Echter Ökostrom von Bürgern für Bürger

Energiegenossenschaft Weissacher Tal ist in den Stromvertrieb eingestiegen – Beteiligung am Netz angestrebt

Echter Ökostrom aus deutscher Produktion für die Bürger in der Region: Das ist die Idee des „Bürgerstroms“, mit dem die Energiegemeinschaft Weissacher Tal in den Stromvertrieb eingestiegen ist. Die Genossenschaft sieht darin einen wirksamen lokalen Beitrag zur globalen Energiewende.

Von Peter Wark

WEISSACH IM TAL. Gemeinsam sind wir stark – das gilt auch für die Genossenschaften, die sich mit alternativen Energien befassen. Daher ist die Energiegemeinschaft Weissacher Tal den Bürgerwerken Heidelberg beigetreten, unter deren Dach schon 40 eigenständige Genossenschaften Ökostrom vermarkten.

Bei einem Pressegespräch informierten die Vorstandsmitglieder Reinhard Knüdeler und Udo Schmülling, sowie Aufsichtsratsvorsitzender Bürgermeister Ian Schölzel über die aktuellen Entwicklungen bei der Energiegemeinschaft.

Es war ein herber Schlag, als im Mai bekannt wurde, dass der Projektierer die Genehmigungsanträge für vier der sechs geplanten Windräder am Zollstock-Springstein zurückgezogen hatte. Damit war das Projekt für die Genossenschaften erst einmal erledigt, weil die Bedingungen schlagartig andere waren. Und das, obwohl die Finanzierung schon stand und unglaublich viele Bürger sich beteiligen wollten. Noch immer gibt es keine offiziellen weiteren Erkenntnisse zum Genehmigungsverfahren.

Die Energiegenossenschaft konzentriert sich nun auf andere Wege, die Energiewende in Bürgerhand voranzubringen. Die Vermarktung von Ökostrom, der diesen Namen auch wirklich verdient, ist dabei ein wichtiges Standbein. Erneuerbar, regional, unabhängig – so lauten die Stichworte.

Ohne bisher überhaupt nennenswert für das Projekt geworben zu haben, gibt es bereits einige Kunden für den Bürgerstrom. Die ersten waren Mitglieder der Genossenschaft. 60 wollen von ihrem bisherigen Anbieter zum Bürgerstrom wechseln, etwa die Hälfte davon hat den Schritt bereits vollzogen. Übrigens auch der Bürgermeister.

Jeder Stromkunde in der Umgebung kann den Weissacher Bürgerstrom bestellen. „Es läuft ganz gut“ an, sagt Udo Schmülling mit einem kleinen bisschen Understatement. Langfristig rechnet er mit bis zu 1000 Kunden, aber bisher geht man bewusst werbemäßig noch nicht in die Fläche. Es gehe erst einmal darum, ein Bewusstsein für die Produktion von Strom zu schaffen. Informationen finden Wechselwillige auf der Homepage der Energiegemeinschaft www. energie-wt.de.

Die Genossen betonen, dass der Strom ausschließlich aus Deutschland kommt. Zehn Prozent stammen aus Sonnen- und Windkraft – und zwar aus eigenen Anlagen von Mitgliedern der in den Bürgerwerken zusammengeschlossenen Genossenschaften. Der Löwenanteil kommt aus einem bayerischen Wasserkraftwerk. Energieerzeugung, -handel, und -verbrauch sollen mit dem Bürgerstrom zusammengebracht werden.

Mit einem Preis von 25,7 Cent pro Kilowatt und einer Grundgebühr von 7,90 Euro sei man im Ökostromvergleich absolut wettbewerbsfähig, freuen sich die Vorstandsmitglieder.

Wie groß das Interesse an regionalen Beiträgen zum globalen Klimaschutz ist, wird auch an der Entwicklung der Mitgliederzahlen der Energiegemeinschaft Weissacher Tal deutlich. Nachdem man den schon 2011 verhängten Aufnahmestopp nun aufgehoben hat, kamen schon knapp 40 neue Mitglieder hinzu, jetzt sind es 280. Als Konkurrenz zu den etablierten Stromanbietern sehen sich die Genossen nicht. Dafür seien die Zahlen zu klein.

Grundsätzlich setzt man sowieso eher auf Kooperation als auf Konfrontation. Zum Beispiel beim Stichwort Energienetz. Ziel ist die Gründung einer eigenen Netzgesellschaft durch die Energiegemeinschaft, die Gemeinde und die Süwag. Dieses Modell würde die Chance bieten, den Einfluss der Kommune auf die Netzentwicklung zu sichern. „Eine ideale Konstellation“, sagt Reinhard Knüdeler. Ein Teil der Wertschöpfung würde auf diesem Weg direkt vor Ort bleiben. Noch ist man nicht so weit, dass man Vollzug melden kann, die anstehenden Gespräche würden „ergebnisoffen“ geführt, sagt Ian Schölzel. Einig sind sich Energiegemeinschaft, Bürgermeister und Gemeinderat darin, dass in einer solchen Netzgesellschaft ein großer Charme liegt. Es gibt einen entsprechenden Gemeinderatsbeschluss, wonach man sich diese Lösung unbedingt offen halten soll, solange die Gemeinde dadurch nicht finanziell belastet wird. Die Finanzierung würde ausdrücklich bei der Energiegemeinschaft liegen. Die Gespräche werden spannend.