Irritiert vom Abstimmungsverhalten

Energiegemeinschaft Weissacher Tal hofft auf Zusage der Regionalversammlung zum Windstandort Zollstock-Springstein

WEISSACH IM TAL (pm). Der Planungsausschuss der Region hat den Windstandort Zollstock-Springstein mit einer knappen Mehrheit von 17 zu 15 Stimmen bestätigt. Das endgültige Schicksal des Standortes entscheidet sich in der Sitzung des Regionalparlamentes am morgigen Mittwoch. Reinhard Knüdeler von der Energiegemeinschaft Weissacher Tal ist irritiert vom Abstimmungsverhalten.

In einer Pressemitteilung schreibt die Energiegemeinschaft: Nach den bekanntgewordenen Informationen begründen die ablehnenden Stimmen ihr Abstimmungsverhalten mit folgenden Argumenten: Verweis auf die Nähe zum Wanderheim Eschelhof, die wahrscheinliche Ablehnung durch die Flugsicherung, Wegfall der Bündelungswirkung nach Reduzierung von sechs auf zwei Windräder, Eingriff in die Landschaft ist zu groß.

Ende letzten Jahres wurde im Aufsichtsrat der Stadtwerke sehr intensiv über den Standort beraten, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Damals sei die Forderung auf eine zwölfmonatige Messung erhoben worden. Knüdeler: „Diese ist abgeschlossen und hat die Erwartungen mit 6,3 Meter pro Sekunde voll erfüllt. Damit hat sich die Eignung des Standortes weiter bestätigt.“

Weder die Nähe zum Eschelhof noch das Ausmaß des Eingriffs in die Landschaft haben sich verändert, und wenn es bei der Reduzierung von sechs auf zwei Räder bleibt, dann ist dieser eher geringer, betont die Energiegemeinschaft. Der Schwäbische Albverein als Betreiber des Eschelhofs habe bestätigt, dass keine Einwände gegen den Windpark bestehen. Die Ablehnung durch die Flugsicherung wackle sehr. Nach einem aktuell vorliegenden Gutachten hätten die Windräder keinen relevanten Einfluss auf die Flugsicherheit. Auch das Argument „Wegfall der Bündelungswirkung“ relativiere sich durch die Reduzierung der Windräder.

Irritierend an dem Abstimmungsverhalten sei insbesondere, dass nicht nur die beteiligten Bürgerenergiegenossenschaften grundsätzlich weiter an dem Standort interessiert sind, sondern auch die Stadtwerke Backnang, die als Konsortialführer sich schon seit Jahren aktiv um den Standort bemühen. Das Konsortium habe sich etwa zwei Jahre mit dem Standort befasst und sogar schon 50000 Euro ausgegeben für betriebswirtschaftliche Untersuchungen. „Mit der Ablehnung des Standortes wird nicht nur zum Schaden der Genossenschaften, sondern auch zum Schaden der Stadtwerke gehandelt“, stellt Knüdeler fest.

Für die Energiegenossenschaften und darüber hinaus für die Energiewende im Rems-Murr-Kreis wäre es nach Ansicht der Energiegemeinschaft „ein herber Rückschlag, wenn dieser sehr positiv bewertete Standort wegfallen würde.“ Aus fachlicher und rechtlicher Sicht spreche – abgesehen von der strittigen Frage zum Drehfunkfeuer – nichts gegen den Standort. Der Standort sei sowohl von der Region in ihrer Planung berücksichtigt als auch von der vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft Backnang im Flächennutzungsplan. Überdies hätten sämtliche in der Region vertretenen Naturschutzverbände positive Stellungnahmen zu dem Standort abgegeben.

Die Energiegemeinschaft hat einen offenen Brief mit ähnlichem Wortlaut gestern auch an Backnangs Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper geschickt. Er hat gegen den Standort Zollstock-Springstein gestimmt. Nun bittet ihn die Energiegemeinschaft Weissacher Tal, seine Haltung noch einmal zu überdenken.