Beruhigend unperfekte Alltagswesen

„Halbe Miete“ heißt die Ausstellung von Andrea Blum und Christa Klebor in der Galerie Kerstan – Plastiken und Bilder zum Thema Weibsbild und Beziehungen

Die ehemaligen Kommilitoninnen Andrea Blum und Christa Klebor zeigen „halb Malerei/halb Bildhauerei“ und thematisieren Beziehungen zwischen Mann und Frau sowie das Weibsbild an sich. Begleitet wurde die Vernissage von der Akkordeonmusik Michel Biehlers.

Ihre Exponate ergänzen sich: Andrea Blum (links) ist mit Kleinplastiken vertreten, Christa Klebor mit Bildern in verschiedenen Techniken.

Von Carmen Warstat

BACKNANG. Es ist ein differenzierter Blick auf die Weiblichkeit und zuweilen ein frecher, der Christa Klebors Arbeit charakterisiert und auszeichnet.

Erster Bürgermeister Michael Balzer würdigte ihre Werke in seiner Einführung bei der Vernissage als freundlich, tough, humorvoll und verglich sie mit althergebrachten Männerbildern von der Frau, die allzu oft nur die Extreme kennen – Heilige und Hure.

Christa Klebors Frauen sind beruhigend unperfekte Alltagswesen und gerade deshalb schön anzusehen. Stolz, Eleganz, Würde strahlen sie aus, da sie sich offensichtlich so annehmen, wie sie sind. Augenzwinkernd verbildlicht die Künstlerin in einer witzigen Serie das „Shoppingglück“, in dem Frauen mit Namen wie Dolores, Marlies oder Gabi selbstbewusst schwelgen.

Das Weibsbild, eigentlich ein negativ besetzter Begriff, erscheint hier in buntesten Farben, lebensfroh und liebenswert. Im Diptychon „Aufs richtige Pferd gesetzt“ sehen wir die ein Reitturnier verfolgenden Damen nur von hinten – ihre pompösen und lustvoll gestalteten Hüte allein verraten auch hier, was sie beseelt – unbändige Lebensfreude.

Christa Klebor ist Malerin und Fotografin und arbeitet mit verschiedensten Techniken (Aquarell, Druck, Lithografie, Mischtechniken), wobei sie in Form von Wortspielen auch Sprache einfließen lässt. „Sehr lebensfroh das Ganze“, bemerkt eine Betrachterin, und die Künstlerin lachend: „So wie ich!“

Die Zweite im Bunde, Andrea Blum, findet auf Malreisen durch Deutschland und England Inspirationen für ihre Arbeit. Es begann mit dem Aquarell und der Aktmalerei in Acryl und Öl. Erst im Zuge ihres Studiums entdeckte sie die Dreidimensionalität für sich. Schlicht „Mann und Frau“ hieß ihre erste Bronze, von der sie Variationen aus verschiedenen Materialien gestaltete: Polyesterharz, Gips, Beton. Sie befragt zwischenmenschliche Beziehungsmodelle, indem sie die Torsi von Mann und Frau in unterschiedlichen Situationen zeigt: Seit an Seit hier, Rücken an Rücken dort, provozieren die gleichen Figuren durch die Verschiedenheit ihrer Verhältnisse zueinander Fragen des Betrachters.

Jüngst hat sich Andrea Blum dem naheliegenden Thema Tanz zugewandt, genauer: dem Tango. Ihr ganzer Stolz ist der Aluguss „Tanzendes Paar“. Wie auch bei anderen ihrer Skulpturen handelt es sich um eine „verlorene Form“, was bedeutet, dass das Werk ein absolutes Unikat ist, weil der Gießer die Form sofort nach dem Guss zerstörte. Ergänzt werden Blums dreidimensionale Tanzarbeiten durch die Bildserie „Tango“. Diese besteht aus Aquarellen in immer denselben Farben: Feuriges Rot und mystisches Schwarz vermitteln die Leidenschaft dieses Tanzes der Tänze, und so heißt denn ein Bild auch „La Pasión“.

In Fortsetzung der Serie erarbeitete die Künstlerin Tuscheaquarelle und konzentrierte sich zunehmend auf das Phänomen der Bewegung – so entstand „Los Ochos“, ein Werk, das die typisch weiblichen in Achten kreisenden Tanzbewegungen zeigt. Ihre Faszination für Landschaften, Wasser und Menschen bringt Andrea Blum auch in ihrer Bearbeitung von Steinen zum Ausdruck. Es sind Steine, die man anfassen darf, weil es ihnen gut tut. Die Künstlerin sagt es so dahin. Oder meint sie es metaphorisch?

Längst sind Andrea Blum und Christa Klebor vom „Ich male, was ich sehe“ hin zur künstlerischen Interpretation visueller Eindrücke gelangt. Die Auslegungsmöglichkeiten scheinen – wie immer in der Kunst – so unerschöpflich wie die sie betrachtenden Individuen.

  Die Werkschau im Rahmen der „local heroes“-Ausstellungen ist bis zum 21. April mittwochs bis freitags von 15 bis 19 und samstags von 11 bis 14 Uhr geöffnet. Galerie Andreas Kerstan, Im Biegel 9.