Farbwelten und geheimnisvolle Formen

Helga Kleinhans zeigt gemalte Menschenbilder und Landschaftsformen im Rathaus Oppenweiler

Die Gemälde von Helga Kleinhans fordern dem Betrachter einiges ab. Sie stellen ihn vor Rätsel, nehmen ihn mit auf eine Expedition ins Ungewisse. Wer sich darauf einlässt, wird belohnt: In Landschaften und Fragmenten menschlicher Figuren entdeckt er wunderbare Farbwelten, geheimnisvolle Formen, Bekanntes und Überraschendes.

Ihre Kompositionen sind voller Dynamik und Kraft: Helga Kleinhans.Foto: A. Becher

Von Annette Hohnerlein

OPPENWEILER. Helga Kleinhans ist eine zierliche Frau mit einem herzlichen Lächeln und einer freundlichen Ausstrahlung. Ihre Bilder: Kraftvoll, dynamisch, verwirrend. Ein Widerspruch? Der Ausdruck verborgener Kräfte? Wie auch immer: Das Ergebnis sind Gemälde, die faszinieren. Durch ihre Expressivität, ihre Fähigkeit, die Fantasie des Betrachters anzuregen und nicht zuletzt durch ihre hohe Qualität.

Bürgermeister Sascha Reber gab im historischen Wasserschloss einen Einblick in die Geschichte des Gebäudes, das seit 1939 als Rathaus dient. Dieses ist einerseits ein reizvoller Rahmen für die Exponate, hat aber auch seine Tücken: Die baulichen Gegebenheiten verhindern teilweise eine ausreichende räumliche Distanz des Betrachters zu den großflächigen Bildern.

„Ganz einfach macht es uns Helga Kleinhans nicht“, stellt Roland Schmitt, Künstler und Kunstpädagoge aus Eislingen, in seiner Einführung fest. Er beschreibt einen Machtkampf im Gehirn des Betrachters: Während die linke Gehirnhälfte bestrebt sei, Bekanntes wiederzuerkennen, sei die rechte Gehirnhälfte in der Lage, Formen, Flächen und Farben als das wahrzunehmen, was sie sind. Ein möglicher Zugang zu den Bildern führe über einen Blick auf deren Entstehungsprozess.

Helga Kleinhans selbst beschreibt ihr Vorgehen so: „Die menschliche Figur, das lebende Modell ist der Ausgangspunkt. Dann male ich ohne Vorbild weiter. Manchmal drehe ich das Bild auf den Kopf oder auf die Seite und arbeite weiter. Dann wird es ein Bild.“ Im Lauf dieses Prozesses werden die menschlichen Körperformen teilweise aufgelöst und verfremdet. Ein schwarzer Fuß geht über in ein Bein in kräftigem Türkis mit roten, gelben und blauen Farbspuren. Ein hautfarbener Oberkörper findet seine Fortsetzung in hellblauen Beinen mit brauner Kontur. Durch Übermalen löst sich die Figur teilweise auf, verschmilzt mit dem Hintergrund und wird Teil einer beinahe abstrakten Komposition. Dieses Beinahe ist das Verwirrende und gleichzeitig das Reizvolle an Kleinhans’ Bildern. „Jeder kann sich was dazu denken“, empfiehlt sie. Wer diesen Rat beherzigt und sich freimacht von der Suche nach Konkretem, der kann wunderbare Dinge entdecken: Farbstimmungen in tropisch bunten, erdigen oder pudrig-pastelligen Tönen, Strukturen aus übereinandergelegten Farbschichten, Kompositionen voller Dynamik und Kraft.

Helga Kleinhans wurde in Hannover geboren und lebt seit 1967 im Rems-Murr-Kreis. Mit Beginn der Familienphase begann sie zu malen. Sie besuchte Kurse an der Freien Kunstschule Stuttgart, der Kolping-Kunstschule Stuttgart und der Europäischen Kunstakademie in Trier. Seit 1985 malt sie mit Eitempera-Farben. Diese Technik schätzt sie wegen der brillanten Farben und der Korrekturmöglichkeiten, die der langsame Trocknungsvorgang ermöglicht.

Neben der menschlichen Figur ist die Landschaft ein Thema in Kleinhans’ Arbeiten. Auch bei ihren Bildern von Lanzarote arbeitet sie nach dem Prinzip der allmählichen Verfremdung. Ausgehend von Konkretem wie einem weißen Gebäude, einer Palme oder einem einzelnen Blatt, macht sie sich auf den Weg in Richtung Abstraktion. Kraftvolle Gesten, warme, belebte Farben, strukturierte Flächen: Es ist viel Leben in den Bildern von Helga Kleinhans.

  Die Ausstellung im Rathaus, Schlossstra- ße12, ist bis zum 22. Mai zu folgenden Zeiten geöffnet: Montag und Dienstag 8 bis 12 Uhr, Mittwoch 7 bis 12 Uhr, Donnerstag 8 bis 12 und 15.30 bis 18 Uhr, Freitag 8 bis 13 Uhr und Sonntag 14 bis 17 Uhr.