Sobald Musik lief, fing sie an zu tanzen

Sophia Gastmaier (7) hat die Eignungsprüfung für die John-Cranko-Schule bestanden

„Ich wusste nach der ersten Stunde, dass wir sie in Stuttgart vorstellen werden“, sagt Lehrerin Liane Martínez über Sophia. Die Siebenjährige darf nun auf die John-Cranko-Schule.Foto: A. Becher

Von Heidrun Gehrke

BACKNANG. Zu Hause läuft die siebenjährige Sophia auf Zehenspitzen herum. Sie ist voll und ganz vernarrt ins Ballett. „Ich muss manchmal schon sagen, lauf doch mal wieder normal“, erzählt Sophias Mutter Alexandra Gastmaier lachend. Die Backnanger Ballettschülerin der Ballettschule Liane hat vor Kurzem die Eignungsprüfung für die John-Cranko-Schule bestanden und trainiert ab September einmal pro Woche in der weltweit bekannten Ausbildungsschule der Stuttgarter Ballettkompanie.

„Ich wusste nach der ersten Stunde, dass wir sie in Stuttgart vorstellen werden“, sagt Lehrerin Liane Martínez über Sophia. Die Veranlagung der damals Fünfjährigen sei beeindruckend gewesen, auch was sie an Beweglichkeit und Körpergefühl mitbrachte, ist der Lehrerin sofort ins Auge gefallen. „Man sieht sofort, wie sich ein Schüler durchstreckt, wie dehnbar und beweglich er ist und ob er ein Gefühl für die Musik mitbringt.“

Das war im September 2013. Knapp zwei Jahre später war es so weit: Eine Stunde dauerte die Aufnahmeprüfung in der John-Cranko-Schule. Die Eltern ermutigten Sophia zu sportlicher Lockerheit. „Tu so, als wäre es Training bei der Liane, sieh es als Spaß“, gaben sie ihr mit auf den Weg. Sophia kam fröhlich wieder heraus. Kurz darauf war ihre Nummer am Aushang angeschlagen: Sophia hat bestanden hieß das.

Bei den Ballettmäusen

übte sie ihre ersten Schrittfolgen

In dem Jahr, als Sophia bei den Ballettmäusen ihre ersten Schrittfolgen übte, Musikalität und rhythmisches Klatschen erlernte, haben vier Schüler der Ballettschule die Eignungsprüfung für die John-Cranko-Schule in Stuttgart und für die staatliche Hochschule für Musik in Mannheim bestanden. „Alle vier sind bis heute bei der Stange und trainieren jetzt dort“, erklärt Liane Martínez. Eine dieser Schülerinnen ist Jenny Müller, die inzwischen im Internat die professionelle Vorausbildung absolviert. Dieser Werdegang steht jetzt auch Sophia offen: Sie fährt ab September einmal pro Woche nach Stuttgart zum Training in die international renommierte Ausbildungsschule des Stuttgarter Balletts. Sophia freut sich und ist auch stolz. Die Eltern sehen dieser Fördermöglichkeit und Perspektive gespannt und zugleich gelassen entgegen. „Wir lassen alles erst mal auf uns zukommen“, meint sie. Sophia solle alles mitmachen und schauen, wie es sich entwickelt. Das Wichtigste dabei: „Es soll ihr weiterhin Spaß machen.“

Der Spaß und ihr Bewegungsdrang habe sich schon früh feststellen lassen. „Sie hat sich immer schon ästhetisch, künstlerisch bewegt, ganz von selbst“, erinnert sich Sophias Mutter. „Sie ist ein aktives Kind, war immer viel in Bewegung.“ Sobald irgendwo Musik lief, habe sich Sophia sofort „hineingelegt“ in den Rhythmus und habe getanzt. Seit sie ins Ballett geht, ist ihre Leidenschaft nahezu unbezwingbar. „Daheim vergeht kein Tag, an dem sie nicht ihre Sachen rausholt und übt.“

„Es ist ein Zug dahinter,

das merkt man“

Über ein Schnuppertraining kam sie zum Ballett. Aus einer Stunde pro Woche wurden zwei. Der Unterricht in der Ballettschule sei diszipliniert, aber nicht zu streng. „Es ist ein Zug dahinter, das merkt man, aber so, dass die Kinder die Lust nicht verlieren“, ist der Eindruck der Mutter. Sie selbst sieht ihre Tochter nur bei Auftritten beim Straßenfest oder beim Tulpenfrühling. Oder im Rahmen der regelmäßigen offenen Schulstunden, bei denen Verwandte zuschauen, filmen und fotografieren, klatschen und loben dürfen. Ansonsten erhalten die Ballettschüler beim Training ihre Ruhe, und die Lehrer versuchen so gut es geht die benötigte Konzentration zu erreichen.

Künftig wird Sophia ihre Arbeit wesentlich vertiefen, intensivieren und viel mehr Kraft aufbauen müssen. „Aber wenn man seine professionellen Vorbilder vor der Nase hat, kann man ja auch durch Nachahmen und Abschauen viel erreichen“, sagt die Lehrerin Liane Martínez. Wie bei Schulwechseln so üblich, wird auch das Umfeld anders, aber der Abschied von ihren Ballettfreundinnen in der Ballettschule Liane fällt Sophia nicht allzu schwer: „Die Freundschaften bleiben ja erhalten, die Mädchen treffen sich künftig eben privat“, sagt Alexandra Gastmaier.