Malerisches Spiel mit Illusionen

Der aus Essen stammende Künstler Roman Kochanski stellt in der Galerie der Stadt Backnang aus – Vernissage ist heute Abend

„Pirat mit Heimweh“ heißt die fünfte Einzelausstellung von Roman Kochanski. Sie wird heute Abend um 20 Uhr in der Galerie der Stadt Backnang von Stadtrat Heinz Franke und Kulturamtsleiter Martin Schick eröffnet. Gezeigt werden neben großformatigen Gemälden auch kleine Malereien, Zeichnungen und Studien.

Von Carmen Warstat

BACKNANG. Es riecht nach frischer Farbe in der Städtischen Galerie, denn Roman Kochanski hat unter anderem ganz neue Arbeiten mitgebracht: Im Erdgeschoss zeigt er fünf kleinere Werke mit jeweils einer Blume im Gefäß, die er allerdings nicht als klassische Stillleben verstanden wissen möchte, sondern fast wie eine Porträtreihe betrachtet. Es ist, als ergeben Farben, Materialien, Muster und der jeweilige Auftrag in ihrem Zusammenspiel Darstellungen ganz individueller Persönlichkeiten.

Kochanskis ursprüngliche Idee davon waren Dreierblöcke, er hat sie zwar nicht so umgesetzt, erinnert aber mittels der Bildtitel daran, jeder von ihnen ist nämlich dreibuchstabig. „Lio“ hat dem Künstler am besten gefallen, deshalb stellte er sich der Herausforderung, die halbabstrakte Orchidee auch in einem größeren Format festzuhalten. Er spielt hier mittels der Verwendung von Mischtechniken mit Illusionen, beispielsweise, indem er matte Flächen gegen glänzende setzt und mit den unterschiedlichen Wirkungen von Öl und Acryl experimentiert. Auf den Titel seiner Ausstellung, „Pirat mit Heimweh“ angesprochen, sinniert der 33-Jährige über eine gewisse Sehnsucht in die Ferne, die in einem eigenartigen Widerspruch zu ebenfalls vorhandenem Heimweh steht, spricht von Reisen und Erkundungen des Exotischen, welche nur auf der Leinwand ausgelebt werden. Im wirklichen Leben würden sie nicht realisiert, weil er da nur im Atelier steht, und es gebe da eine Art Hadern mit dem Gedanken, eventuell wegzugehen. Andererseits: Man sollte weder den Ausstellungstitel noch die Arbeiten selbst allzu ernst nehmen, denn da ist immer ein Augenzwinkern mitgedacht. Die Bilder Kochanskis erzählen einfach Geschichten, über die gelächelt werden darf. Und sie lassen die Prozesshaftigkeit seiner Arbeit gut erspüren. Er macht seine Reise zum Endpunkt des Bildes jeweils sichtbar über Lasuren, Schichten, Skizzen, es ist dies natürlich auch eine Reise durch Farbwelten und -ebenen. „Cargo“ heißt ein Gemälde, das einen beladenen Packesel zeigt. Der Betrachter erkennt vielleicht Kartons, eine Lampe, eine Zimmerpflanze, ein Wagenrad. Vieles aber ist nicht erkennbar – das Chaotisch-Verborgene, das man mit sich herumträgt, merkt Kochanski an und weist hin auf „Don“, einen Reiter, der an exponierter Stelle, im Gotischen Chor, gezeigt wird. Diverse Einflüsse prägen das Werk des 1983 geborenen Künstlers, der an der Kunstakademie Düsseldorf studiert hat – er weist auf Picassos Lastentiere und Harlekine hin. Kochanski sieht sich und seine Arbeiten im kunsthistorischen Kontext, greift „Bildcodes“ auf und kommentiert sie auf seine Weise.

So scheint in „God Save The Queen“ G. C. Binghams „Überquerung des Missouri“ herauf, als würden die durch Jahrhunderte getrennten Künstler miteinander kommunizieren. Kulturamtsleiter Martin Schick hebt das Sinnliche in der Malerei Kochanskis als extrem wichtig hervor. Er ist froh, immer wieder junge Künstler in der Galerie der Stadt Backnang zu haben, „bevor sie durch alle Museen durch sind“.

Mit dem Anspruch, Qualitäten frühzeitig zu erspüren, möchte Schick junge Kunst nicht einem Konzeptgedanken unterordnen, sondern ihren Schöpfern die Gelegenheit geben, einfach ihre Arbeiten zu zeigen. Mit diesem Profil hat sich die Galerie in der Szene längst einen guten Namen gemacht.

Die Ausstellung „Roman Kochanski - Pirat mit Heimweh“ wird bis Sonntag, 7. August, in der Galerie der Stadt Backnang zu sehen sein. Die Öffnungszeiten sind: Dienstag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag von 14 bis 19 Uhr.