Bewegung hält das Gehirn fit

Konrad Beyreuther gab Tipps zur Vorbeugung und Früherkennung von Demenzerkrankungen

Es ist möglich, Demenzerkrankungen vorzubeugen, betonte Professor Dr. Dr. h.c. Konrad Beyreuther. Natürlicher Schlaf und viel Bewegung spielten dabei entscheidende Rollen, verdeutlichte der Gründer und Direktor des Netzwerks Alternsforschung (NAR) an der Universität Heidelberg.

Gab Infos zu Demenzerkrankungen: Konrad Beyreuther. Foto: E. Klaper

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Demenz sei ein Sammelbegriff für rund 100 verschiedene Krankheiten, die zum Verlust erworbener geistiger Fähigkeiten, Nervenzellen und Nervenzellkontakten im Gehirn führten, wobei Alzheimer am häufigsten auftrete, erläuterte der 74-jährige Seniorprofessor. Im Zentrum seines Vortrags standen Früherkennung und Vorbeugung nach neuesten Erkenntnissen der intensiven wissenschaftlichen Forschung.

Eiweißablagerungen im Gehirn zerstörten Nervenzellen und Nervenzellkontakte, wenn sie nicht entfernt werden durch regelmäßigen Flüssigkeitsaustausch zwischen Gehirn und Hirnwasser während des Tiefschlafs.

Entscheidend für eine gute Gehirn-Durchblutung und Reinigung sowie Bildung neuer Nervenzellkontakte sind laut Beyreuther ausreichend natürlicher Schlaf, regelmäßige Bewegung, kombiniert mit Lernen, und ein gesundes Herz-Kreislauf-System. Besonders effektiv trainierten Gesellschaftsspiele, Musizieren, Tanzen und kreatives Denken wie Kreuzworträtsellösen das Gehirn. Je höher die Intelligenz und Bildung, desto länger, etwa 30 Jahre, dauere der Krankheitsprozess, der meist im Alter von über 80 Jahren beginne, was die Chance eröffne, etwas dagegen zu tun. Ab dem 40. Lebensjahr sollte man aktiv Demenz vorbeugen und Risikofaktoren eliminieren. Dazu zählen körperliche und geistige Inaktivität, Depression, Stress, Bluthochdruck, Übergewicht, hoher Cholesterinspiegel, Herzerkrankungen, Diabetes und Rauchen, erklärte Konrad Beyreuther. Er nannte 10 Warnzeichen, die auf eine Demenzerkrankung hindeuten, wie Vergesslichkeit, die sich auf die Arbeit und das tägliche Leben auswirkt.

Weitere Schwierigkeiten mit gewohnten Handlungen, wie die Herdplatte nicht ausschalten, Sprachprobleme und Wortfindungsstörungen. Ebenso räumliche und zeitliche Orientierungsprobleme, wenn man sich in vertrauter Umgebung verirrt. Eingeschränkte Urteilsfähigkeit, wenn jemand im Winter Sommerkleidung anzieht. Probleme beim abstrakten Denken mit Zahlen und einfachen Rechnungen. Liegenlassen und Verlegen von Gegenständen an falsche Plätze, wie Schmuck in den Kühlschrank. Abrupte Stimmungs-, Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen oft ohne erkennbaren Grund, wenn ein freundlicher Mensch ärgerlich oder ängstlich wird, seine Eigeninitiative und das Interesse an Hobbys verliert. In der Vorphase mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen könnten künftig Impfstoffe mit Antikörpern von gesunden Hochbetagten Eiweißablagerungen entfernen. Auf Nachfrage wies der Professor darauf hin, dass es keine spezielle Ernährungsform gebe, die vor Alzheimer schütze, doch stelle ein Mangel an Omega-3-Fettsäuren ein Risiko dar. Darum empfahl Beyreuther eine gesunde, mediterrane Ernährung mit möglichst wenig gesättigten tierischen Fetten, dafür vielen pflanzlichen Ölen, Gemüse, Fisch und nicht zu viel Obst, auch sei Alkohol in geringen Mengen von maximal 0,15 Liter pro Tag erlaubt. Hauptziele bei der Diagnose Demenz seien die Hilfe zum Leben mit der Krankheit, bestmögliche Lebensqualität für den Patienten sowie Unterstützung, Schulung und Begleitung der Angehörigen, unterstrich der Experte. Da das emotionale Gedächtnis teilweise erhalten bleibe, könne dies für emotionales Lernen genutzt werden.

Dabei helfen Fotos mit freundlichem Gesichtsausdruck, Kindern oder Haustieren, von besonderen Lebensereignissen des Patienten wie Hochzeit oder Reisen beim Kennenlernen neuer Bezugspersonen wie Pflegekräften.

Mit Beyreuthers Vortrag, der zahlreiche Zuhörer ins Forum des Erich-Schumm-Stifts lockte, sei das Semester-Schwerpunktthema Demenz abgeschlossen, doch liefen die verschiedenen Treffs weiter, erklärte Birgit Wolf, Leiterin der Volkshochschule und Koordinationsstelle Bürgerschaftliches Engagement.