Ratternd und knatternd auf Tour

Ausfahrt der Bulldog- und Schlepperfreunde führt auf historischen Spuren durch den nördlichen Teil der Backnanger Bucht

Es rattert und knattert, kleine Rauchwölkchen steigen zum blauen Himmel, und Dieselgeruch erfüllt die Luft. Vor der historischen Kelter in Kleinaspach haben sich fast dreißig Fahrer mit ihren Bulldogs und Unimogs versammelt, um zur traditionellen Schlepperausfahrt zum 1. Mai loszuziehen.

Schlepper-Spektakel in der Marktstraße: Die Teilnehmer der Ausfahrt mit ihren Liebhaberfahrzeugen, darunter der lilafarbene Lanz von Rudi Gleich, machen Station in Backnang. Foto: E. Layher

Von Simone Schneider-Seebeck

ASPACH/BACKNANG. Das Herz geht dem Traktor-Liebhaber auf, wenn er die historischen Schmuckstücke in Grün, Rot, Blau, ja sogar in Lila da stehen sieht. Zwischen fünfzig und sechzig Jahre alt sind die Fahrzeuge, und die Firma Lanz dominiert. Doch auch die Hersteller Porsche, Deutz, Fendt, Güldner, Eichert, Ursus, Massey Ferguson und Farmer sind vertreten, einige davon frühlingshaft mit Blumen dekoriert. Ein kleiner Hanomag R16 aus dem Heilbronner Raum tuckert vor sich hin, und das französische Modell SFV ist sogar mit einem Hähnchen auf der Vorderachse geschmückt.

Aus einem Umkreis von etwa hundert Kilometern sind die Mitglieder des Vereins Bulldog- und Schlepperfreunde Württemberg mit ihren Prachtstücken angereist. Um die 2000 Mitglieder hat der Verein, davon etwa 60 im Ausland – in Frankreich, Holland, der Schweiz und Österreich und sogar in Kanada.

Jedes Jahr wird die Ausfahrt von einem anderen Mitglied ausgerichtet. In diesem Jahr hat Vorstandsmitglied Walter Scheuermann Planung und Organisation übernommen. Für den Schulamtsdirektor a.D. aus Strümpfelbach sind die Traktoren ein großes Hobby, wobei ihn seine Frau liebevoll unterstützt.

Eine reizvolle Fahrtroute hat Scheuermann für die Ausfahrt unter dem Motto „Auf historischen Spuren im nördlichen Teil der Backnanger Bucht“ ausgetüftelt. Nach dem Start an der Kleinaspacher Kelter geht es am steinernen Sofa vorbei über das Naturdenkmal Buch-Eich weiter zur Burg Reichenberg, dem Wasserschloss Oppenweiler und der historischen Altstadt Backnangs. Im Technikforum Backnang gibt es für die Teilnehmer Gelegenheit, die alten Industriezweige der Murr-Metropole von Nahem kennenzulernen. Zum Abschluss geht es zurück auf den Föhrenberg bei Kleinaspach.

Beeindruckend ein großer lilafarbener Lanz Bulldog Glühkopf. Stolze 67 Jahre hat das Schätzchen aus Aldingen auf dem Buckel, die man ihm aber nicht ansieht. Das Gefährt hat keinen Anlasser, es muss vielmehr mit einer Lampe, dem sogenannten Glühkopf, vorgeheizt werden. Sein Besitzer Rudi Gleich hat es sich gemütlich mit einem Schaffell eingerichtet.

Die längste Anfahrt hatte sicher Albert Scholl aus Erkenbrechtsweiler von der Schwäbischen Alb. Gut viereinhalb Stunden war er unterwegs und ist sicherheitshalber schon einen Tag vor der Rundfahrt angereist. Das Ehepaar Barbara und Theo Schmutz aus Künzelsau besitzt gleich mehrere Bulldogs. Im Partnerlook sitzen sie in roten, selbst gestrickten Pullovern mit Lanz-Logo auf ihrem ebenfalls roten Lanz Baujahr 1953. Zwei Stunden haben sie für die Herfahrt gebraucht und genießen nun den Sonnenschein bei heruntergelassenem Verdeck. Endlich geht es los. Nach einer Stärkung mit Kaffee und Keltermaus (Laugengebäck) von der Chorgemeinschaft Aspach wird es richtig laut, als alle Motoren gestartet werden. Es dampft, rattert, knallt. Walter Scheuermann führt den Zug in seinem grünen Deutz 5006 mit Frontlader an. Rumpelnd setzen sich Schlepper und Unimogs in Bewegung – der Sonne entgegen.