29.10.2012400 Jahre Gänseordnung: Viele Besucher beim Gänsemarkt in der Stadt

Der 26. Gänsemarkt gestern hatte etwas von Straßenfest- und Weihnachtsmarktatmosphäre zugleich -- tolle Stimmung in der Stadt, zahlreiche Besucher und meist zufriedene Geschäftsleute. Bereits die Eröffnung mit dem Kabarettisten Christoph Sonntag war ein voller Erfolg. Zum Jubiläum 400 Jahre Gänseordnung verteilte OB Nopper 400 Gänse.

Text: Florian Muhl
Fotos: Edgar Layher

BACKNANG. Ob Christoph Sonntag das Zugpferd war, das so viele Besucher zur Eröffnung vor die Bühne auf dem Marktplatz lockte, konnte Dr. Frank Nopper nicht sagen. Aber der Oberbürgermeister vermutete es. Jedenfalls war's für ihn gestern die beste Eröffnungsveranstaltung seiner Zeit. Auf knapp 800 Bürger kam er bei einer überschlägigen Zählung. So viele hatten nicht nur ihn gesehen, der in der Tracht eines Magistrats, eines Bürgermeisters aus dem 17. Jahrhundert, die Bühne erklomm. Sondern so viele Gänsemarktgäste freuten sich auch auf die kabarettistischen Einlagen von Sonntag. Der Wortakrobat ließ tatsächlich kein aktuelles Ereignis aus, und pfefferte eine freche Spitze nach der anderen ins Publikum, um Lacher an Lacher zu erzeugen. Italiens Medien-Zar Berlusconi beispielsweise, "wisst ihr des, dass der singt?" fragte er sein Publikum, um dann den neuesten CD-Titel zu verraten: "Bunga Bunga in Sing Sing."
Selbst Nopper verschonte er nicht. Zunächst erinnerte Sonntag an die Anfänge des Gänsekriegs, an die widerborstigen Weiber, die damals dem Bürgermeister getrotzt hätten. "Und wie Nopper gerade drein guckt, ist's auch heute noch so."
Aber die Backnanger könnten froh sein, dass der OB nicht nach Stuttgart abgewandert ist. Jetzt haben die den Kuhn. Nopper bezeichnete er als den bestaussehenden OB im Umkreis von 100 Kilometern. Nopper lachte. Aber nicht lange. Denn Sonntag zog nach: "Ich habe nicht gesagt, der fleißigste." Sonntag beobachtete dabei die Medienvertreter. Die schrieben mit. Heute sei's ja so, dass man den Pressesprecher bei den Medien anrufen lasse. "Haben Sie einen Pressesprecher?" fragte Sonntag. Und ohne eine Antwort abzuwarten setzte es gleich die nächste verbale Watschn: "Nein, der Nopper schwätzt selbst. Mit der Gosch kann man selber schwätzen."
Angekündigt war auch Thomas Weber vom KABIriNETT. So stand's jedenfalls in den Gänsemarkt-Flyern der Stadt geschrieben und auch im Programm der BKZ-Sonderveröffentlichung. Doch da hätte es nicht stehen sollen, ein bedauerlicher Irrtum. Weber hatte zwar im vergangenen Jahr als Festredner Wendelin mit Humor, Witz und vielen frechen Sprüchen die geschichtlichen Hintergründen des Backnanger Gänsekriegs erklärt. Aber in diesem Jahr war sein Auftritt nicht geplant. Eine Zeitungsente also, um nicht von einer Zeitungsgans zu sprechen, für die sich alle daran Beteiligten bei Stadt und BKZ entschuldigen.
Nach der offiziellen Eröffnung wurde dann die Bühne freigegeben. Zunächst für Renate Großmann vom Galli Theater, die im Alleingang und -tanz Dornröschen spielte, dann für die Rock 'n' Roll-Tänzer der Rocking Turtles, die Lohkästrampler, die Mädchen und Jungen vom Showteam der TSG Turnen sowie das Tanzteam, die orientalischen Tänzerinnen von Leela Sultana sowie die Tänzerinnen der Ballettschule Rüter. Hut ab, denn an einem Tag, an dem das Thermometer kaum die Fünf-Grad-Marke übersprang, zeigten die meisten Tänzer keine Scheu, sich in ihrer teilweise sehr spärlichen Bekleidung zu präsentieren.
Kein Wunder war's bei solchen Temperaturen, dass die Glühwein-Verkäufer ein gutes Geschäft machten. Aber auch an anderen Ständen bildeten sich lange Schlangen, besonders dort, wo's die leckeren Langos gab.
Nach einem Durchgang durch die Stadt mit OB Nopper und der 1. Vorsitzenden des Stadtmarketingvereins, Sigrid Göttlich, zog Carola Haas ein durchweg positives Fazit. Es war die erste große Veranstaltung der neuen Stadtmarketing-Managerin. "Die Grundstimmung war gut, es gab eine hohe Besucher-Frequenz in der Innenstadt", sagte Haas. Die meisten Geschäftsleute seien zufrieden gewesen, hätten die Note gut verteilt, einige Einzelhändler sogar sehr gut. Nach unten reichte die Benotungsskala bis zur Note "noch befriedigend". Haas: "Die ganze Bandbreite war dabei."