„In 50 Jahren ist alles vorbei“

Dieter Groß und Johannes Bair präsentieren Texte und Musik zum Thema „Der Narr und der Tod“ in der Backnanger Friedhofkapelle

Sterben und Tod sind Themen, die von vielen gerne gemieden werden. Dass sie aber auch mit Humor und Heiterkeit daherkommen können, bewiesen Dieter Groß und Johannes Bair bei der Veranstaltung „Der Narr und der Tod“ in Bild, Text und Musik in der Friedhofkapelle.

Dieter Groß packt selbst das Thema Tod mit Humor an. Der Schatten des Mannes auf dem Bild ist ein Skelett...Foto: P. Wolf

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Die renovierte Friedhofkapelle auf dem Backnanger Stadtfriedhof auch für kulturelle Veranstaltungen zu nutzen, war der Gedanke des Arbeitskreises „Erinnern und Gedenken“ im Heimat- und Kunstverein. Grußworte bei der Veranstaltung sprachen Dr. Roland Idler vom Arbeitskreis und Ernst Hövelborn, Vorsitzender des Heimat- und Kunstvereins.

Dieter Groß, der viele Jahre Professor an der Stuttgarter Kunstakademie war, hat in seinen karikativen Bildern den Tod mehrmals thematisiert. So ist bei der Veranstaltung etwa ein Werk von ihm ausgestellt, das einen Menschen zeigt, dessen Schatten in Form eines Skeletts an der Wand sichtbar wird. Den Narr und den Tod hat er in einem anderen Bild in Verbindung gebracht, auf dem die Uhr für den Spaßmacher abläuft, bis sie schließlich ganz verschwindet.

Der Narr sei für ihn eine Art „Erkennungsfigur“, sagt Dieter Groß, denn er ist derjenige, der sich traut, zu sagen, was andere nicht aussprechen dürfen. Als Künstler ist der Stuttgarter in Backnang kein Unbekannter. 2012 hat er zu seinem 75. Geburtstag die Ausstellung „Bella Figura“ im Helferhaus gezeigt. Dieses Mal tritt er als Sänger und Rezitator auf. Texte zum Thema Sterben und Tod hat Dieter Groß zusammengestellt. Die musikalische Begleitung am E-Piano mit eigenen Kompositionen übernimmt Johannes Bair.

Das Gedicht „Karussell“ von Otto Reutter thematisiert den Kreislauf des Lebens. „Ohne Haare, ohne Zähne kommen wir auf die Erde hier“, heißt es im Text. Und im Alter: „Keine Haare, keine Zähne. Karussell, Karussell.“ Ein anderes Gedicht handelt davon, keine Zeit im Leben zu haben: „So eilen wir durchs Leben ohne Freud und Pläsier, mit der Uhr in der Hand... Da, plötzlich steht einer, ist mächtiger als wir, mit der Uhr in der Hand...“. Auch, wenn Textstellen zum Schmunzeln anregen, etwa als beschrieben wird, wenn es selbst bei der Liebe und Fortpflanzung um Zeitdruck geht, bleibt doch der nachdenkliche Aspekt.

Manche Texte werden in gesungener Form, andere frei rezitiert von Dieter Groß vorgetragen, wobei er so manches Mal in der Gestik und Mimik vollen Körpereinsatz beweist. Zwischendurch sind Karikaturen von ihm an die Wand projiziert mit Aufschriften wie: „Was heute nicht richtig ist, kann morgen falsch sein“ oder: „Man wird auch älter, wenn man nichts tut.“ Viele Jahre hat er als Karikaturist für Zeitungen gearbeitet, vor allem, um sein Studium zu finanzieren, merkt Dieter Groß an.

Ein Gleichnis in Reimen von Michael Ende, in dem es darum geht, dass die Blinden dem Blinden folgen, hat Groß ins Schwäbische übertragen. Ein Text von Hans Magnus Enzensberger ist dabei. Und immer wieder wird der Humorist Otto Reutter zitiert, wie in dem Gedicht: „Bevor du sterbst.“ Recht makabere Tipps hat er in den Zeilen auf Lager: „Bevor du sterbst, schau nach dem Wärmemesser, dreh die Heizung ab, für dich ist Kälte besser.“ Skurril ist auch das Gedicht „Hunger ist heilbar“ von Erich Kästner, in dem ein Mann regelrecht zu Tode operiert wird, bis sich herausstellt, dass seine Beschwerden wohl nur davon kamen, dass er Hunger hatte. Und Kurt Tucholsky fasst in Worte: „Sterben ist, wie wenn man einen Löffel aus dem Kleister zieht.“

Erstaunliches, Humorvolles und zum Nachdenken Anregendes haben Dieter Groß und Johannes Bair zum Thema Sterben und Tod zusammengestellt und gezeigt, dass der Narr oder Schalk selbst bei diesem Thema manchem Autor im Nacken sitzt. Mit dem Lied: „In 50 Jahren ist alles vorbei“ beendet Dieter Groß die Veranstaltung in der Friedhofkapelle. Die zum Großteil älteren Besucher schmunzeln auch dabei – und nicken zustimmend.