Krabat und Vango bringen Glück

57. Vorlesewettbewerbs des deutschen Buchhandels: Beim Bezirksentscheid in Backnang siegen Lea Böllinger und Josua Cortes

Lea Böllinger aus Weinsberg und Josua Cortes aus Wertheim gewannen gestern den Bezirksentscheid Stuttgart Nord des Vorlesewettbewerbs. Der Wettstreit des deutschen Buchhandels, den die Buchhandlung Osiander auf dieser Ebene in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei Backnang organisiert hat, führt die beiden Erstplatzierten nun zum Landesentscheid nach Stuttgart.

Sie sind alle schon mehrfache Vorlese-Sieger, beim Bezirksentscheid muss sich die Jury aber für zwei Gewinner entscheiden. Lea Böllinger (hintere Reihe Dritte von links) und Josua Cortes (hintere Reihe rechts) haben die Nase vorn. Sie nehmen jetzt beim Landesentscheid in Stuttgart teil. Wenn sie auch dort die Jury überzeugen, dürfen sie zum Bundesentscheid nach Berlin.Foto: A. Becher

BACKNANG (ik). Die Schüler, die zum Lese-Wettstreit antreten, sind keine Neulinge mehr. Sie waren die Besten ihrer Klasse, ihrer Schule, ihrer Stadt und ihres Landkreises. Es sind also alles schon Mehrfach-Gewinner, egal, wie es an diesem Tag ausgeht. Eine gewisse Routine merkt man ihnen auch an. Selbstbewusst sitzen sie an dem Vorlesetisch, Lampenfieber ist ihnen nicht anzumerken. Nicht einmal das Mädchen, das ihr Wahltext-Buch vergessen und sich schnell mal in der Stadtbücherei ein anderes ausgesucht hat, scheint aufgeregt zu sein. Nun gilt es, bei der Lesetechnik und der Interpretation zu punkten. Bewertet wird zudem die Textauswahl, aber daran gibt es in diesem Moment nichts mehr zu rütteln. Drei Minuten haben die Vorleser in der ersten Runde Zeit, die Jury zu überzeugen. Diese zieht danach eine Zwischenbilanz: Ein Favorit hat sich noch nicht herauskristallisiert, es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben, vermuten Buchhändlerin Ulla Holtzwarth, Stadtbüchereileiterin Marianne Engelhardt, Bandhaus-Dramaturg Christian Muggenthaler, Pädagogin Gisela Hoellen und BKZ-Redakteurin Ingrid Knack. Dies mag auch daran liegen, dass bis auf eine Realschülerin und eine Schülerin einer Gemeinschaftsschule nur Gymnasiasten antreten. Offensichtlich eine Folge davon, dass seit einigen Jahren – mit Ausnahme der Förderschulen – die Schüler aller Schularten gemeinsam bewertet werden. Als Ausgleich werden beim Bezirksentscheid zwei Sieger bestimmt, Zweit- und Drittplatzierte gibt es nicht. Dennoch ist die Jury nicht glücklich über diese Rahmenbedingungen.

Vor Beginn der zweiten Runde stellt Ulla Holtzwarth das Buch vor, aus dem die Schüler nun eine zwei Minuten lange Passage lesen müssen: „Angriff der Killerbienen“ von Tim Pratt und Andy Deemer. Ein Wirtschafts- und Ökokrimi, in dem ein 14-jähriger Junge von zwei Schülern als Stormglass-Agent rekrutiert wird. „Stormglass-Agenten werden immer dann eingesetzt, wenn Erwachsene nicht weiterkommen“, erklärt die Buchhändlerin und fügt auch mit Blick auf die Eltern im Publikum hinzu: „Ich habe gedacht, ich suche etwas ganz Spannendes heraus, dann wird’s für alle aufregend, nicht nur für euch.“

Der Fremdtext ist für einige

Schüler eine harte Nuss

Das Bild der Jury von einzelnen Vorlesern wird nun zurechtgerückt. Manche, die in der ersten Runde noch richtig gut waren, überzeugen bei diesem Fremdtext nicht. Andere wiederum, die in der ersten Runde zum Beispiel zu schnell gelesen hatten, finden sich in Windeseile in die Atmosphäre der erzählten Geschichte ein und gewinnen viele Punkte hinzu.

Am Ende bekommen alle ein Buchgeschenk und eine Urkunde. Goldene Urkunden gehen allerdings an Lea Böllinger und Josua Cortes. Lea Böllinger hatte sich den Abenteuerroman „Vango – zwischen Himmel und Erde“ von Timothée Fombelle als Wahltext ausgesucht, Josua das bekannte Jugendbuch „Krabat“ von Otfried Preußler. „Am liebsten mag ich eine Mischung aus Fantasy und Krimi“, verrät Lea ihre Lesevorlieben. Magie müsse auf jeden Fall mit dabei sein. Den Fombelle-Roman hat ihr ein Buchhändler empfohlen. Josua liebt ebenfalls Bücher mit „Magie und Fantasie“. Das Buch „Krabat“ war Thema in seiner Schule, er musste sogar einen Aufsatz darüber schreiben. Die Geschichte des Jungen, der Lehrling eines Zaubermeisters wird und sich gegen diesen behaupten muss, hat ihn nicht mehr losgelassen. Ansonsten mag er die Fantasy-Romanreihe „Warrior Cats“ der Autorengruppe Erin Hunter ganz besonders.

Die größte Leseförderaktion des deutschen Buchhandels wird seit dem Jahr 1959 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Zusammenarbeit mit zahlreichen Buchhandlungen, Bibliotheken, Schulen und anderen kulturellen Einrichtungen realisiert. Mehr als 600000 Kinder der 6. Klassen aller Schularten beteiligen sich jedes Jahr an rund 7200 Schulen.