Perfekte Illusionen einer Schattenwelt

Ensemble Catapult Entertainment aus den USA verblüfft mit der Show „Amazing Shadows“ rund 300 Besucher im Bürgerhaus

In eine Fantasiewelt aus in Szene gesetzten Schatten entführte das Ensemble Catapult Entertainment aus den USA im Backnanger Bürgerhaus. Hinter einer Leinwand kreierten die Künstler auf verblüffende Weise nur mit ihren Körpern Figuren und Geschichten in ihrem Programm „Amazing Shadows“ und begeisterten die rund 300 Besucher.

Unterschiedliche Abstände der Künstler zur Leinwand ergeben die verschiedenen Größenverhältnisse: Beeindruckendes Spektakel. In dieser Szene geht es um die Überwindung von Ängsten. Foto: E. Layher

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Mit ihren Körpern formen sie die Silhouette eines Frosches, dessen Augen sich bewegen. Die Schatten der Hände werden zu Seerosen oder Entchen auf einem Teich. Manchmal verschmelzen mehrere Körper der acht Performer zu einem großen Tier, Gebäude oder einer Maschine. Es gehört sehr viel Präzision und akrobatisches Können dazu, diese Illusionen lebendig werden zu lassen.

Zur Musik von Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ lassen die Künstler den Frühling erblühen oder erzählen mit ihren Figuren kleine Geschichten vom Sommer – etwa, wenn ein Hai einen Schwimmer im Meer jagt. In passenden Farben und ausdrucksstarken Videoproduktionen wird dazu die Leinwand gestaltet. Das Publikum amüsiert sich, wenn im Teil über den Herbst ein überdimensionales Schwein geformt wird, über dem Messer und Gabel schweben. Viele Requisiten brauchen die Künstler nicht. Fast alles stellen sie nur mit den Schatten ihrer Körper dar.

Von Klassik wechselt die Musik zu lateinamerikanischen Rhythmen. Tanzszenen in rasantem Tempo sind eingestreut. Szenen wechseln im Minutentakt. Ganze Lebensgeschichten werden durch die Choreografien erzählt, von spielenden Kindern im Sandkasten über eine Autofahrt, wobei das Vehikel natürlich aus den menschlichen Körpern geformt wird, bis hin zum Eltern- und Älterwerden. So reizend diese Geschichte dargestellt ist, hat sie doch einen ernsten Hintergrund, erfahren die Besucher. Die Performance war ein Geschenk an Eltern, die bei einem Amoklauf in einer amerikanischen Schule ihre Kinder verloren haben und hat den Titel „Verloren gegangene Entwicklung der Kinder“.

Auch ein Thema, das Deutschland ganz speziell betrifft, hat das Ensemble in einer anderen Choreografie aufgegriffen. Es geht um die Wiedervereinigung. Soldaten mit Gewehren marschieren, Menschen protestieren mit Plakaten und klettern auf die Mauer, bis diese schließlich fällt. Ein überdimensionales Peace-Zeichen, aus Körpern geformt, bildet den Abschluss dieser Geschichte.

Durch unterschiedliche Abstände zur Leinwand können die Größenverhältnisse verändert werden, sodass ein Arm wie eine Säule wirkt. In einem Haus aus Körpern ist ganz klein der Mensch zu sehen. Mit unglaublicher Genauigkeit müssen die Choreografien einstudiert sein, dass diese Illusionen entstehen und Leichtigkeit vermitteln. Es geht in den Wilden Westen zu Schlägereien im Saloon. Büffel und Pferde erscheinen, die sich kurz darauf wieder zu einzelnen Personen auseinanderschlingen.

Der Cowboy endet

als sterbender Schwan

Immer wieder sind amüsante Elemente eingebaut. So hat der Cowboy beim Duell seinen Colt vergessen und endet tänzerisch als sterbender Schwan. Rasend schnelle Kulissenwechsel gibt es bei einer Geschichte über das geheime Doppelleben einer Hausfrau, die als taffe Spionin Abenteuer erlebt. Das Publikum lässt sich von der spannenden Geschichte mitreißen. Fast vergisst man für einen Moment, dass sogar die Silhouette des Hubschraubers aus Menschen besteht.

Mit einer Reise durch die Welt, vom Eiffelturm über einen Kamelritt in der Wüste und Tempel im fernen Asien bis hin zu einem Besuch auf dem Mond endet das beeindruckende Spektakel, das die Besucher auf mal temporeiche, mal poetische Weise in eine faszinierende Schattenwelt entführt hat.