Schönheit gepaart mit Perfektion

Ausstellung „Volker E. Maria Luft und seine Welt“ in der Volksbank – Zeichnungen voller Ästhetik und Detailreichtum

Opulente Zeichnungen in handwerklicher Perfektion entführen den Besucher in einen Kosmos voller geheimnisvoller Geschichten und faszinierender Details. Das Repertoire von Volker E. Maria Luft reicht von sakralen Themen über Porträts bis zu Stadtansichten aus dem Altkreis Backnang. Sein Vorbild ist die italienische Renaissance.

Bei seinen Stadtansichten erlaubt sich Volker E. Maria Luft zuweilen kleine Korrekturen der Wirklichkeit. Historische Bauten haben es ihm mehr angetan als moderne Architektur.Foto: A. Becher

Von Annette Hohnerlein

BACKNANG. Am Anfang steht das Staunen. Über die Fülle der Motive, die Akribie und Realitätsnähe der Darstellungen und nicht zuletzt über die meisterhafte Beherrschung der Technik: Ölkreide auf Karton. Eine Technik, die keinerlei Korrekturen erlaubt, weshalb von einem Journalisten anlässlich einer Ausstellung der Begriff „Der ehrliche Strich“ geprägt wurde. Das Gestaltungsmittel: die schwarze Linie auf weißem Grund. Mit Abwandlungen dieser Linie, mit Schraffuren und Grauabstufungen erschafft Volker E. Maria Luft einen ganzen Kosmos von Menschen, Tieren und Architektur. Die Meisterschaft und den Perfektionismus des Künstlers, der als sein Vorbild die italienische Renaissance nennt und damit eine Sonderstellung in der Kunstszene einnimmt, thematisierten auch Werner Schmidgall, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Backnang, und Backnangs Erster Bürgermeister Michael Balzer in ihren Grußworten.

Ernst Hövelborn, Vorsitzender des Heimat- und Kunstvereins, führte gewohnt souverän in die Ausstellung ein. Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von Waldemar Merk, Saxofon, und Joachim Renz, E-Piano.

Sakrale Themen nehmen einen breiten Raum in Lufts Schaffen ein. Da sind zum einen große Szenen wie das Abendmahl. Der Blick wandert von der zentralen Figur des angestrahlten Jesus zu den Jüngern, zwölf Individuen, so realistisch dargestellt, als seien sie gerade von der Arbeit auf dem Feld gekommen. Und tatsächlich greift Luft bei seinen Personendarstellungen auf reale Vorbilder zurück. Seine „Madonna in Glorie“ ist ein badisches Mädchen, auf dem Arm hält sie ein Kind, das einem Jungen aus Göppingen nachempfunden ist. Eine Zeichnung mit dem Titel „Christus (Brechender Blick)“ zeigt einen Christuskopf mit Dornenkrone. Mit wunderbar zartem Strich und sich auflösenden Konturen skizziert Luft das zerbrechliche Gesicht, das von dem bevorstehenden Tod gezeichnet ist. Ein Tiroler Bergbauer stand dafür Modell. Für die Zeichnungen von Judas und Pontius Pilatus waren ein Gemüsehändler und ein Imbissverkäufer die Vorbilder, erzählt der Künstler.

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung sind Arbeiten, die Volker E. Maria Luft für einen Kalender des SOS-Kinderdorfs in Schorndorf geschaffen hat. Sie zeigen Stadtansichten aus Backnang, Murrhardt, Weissach im Tal und Sulzbach an der Murr. Akkurat durchgearbeitet sind die architektonischen Elemente wie Fachwerk, Fenster und Türen bis hin zu Details wie Fenstergriffe und Schilder. Andere Bildelemente wie Personen oder Bäume sind eher Randerscheinungen und nur angedeutet.

Zwischen zwei und vier Wochen arbeitet Luft an einer solchen Stadtansicht. Dabei erlaubt er sich kleine Korrekturen der Wirklichkeit. Moderne Architektur, die ihm missfällt, rückt er in den Hintergrund, historische Bauten wie das Backnanger Rathaus hebt er hervor. Dennoch gilt auch hier, wie für alle seine Arbeiten, der Satz von Albrecht Dürer, den Luft über sein Werk stellt: „Wer bin ich, dass ich die Dinge anders darstellen soll als Gott sie geschaffen hat.“

Dies kommt auch bei den Kinderporträts zum Tragen. Die zarten Haare eines Kleinkindes, die glänzenden Augen, das schelmische Lachen eines kleinen Mädchens sind so liebevoll herausgearbeitet, dass man den Kindern am liebsten über den Kopf streicheln möchte.

Weitere Themengruppen zeigen Pferdezeichnungen voller Kraft und Dynamik, Balletttänzer in eleganten Posen, Szenen aus Ägypten und Bilder von surrealistisch anmutenden Traumwelten mit Akten und Architekturzitaten.

Volker E. Maria Luft wurde 1934 im rheinhessischen Gau-Odernheim geboren und lebt und arbeitet heute in Göppingen. Er studierte in Stuttgart, München, Bologna und Florenz und betätigt sich heute hauptsächlich als Porträtmaler.

  Die Ausstellung mit Arbeiten von Volker E. Maria Luft in der Volksbank Backnang ist bis Freitag, 29. April, von Montag bis Freitag zwischen 8.30 und 17.30 Uhr geöffnet.