Heines Memoiren und Geständnisse

Rezitator Rudolf Guckelsberger, Bariton Andreas Beinhauer und Pianistin Anna Graczykowska zu Gast in Spiegelberg

Eine Lesung mit klassischer Musik wurde beim Frühlingskonzert in Großhöchberg geboten. Einblicke in das private Leben Heinrich Heines gab Rudolf Guckelsberger aus dem Buch des Schriftstellers: „Memoiren und Geständnisse“ im ausverkauften alten Schulhaus, bevor es zum kulinarischen Abschluss in den Klosterhof ging.

Rudolf Guckelsberger (rechts) bringt dem Publikum Heine näher, Bariton Andreas Beinhauer sorgt zwischen den Lesungen für die passende Musik: Beim Auftritt im alten Schulhaus. Foto: A. Becher

Von Claudia Ackermann

SPIEGELBERG. Dreimal im Jahr veranstaltet der Klosterhof Großhöchberg unter der Schirmherrschaft der Gemeinde Spiegelberg ein Klassik-Konzert, das auch mit einer Lesung kombiniert sein kann. Mit Felix Mendelssohn Bartholdys „Auf Flügeln des Gesanges“ aus „Sechs Gesänge“, op. 45, Nr. 2, eröffnet Andreas Beinhauer mit seiner kraftvollen Baritonstimme die Veranstaltung, begleitet von Anna Graczykowska am Klavier. Sie stimmen in die Epoche der Romantik ein.

Aus „Memoiren und Geständnisse“, die Heinrich Heine 1853/54 geschrieben hat, liest Rudolf Guckelsberger: „Ich will dir das Märchen meines Lebens erzählen“, heißt es im Text. In der ersten Passage geht es um Heines Mutter, die große Angst hat, dass ihr Sohn ein Dichter werden könnte. Ein Poet war damals ein „zerlumpter, armer Teufel, der für ein paar Taler ein Gelegenheitsgedicht verfertigt und am Ende im Hospital stirbt“, beschreibt Heine die damals gängige Ansicht. Die Erziehungsversuche und Strategien der Mutter zielen eher darauf hin, dass Heinrich eines Tages in den Dienst des Kaisers treten werde. Mitreißend und sehr akzentuiert liest Guckelsberger, der Theologie, Sprechkunst und Sprecherziehung studiert hat und seit 1990 literarische Programme als Rezitator erarbeitet.

Zwischen den Lesungen genießen die Besucher die musikalischen Einlagen, wie „Meerfahrt“ aus „Vier Lieder“, op. 96, Nr. 4, von Johannes Brahms oder „Abends am Stand“ aus „Romanzen und Balladen“, op. 45, Nr. 3, von Robert Schumann mit Texten von Heinrich Heine. Zahlreiche Komponisten hat der Schriftsteller mit seinen Gedichten inspiriert. Darunter auch Franz Liszt, von dem das Duo die Vertonung „Im Rhein, im schönen Strome“ vorträgt.

Die Lesung führt über Passagen, die Heines Onkel beschreiben, der ein Sonderling war, zu Notizbüchern des Großonkels, der Reisen in den Orient unternommen hatte und in einem Beduinenstamm sogar zum Scheich gewählt worden war. Eine Art „Räuberhauptmann“, wie Heine schreibt. Das Publikum erfährt, dass der Schriftsteller mit 16 Jahren seine erste Liebe traf. Kein Korsett und kein Dutzend Unterröcke habe das Mädchen aus einfachen Verhältnissen getragen. „In der Liebe gibt es ebenfalls wie in der römisch-katholischen Religion ein provisorisches Fegefeuer, in welchem man sich erst an das Gebratenwerden gewöhnen soll, ehe man in die wirklich ewige Hölle gerät“, schreibt Heine über seine Jugendliebe. Gegen die „schreckliche Krankheit der Frauenliebe“ schlägt er das Prinzip der Homöopathie vor: „Wo das Weib uns heilet von dem Weibe.“ Eine Redensart seines Vaters sei bei solchen Gelegenheiten gewesen: „Jetzt muss man ein neues Fässchen anstechen.“

Über das Thema Liebe, bei dem sich Heine als „entlaufener Romantiker“ bezeichnet, geht es zum Aufbruch nach Paris und der Schwierigkeit der Franzosen, den Namen Heinrich Heine auszusprechen. Zwei französische Lieder von Joseph Guy Marie Ropartz präsentieren der Bariton und die Pianistin, bevor es in der Lesung zu Geständnissen über die Bibel, die Kirche und das Heiraten geht und schließlich zur „Römischen Phantasie“, mit Heines Worten: „Es ist kein Pfäfflein noch so klein, es möchte gern ein Päpstlein sein.“ Die anregende musikalisch-literarische Matinee beendet Guckelsberger mit dem Heine-Zitat: „Es ist nichts aus mir geworden, nichts als ein Dichter“, bevor es für die rund 70 Besucher vom alten Schulhaus in den Klosterhof geht, wo Gastgeberin Jutta Scheuthle in den urigen Räumlichkeiten mit Hackbällchen, Kartoffelsalat und selbst gemachtem Holundersaft bewirtet.