Songs voller Temperament, Lebensfreude und auch Melancholie

Der Backnanger Sängerhaufen und das Ensemble voice:nett begeistern beim Auftritt in der Backnanger Waldorfschule ihr Publikum

Die beiden Chöre Backnanger Sängerhaufen und das Ensemble voice:nettentführten auf eine Reise nach Brasilien (Journey to Brazil). In der Waldorfschule gaben sie Samba, Bossa Nova und Latin Jazz zum Besten.

Die Zusammenarbeit mit Chorleiterin Victoria Konarkowski funktioniert seit drei Jahren bestens: Hier beim Auftritt des Backnanger Sängerhaufens, der unter dem Dach des club junges europa organisiert ist, in der Waldorfschule. Foto: E. Layher

Von Carmen Warstat

BACKNANG. „Es ist schon ein Wahnsinnsgeschäft, aus ein paar Schwaben Samba-Tänzer zu machen.“ Mit diesen Worten dankte Gabi Trefz am Ende des Konzerts der Chorleiterin Victoria Konarkowski, die gerade ihr Lehramtsreferendariat in Stuttgart absolviert und dem Sängerhaufen seit etwa drei Jahren vorsteht. „Sie ist jung und hat uns voll im Griff“, sagte die erfahrene Sängerin und gab der Hoffnung Ausdruck, noch möglichst lange mit der Absolventin der Musikhochschule Stuttgart arbeiten zu können. Traditionell rekrutiert der Sängerhaufen seine musikalischen Leiter dort und ist damit immer gut gefahren.

Zum Konzert in der Waldorfschule hatte Victoria Konarkowski Kommilitonen mitgebracht, die den Chor begleiteten: Michael Lieb am Piano, Johannes Reischmann (Percussion) und Verena Schröder (Flöte). Es war erfrischend zu sehen und zu hören, wie die jungen Musiker dem gestandenen Chor aus Backnanger Laien zur Seite standen – professionell und bescheiden zugleich. Silvia Scotto-Fürniss hatte die Moderation übernommen, und auch wenn sie nach eigener Aussage keinen Bezug zu Spanien, Portugal und Brasilien hat, gelang ihr dies ausgezeichnet. Sie gab der brasilianischen Lebensart und Emotionalität Ausdruck, indem sie über Inhalte und Hintergründe der vorgetragenen Stücke informierte. Beispielsweise ist da das lateinamerikanische Volkslied „Balaio, meu bem“, das eigentlich ein Tanz ist, in dem die Frauen die Männer mit Körben umgarnen, bis Letztere antworten: „Ich möchte der Korb an deiner Taille sein“, oder das Kinderlied „Un poquito cantas“, das in ganz Südamerika bekannt ist und unbändige Lebensfreude ausstrahlt. „Ein Text muss nicht immer viel Sinn haben, wenn die Melodie so schön ist“, sagte die Moderatorin dem erheiterten Publikum dazu. Dieses fröhliche Stück begeisterte die Zuhörer besonders, zumal Ulrike Dimmler und Lothar Bauernschmitt als großartige Solisten mit frecher Körpersprache sozusagen als Übersetzer fungierten. Die gute Laune der lachenden Sänger wirkte ansteckend auf das Publikum, das entzückt applaudierte und sich gern mitreißen ließ. Nach der Pause betrat das junge Gesangsensemble voice:nett die Bühne. Es ist eine Formation aus ehemaligen Studenten der Stuttgarter Musikhochschule, dem auch Victoria Konarkowski, die Leiterin des Backnanger Sängerhaufens, angehört. Die acht Sänger verzauberten ihr Publikum mit gewitzten Arrangements der überaus temperamentvollen Stücke. Besonders amüsant: Die Nummer „Chili con carne“, in der mehrfach geraten wurde, die mexikanischen Gewürze nicht zu vergessen, weil ohne sie das Aroma der Sonne nicht zu haben sei. Mit sehr viel pointiertem Scat-Gesang wurde für Appetit und beste Laune gesorgt. Faszinierende Beiträge gaben auch die Solistin Vera Blocher (Sängerhaufen) und die Tänzer Vera Theuer und Stefan Müller (voice:nett). Schließlich präsentierten die Backnanger mit dem eher besinnlichen Stück „Dulce Embeleso“ eine erste Zugabe und zu guter Letzt mit voice:nett gemeinsam eine weitere. Der Kreis sollte sich schließen, denn man endete so, wie man begonnen hatte, mit dem Stück „Journey to Brazil“, das eine Reise beschreibt, die auf den Spuren des Regenbogens Wärme und Sonne, aber auch jene Melancholie zum Ziel hat, die in der lateinamerikanischen Musik zu finden ist.