Hartes Training für waidgerechte Jagd

Jäger sind auf die Hilfe von Hunden angewiesen – Jagdhundeschule Backnang kümmert sich um die solide Ausbildung

Guter Hund, er bringt das Kaninchen zurück. Bis das Team Mensch/Hund richtig harmoniert, ist viel Üben angesagt. Foto: privat

Von Ute Gruber

BACKNANG. Grillen zirpen in der abendlichen Sonne, es duftet nach Heu. Auf einer abgemähten Wiese oberhalb von Großerlach gehen Hunde im Kreis, kleine, große. Schön bei Fuß ihres Herrchens oder Frauchens, bei deren Kleidung allerdings die Farbe Grün auffällig überwiegt. „Sitz!“, „Platz!“, „Bleib!“, wie man es aus jeder Hundeschule kennt. Die Gruppe der Kreisjägervereinigung Backnang trainiert für die Jagdhundeprüfung.

Grundgehorsam ist auch hier die Basis für eine feste Beziehung zwischen Hund und Mensch. Dann aber wird es schnell speziell, denn nun kommt das mitgeführte Gewehr zum Einsatz: Schussfestigkeit heißt die erste Trainingseinheit. Der Hund darf sich durch den lauten Knall (in die Luft) in seiner aktuellen Tätigkeit nicht beirren lassen. Und dann ist der Befehl „Platz!“ oder sogar „Down!“ – mit eingezogenem Kopf – auf einmal überlebenswichtig: Nur so kann der Jäger sicher sein, dass ihm sein Hund nicht in die Schussbahn gerät...Selbstschutz als primäre Aufgabe.

Auch der Befehl „bleib“ (bei der Ausrüstung) kann sehr nützlich sein: Erzählt wird die Anekdote vom hartnäckigen Dackel, welcher nach drei Stunden immer noch nicht wieder aus dem Fuchsbau herausgekommen war. Der Kaffee war längst getrunken, die Zeitung schon zweimal gelesen. Da beschloss man, Herrchens Jacke vor dem Eingang liegen zu lassen und ging heim. Bingo: Am nächsten Morgen lag brav das Hundetier darauf und wartete.

Nur ein geprüfter Hund

ist versichert

Nach der Schussfestigkeit kommen die beliebteren Übungen mit der sogenannten Haarwildschleppe: Ein totes Kaninchen – gut abgehangen von wegen der besseren Geruchsbildung – wird über den Boden gezogen und außer Sichtweite abgelegt. Der Hund soll der Spur folgen und die Beute zurückbringen. Weimaraner Hündin Demi kann kaum erwarten, bis sie dran ist. Ihr Besitzer hat alle Hände voll zu tun, sie ruhig zu halten: „Die ist so scharf auf Wild, ich muss die immer bremsen. Sonst schafft die mir die Prüfung nicht.“ Die Jagdhundeprüfung aber ist ein Muss: „Das hat rechtliche Gründe“, erläutert Hundeobmann Lothar Glass, der die Apportierarbeit mit dem Niederwild leitet, „nur ein geprüfter Hund ist versichert“.

Kontrolle ist das A und O in der Ausbildung. „Ein Hund, der außer Kontrolle gerät, ist eine Gefahr für sich und andere“, erklärt eindringlich Frank Staita. Was übrigens nicht nur für Jagdhunde gilt. Staita leitet zeitgleich ein paar Kilometer weiter im Wald bei Sulzbach an der Murr die Übungen zur sogenannten Schweißarbeit. Notabene: Mag das Hinterhertraben hinter dem begeistert suchenden Hund für den betreffenden Jäger mitunter auch schweißtreibend sein, ist hier mit Schweiß allerdings die Blutspur eines verwundeten, größeren Tieres gemeint. Einer der vielen irreführenden Fachbegriffe der Jäger, im Volksmund gern als ‚Jägerlatein‘ bezeichnet. Auch für Autofahrer eine nützliche Fähigkeit übrigens, die Schweißarbeit: Zum Beispiel, um nach einem angefahrenen Reh zu suchen. Der nächtliche Anruf der Polizei mag dabei den Hund mehr erfreuen als den zuständigen Jäger...

Endlich darf jetzt Demi loslegen: „Such verloren! Apport!“ Den Riecher dicht am Boden pflügt die silbergraue, muskulöse Hündin hektisch schnüffelnd durch das hohe Gras. Findet problemlos das leblose Langohr und liefert es bei Herrchen ab.

Das ist die wahre Bestimmung der Erben des Raubtieres Wolfes: Ein Beutetier verfolgen, erlegen, heimschleppen zu seinen Jungen im Bau, das liegt auch unseren Hunden in den Genen. Eine Tatsache, die von manchen Tierliebhabern heutzutage gern ignoriert wird. In Jahrtausenden der Zuchtauswahl hat der Mensch sein Lieblingstier schließlich immer wieder den eigenen Bedürfnissen angepasst. Aber ob je ein Vegetarier daraus wird?

Der Hund ist das älteste Haustier des Menschen, domestiziert lange bevor der Mensch überhaupt in Häusern wohnte. Wie die umherziehenden Steinzeitmenschen auf den Hund gekommen sind, liegt im Dunklen. Vielleicht hat vor Jahrtausenden ein einsamer Wolf einer Jägerhorde ein Stück Wild zugetrieben, die ihm dann in einem Anfall von dankbarer Anerkennung von der Beute abgab. Jedenfalls hat sich aus den ursprünglichen Nahrungskonkurrenten eine Symbiose entwickelt, ein Dream-Team der Jagd sozusagen: Der Wolf/Hund bringt seinen hervorragenden Geruchssinn, sein Gehör und seine Ausdauer ein, der Mensch seine Weitsicht und seine überlegenen Waffen. „Eine waidgerechte (also schonende) Jagd ist ohne Hund nicht möglich“, ist sich Jagdschulleiter Konrad Dolderer sicher. Auch heute noch.

Vom Nahrungskonkurrent

zur Symbiose

Bis das Dream-Team richtig harmoniert, ist allerdings „Üben, Üben, Üben“ angesagt, wie Lothar Glass bekräftigt. Als Nächstes ist das Federwild dran. Mit hohen Gummistiefeln watet der Hundeobmann ins trübe Nass eines lauschigen Waldweihers und wirft die mitgebrachte Ente (aus dem Gefrierfach) ins stille Wasser, dorthin wo es am tiefsten ist. Ungerupft versteht sich, damit sie nicht untergeht. „Warte aber, bis ich wieder draußen bin.“, bittet er Jägerin Veronika Dolderer: „Ich bin schon genug nass.“ Dann stürzt sich Deutsch-Drahthaar Rüde Vargas begeistert planschend in die rauschenden Fluten und zieht seine Bahn. Die Ente hat er allerdings übersehen. Nachdem er sich kräftig das Wasser aus dem Fell geschüttelt hat, wird er noch einmal los geschickt, diesmal wirft ihm Glass kleine Steine auf den richtigen Weg voraus: Eine Ente? Wo denn? Ah, jetzt, ja! Das Federvieh im Maul paddelt er zurück und liefert ordnungsgemäß ab.

Und wenn nun einer die Übungsente nicht wiederbringt? Die wird schließlich noch gebraucht! „Dann muss ich selber rein“, erklärt augenzwinkernd der Trainingsleiter. „Aber deshalb fange ich ja mit den Anfängern an und höre mit den Profis auf.“