Spaß am Fußball verdrängt die Tränen

Jochen Bauer sorgt mit einem Integrationstag an der Mörikeschule, dass 23 Schüler und Flüchtlingskinder mit Begeisterung kicken

Am Anfang gab’s Tränen. Ohne den Papa wollten Mahmoud und Mustafa nicht in die Sporthalle. Nach drei Stunden Fußball beim Integrationstag in der Backnanger Mörikeschule strahlten dann auch die zwei Sechsjährigen. Erneut hatte sich gezeigt: Sport verbindet über alle Nationalitäten und Sprachen hinweg.

Von Uwe Flegel

Es ist bereits der zweite sogenannte Integrationstag, den Jochen Bauer veranstaltet. Gemeinsam trainieren und kicken Flüchtlingskinder mit Schülern von Integrationsklassen der Mörikeschule unter Anleitung des früheren Jugendtrainers des VfB Stuttgart. Zum Auftakt war der aus Aspach stammende DFB-A-Lizenz-Inhaber in Neckarsulm und erhielt für seine Idee viel Lob. In Backnang war das gestern Morgen nicht viel anders. Michael Balzer freute sich mit den kleinen Kickern zwischen 6 und 14 Jahren: „Ich bin in die Halle reingekommen, ihr habt Fußball gespielt und glänzende Augen gehabt. Das zeigt, wie wichtig so ein Projekt ist. Das ist exakt der Weg, wie wir euch den Weg in die Gesellschaft bahnen können.“ Vermutlich haben gar nicht alle die Worte des Ersten Bürgermeisters verstanden, stammen die 23 Kinder doch aus unterschiedlichsten Nationen und können auch nicht alle Deutsch.

Was die Jungen und das eine Mädchen aber verstanden haben, war, dass es im Sport und Fußball Regeln gibt. Ruhig und ohne dass mit dem Ball nebenbei herumgespielt wurde, lauschten die Kleinen den Worten der Großen. Schon zuvor hatte Organisator sowie Initiator Jochen Bauer und sein Helfer, der kroatische Ex-Juniorennationalspieler Jure Colak, nicht groß eingreifen müssen, als der Nachwuchs nach den Übungseinheiten beim kleinen Abschlussturnier dem Ball hinterherjagte. Der mehr oder weniger talentierte Nachwuchs zeigte, dass es ohne Schiri geht. Vielleicht geht es für den einen oder anderen künftig sogar in einem Klub weiter. Jugendleiterin Martina Kobald und der FC Viktoria Backnang erklärten sich als eine Art Patenverein bereit, interessierte Kids in den Jugendteams aufzunehmen. Für diese Arbeit gab’s von der Volksbank Backnang einen Scheck über 500 Euro für den Verein.

Der Hausherr und Rektor der Mörikeschule Klaus Lindner ist sicher, dass Integration vor allem auf diese Art und Weise gelingt. Mit Sportlehrer Wolfgang Sterzel und den beiden 13-jährigen Ante und Lorin, die bei der Organisation und im Training mit anpackten, unterstützte der Rektor die Aktion. Lindner, als Vorsitzender der TSG Backnang Tennis, wie Sterzel, seit vielen Jahren bei den TSG-Volleyballern als Trainer aktiv, wissen nur zu genau, welche wichtige Rolle der Sport in Sachen Integration einnehmen kann. Insbesondere der Vereinssport. Zwar bekannte Lindner: „Als wir heute Morgen begonnen haben, da wusste ich nicht, was auf uns zukommt.“ Doch sein zufriedenes Gesicht schrieb Bände, wie er das Ergebnis beurteilt. Auch weil für den Pädagogen und Sportler feststeht: „Je mehr die Kinder in die Vereine kommen, umso schneller integrieren sie sich. Wer in den Vereinen angekommen ist, ist auch in der Gesellschaft angekommen.“

Jochen Bauer, der mit JB Fairplay sowie Unterstützern wie Bundesligastürmer Julian Schieber (Hertha BSC Berlin), der Volksbank Backnang, Langos Wagner, MGT-Sports und der Cafébar Fancy sowie den Mitveranstaltern der Stadt, dem FC Viktoria und der Mörikeschule den sportlichen Vormittag ermöglicht hat, ist sicher, dass er mit den Integrationstagen auf dem richtigen Weg ist: „Ich habe jetzt zweimal erlebt, wie die Kinder sich mithilfe des gemeinsamen Fußballs öffnen. Der eine oder andere vergisst vielleicht ein Trauma.“ Bauer freut sich: „Einfach genial“ und hat dabei Mahmoud sowie Mustafa im Blick. Denn nachdem die anfänglichen Tränen getrocknet und erste Hemmungen abgebaut waren, kickten die Sechsjährigen nach Herzenslust mit. Gemeinsam Fußball zu spielen, verbindet über Länder- und Sprachgrenzen hinweg.