Stimmungen und Tuschkasten-Plauderei

Die Gruppe EigenArt der Backnanger Volkshochschule stellt aus – Vielfalt der Positionen und Techniken

Die Werkschau ist noch bis zu den Sommerferien im Haus der Volkshochschule in Backnang zu sehen.Foto: E. Layher

Von Melinda Schachinger

BACKNANG. „Hier steh ich. Alleine. Verwaist. Wie sehn ich mich nach Gefährten! Keiner ist hier. So weit, so weit sind ferne Wälder und Gärten.“

Diese Strophe aus einem Gedicht von Brigitte Brändle wird nicht etwa von einem Menschen geseufzt, sondern von einem einsamen, kahlen, in Dunkelheit stehenden Baum. Jener Baum schmückt eines ihrer Bilder, das mit den Werken anderer Künstlerinnen der VHS-Malgruppe Kurs 002, die sich jetzt „EigenArt“ nennt, noch bis zu den Sommerferien in der Volkshochschule im Rahmen der Ausstellung „Stimmungen“ zu sehen ist.

Doch was haben Bäume, Fische oder Winterlandschaften mit Stimmungen wie Einsamkeit, Freude, Trauer oder Freiheit zu tun? Die Antwort auf diese Frage ist schnell gefunden, wenn man die Werke betrachtet, die die Gruppe im vergangenen Semester erschaffen hat – teils könnten beispielsweise die verschiedenen Bilder, die das Motiv „Baum“ zum Inhalt haben, unterschiedlicher nicht sein. Vom blütengeschmückten, impressionistisch-abstrakten Frühlingsbaum, der die Stimmung und das Licht der ersten warmen Tage einfängt, bis hin zu blätterlosen Ästen im Sonnenuntergang ist eine erstaunliche Bandbreite zu entdecken.

Genau diese Diversität ist es, die laut Kursleiterin Dorothea Schwertzel-Thoma die Gruppe aus momentan elf Frauen zu etwas ganz Besonderem macht: „Fertige“ Künstlerinnen und frisch eingestiegene Anfängerinnen helfen und inspirieren sich gegenseitig, probieren sich aus und finden letztendlich ihren eigenen Stil. Das spannende Ergebnis ihrer Arbeit begutachteten bei der Ausstellungseröffnung gut hundert Gäste. Neben einer Begrüßung durch VHS-Abteilungsleiterin Friederike Fleischmann unterhielt die Kursteilnehmerin Barbara Krug mit ihrer Plauderei „aus dem Tuschkasten“. Für einen angemessenen musikalischen Rahmen sorgten die Backnanger Chorallen unter Leitung von Miklós Vajna. Zudem konnten die Besucher in aller Ruhe die ausgestellten Bilder begutachten und den Künstlerinnen Fragen stellen. Beim Gang durch die Ausstellung wird immer deutlicher, wie breit gefächert die Werke der Kursteilnehmerinnen sind: Während Barbara Krug meist sehr gegenständlich malt, ergibt sich bei Birgit Sterzel gerne ein abstrakteres Werk im Schaffensprozess. Verspielt wirkt dagegen Ingrid Dürrs Zentangle-Technik, die sich aus etlichen zusammengesetzten kleinen Mustern ergibt. Herausstechend sind immer wieder Brigitte Brändles Werke, die durch plastische Komponenten bestechen. Doch auch die noch eher frischen Teilnehmerinnen beeindrucken mit ihrem Können. Uschi Riedel beispielsweise hat schon als Einsteigerin eine wunderschöne Landschaft erschaffen. Yevgeniya Seeger, seit etwa zwei Jahren dabei, ist bekannt für ihren cartoon-ähnlichen Stil. Während Kathrin Widmayer durch mutige Farbzusammenstellungen auffällt, ist die Farbe von Metta Halim vor allem Blau: Wasser in allen Nuancen ist ihre Welt. Blau findet man auch in einer Winterlandschaft von Vera Heyer. Ihre Bilder sind gekennzeichnet von einer expressionistischen Farbigkeit, die ins Auge fällt.

Ingrid Thomas hingegen, die schon seit Langem bei der Gruppe ist, ist eher an pastelligen Farben zu erkennen. Sehr viel am Experimentieren ist Margitta Wildermuth, die gerne verschiedenste Techniken anwendet. Dank dieser ganz unterschiedlichen Künstlerinnen ergibt sich eine sehenswerte Ausstellung, die auch dem Thema Stimmungen auf etliche unterschiedliche Weisen Ausdruck verleiht.