Spritzig, frech und schwäbisch

Sabine Schief zeigt sich in ihrem Programm „Stirb glücklich“ äußerst wandlungsfähig

Über 20 Jahre tourte sie als Hälfte des Kabarettduos i-dipfele über die Bühnen. Jetzt ist Sabine Schief mit Soloprogrammen unterwegs. Das schwäbische Temperamentsbündel ist unglaublich wandlungsfähig und begeisterte im ausverkauften Rentamtskeller mit ihrem Programm „Stirb glücklich.“

„Her mit der Sünde, irre sein macht frei. Lieber Lachfalten als Trauerrunzeln“: Das sind einige der Kernaussagen, mit der Sabine Schief das Publikum augenzwinkernd auffordert, alles mit Humor zu sehen. Foto: E. Layher

Von Claudia Ackermann

OPPENWEILER. Schon die zahlreichen Requisiten und Accessoires, die auf der kleinen Bühne im Rentamtskeller drapiert sind, lassen erahnen, dass das kein schwäbisches Kabarett im immer wieder gern gewählten Kittelschurz wird. Und so erscheint Sabine Schief auch gleich im etwas ausgefallenen Outfit. Es hat etwas von einem Dirndl, Stilbruch sind die engen Jeans darunter, die gedruckten Muffins auf dem Rock und die sexy High Heels. Genauso eine bunte Mischung ist ihr Programm.

Erotik sei eine Art der weiblichen Kriegsführung, unterstreicht sie, nur dass die Frau das einzige Beutetier sei, das seinem Jäger auflauert. Was dann an Tanzbewegungen folgt, hat mit Erotik nichts zu tun, sondern ist urkomisch ungelenk. Es geht um Bandscheibenprobleme in ihrem umgetexteten Lied auf die Musik von „Big Spender“ mit dem Refrain „Weis’ mir a G’länder“.

Aus einer Großfamilie stamme sie, in der sie schon früh gelernt habe: „Irre sein macht frei.“ Es braucht nur die optische Verwandlung mit Fellmütze und rosa Pelzstola, um in die Rolle der Tante Irina aus Kasachstan zu schlüpfen. Vom schwäbischen Dialekt geht es zum osteuropäischen Akzent. Das Publikum biegt sich vor Lachen allein über die Mimik des überzogen gut gelaunten Vollweibs. Das Leben ist ein Geschenk, auspacken müsse man es aber selber, ist das Credo. Die Kabarettistin spielt mit dem Publikum. Auf Zwischenrufe reagiert sie spontan, und Ralf aus der ersten Reihe muss immer wieder herhalten. Herrlich komisch ist auch die Szene, in der sie mit Strickkäppchen, Lätzchen mit der Aufschrift „Skype“ und überdimensionalem Schnuller in die Rolle eines schwäbelnden Babys schlüpft. Von ihren Eltern werde sie nicht nur mit Babyfon, sondern gar mit einer Baby-Drohne überwacht, plaudert sie mit Kleinkind-Stimme. Anstatt Töpfle habe sie einen „Eipott“ und leide schon am „Baby-Burn-out“. Als im Besucherraum ein Glas klirrend kaputt geht, bezieht sie das sofort in ihr Programm mit ein. Weinerlich beschwört sie die Zuschauerin, das Missgeschick zuzugeben, die Eltern könnten denken: „I wär’s gwä.“ Zwischenapplaus gibt es für ihre Spontaneität.

Kaum ist das Baby-Outfit abgelegt, singt sie mit riesiger Schokoladentafel unter dem Arm von ihrer Vorliebe für Süßigkeiten beim „Schokolad-Tango“ und verwandelt sich kurz darauf in die frivole Ehefrau, die nach dem Lesen von „Fifty Shades of Grey“ mal was ganz Neues ausprobieren will. Nur Pech, wenn der biedere Gatte das Buch nicht kennt.

Mit Wortspielen gibt die Kabarettistin dem Publikum Rätsel auf, etwa wenn sie die Buchstaben des Begriffs „Bundeskanzlerin“ zu „Bankzinsenluder“ umformt. Von einem Thema switcht sie ins andere und von einem Musikstil in den nächsten. In einem Lied über Ignoranz wird aus dem Spider-Murphy-Text „Skandal um Rosi“ bei Sabine Schief „Was got des mi a“ und der Reggae „I shot the Sheriff“ bekommt im Lied über Beziehungsprobleme den Refrain „Du machsch mi närrisch“. Lacher erntet sie auch als Domina im langen, schwarzen Lackmantel bei ihrem Beitrag zum Thema Scheitern. Modisch habe sie sich dabei an Andrea Berg orientiert, fügt die Kabarettistin hinzu.

Am Ende dreht sie noch einmal richtig auf beim umgetexteten Song „Hit the Road, Jack“. In High-Heels tanzt sie über die Bühne und reißt das Publikum mit. Ihr Satz „umso höher die Absätze, desto kürzer die Hauptsätze“ trifft bei Sabine Schief jedenfalls nicht zu. Spritziges, freches, frisches, schwäbisches Kabarett, das ganz und gar auf übliche Klischees wie Kittelschurz und das Thema Kehrwoche verzichten kann.