Nur ein Märschle auf dem Äpple

Der neue Landschaftserlebnisweg wird eingeweiht – 30 Apfelgeschichten am Wegesrand – Bevölkerung zeigt sich stark interessiert

Auf 83 Kilometern bringt der Landschaftserlebnisweg `s Äpple Mensch zur Natur und zum Apfel. Die ersten Wanderer begaben sich bei der offiziellen Eröffnung am Wochenende mitten hinein in grüne Streuobstwiesen.

Wetter durchwachsen, Stimmung trotzdem herausragend: Bei der Einweihung des Landschaftsweges waren Schirme hilfreich. Fotos: E. Layher

Von Heidrun Gehrke

ALLMERSBACH IM TAL. Wetterbedingt wird das Märschle auf dem Äpple, auf das der Allmersbacher Bürgermeister Ralf Wörner die Festgemeinschaft einstimmt, nochmals gekürzt. Die Marschierenden kehren bereits an der zweiten Tafel bei leichtem Regen um. Doch das kurze Wegstück reicht aus, um einen Hauch der landschaftlich reizvollen Orte zu erschnuppern. „Der neue Weg vom Schützenhaus rüber zum Sportplatz schafft jetzt eine prima Querverbindung“, schildert Sonja Grözinger aus Allmersbach die ersten Eindrücke. Sie kann sich den Rundweg gut als „Einstieg in neue Gebiete“ vorstellen, um „andere Ecken der Heimat“ kennenzulernen. „Ich bekomme ganz neue Ausblicke in die Backnanger Bucht“, sagt Monika Naseband aus Allmersbach.

Die Schuhsohlen rascheln über einen Schotterweg und weichen Rindenmulch, weiter auf einem schmalen Holzbrückchen über einen plätschernden Bach. Der Wald verschluckt jedes Geräusch der wenige Schritte entfernten Straße.

Die Wege sind fest und an der ersten steilen Steigung mit Geländern versehen. Zum Stolpern bringt einen schon eher der Name: `s Äpple. Vorne klingt es nach dem englischen Apple, hinten hängt ein schwäbisches „le“ dran, wie kommt es zu der Verschwänglischung? „Es ist ein Kunstwort, das nach Apfel klingen soll, aber das Wort gab es bis jetzt noch nicht“, so Landschaftsarchitekt Christian Wild. Man solle ruhig drüberstolpern, dies sei von der Werbeagentur, die auch das Logo mit dem stilisierten Kerngehäuse eines Apfels beisteuerte, „durchaus gewollt“.

Eine Frau hat schon vor der Eröffnung die Apfeltour ein Stück weit gehend vorgekostet – und auch probegelegen: „Die Liegen sind sehr bequem“, gibt sie einen Tipp. Denn auch das gehört laut Sigurd Henne vom beauftragten Büro für Freiraum-, Umwelt- und Stadtplanung zum Wandern unbedingt dazu: Durch das Kontemplative, durch das „Nichtdenken“ werde man manchmal schlauer als durchs viele Nachdenken. Viel Denkarbeit legten die Macher des Wegs in dessen Ausstattung: Die Form der Schilder wurde von der Obstkiste abgeleitet, auch die Sitzgelegenheiten erinnern an übergroße Obstbehältnisse. Auf dem Boden das rot-weiße Logo des Wegs, ein stilisiertes Kerngehäuse. Der aufgeschnittene Apfel als Wegweiser wurde gewählt, weil der Weg neben arkadisch gestalteten Landschaften in reizvoller Halbhöhenlage und einem spannenden historischen Umfeld viel zum Leitthema „Apfel“ zu bieten hat.

Hier muss keiner

in den sauren Apfel beißen

Etwa 30 Apfelgeschichten haben sie zusammengeklaubt, informiert Christian Wild, zehn Tafeln zum Tafelobst stehen bereits. Weitere sollen schrittweise auf die beteiligten Gemeinden verteilt werden: Mit dabei der Tell’sche Apfelschuss, der Adamsapfel und „der wohl wertvollste Apfel unserer Zeit“, womit der amerikanische Technologiekonzern gemeint ist. Auch die Herkunft apfeliger Redewendungen taucht am Wegesrand auf: „In den sauren Apfel beißen“, „du kannst mich nicht veräppeln“ und „der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“.

„Keine Umweltpädagogik“, sagen die Planer zum Ansinnen der Tafeln. Sie solle informativ und unterhaltsam den für die Landschaft „identitätsprägenden Apfel“ in den Mittelpunkt stellen. Die erste Tafel behandelt den Reichsapfel, der den mitwandernden Backnanger Oberbürgermeister Frank Nopper zu einem Hinweis auf das Backnanger Stadtwappen verleitet und Professor Sigurd Henne sogleich zu einem weiteren Ziel des Weges führt: Die Gemeinden werden hier „über Geschichten“ miteinander verbunden. Loswandern könne man überall, sagt zur Begrüßung die Regionaldirektorin Dr. Nicola Schelling. Es sei bestimmt toll, auf einen 3000er zu steigen, so Schelling, doch Ausblicke gebe es auch hier.

Zurück am Sportpark geht das Fest nach dem Märschle mit Blasmusik des Musikvereins Unterweissach, Bewirtung durch die Berg- und Wanderfreunde und gut gelaunten Festgästen weiter. Dass das Einkehren fast so wichtig ist wie das Loslaufen, merkt ein Mitwanderer aus Allmersbach zum neuen Wegekonzept befragt an: „Die Vernetzung der Gegend mit Tipps für Einkehrmöglichkeiten macht das Wandern doch erst interessant.“ Das `s Äpple ist eine Gemeinschaftsleistung: Der Verband Region Stuttgart hat den Masterplan Murr-Bottwartal angestoßen und mit 125000 Euro gefördert. Die beteiligten Gemeinden haben ihn erarbeitet. Auf dem Areal wird sich während des Sommers einiges tun. „Aus einer Sportplatzbrache wird ein Sporterlebnispark“ kündigt Nicola Schelling an.