusammen. Sie reden miteinander. Sie warten. Sie daddeln auf ihren Smartphones. Und vor der Türe geht der Schulbetrieb ganz normal vonstatten. Es gibt keine Zäune, die den Bereich der Asylbewerber von den Schülern trennen. Keine Streife gehende Security. Alles ist friedlich und ruhig.

Die Pressesprecherin des Landratsamtes, Marie-Christine Scholze, unterstreicht diese Einschätzung. Auch sie sagt: „Keine besonderen Vorkommnisse. Alle sind gut angekommen und haben sich, so gut es eben geht, eingelebt. Die Lage ist ruhig und geordnet.“

Das Gelände beim Berufsschulzentrum liegt am späten Nachmittag im Sonnenlicht. Schüler und Lehrer streben nach Hause. Im Foyer der Sporthalle sitzt ein junger Mann aus Nigeria. Das Handy ist sein einziger Zeitvertreib. Der 21-Jährige sagt, dass er sich hier nicht wohlfühlt. Das Warten zehrt an den Nerven.

„Ich brauche Dokumente und Arbeit, ich warte auf meine Papiere.“ Der Mann, der in der Heimat alles auf dem Gebiet der Haustechnik erledigt hat, würde hier in Deutschland jeden Job annehmen. Aber er darf es nicht.

„Wir haben hier keine Rechte“, klagt er. Und was ihm auch fehlt: „Eine Kirche. Egal welche. Wir wollen beten und Gott Dank sagen.“