Gehirntraining durch Bewegung

Backnanger Bildungsgespräche: Sportwissenschaftler Ben Blümle stellt im Backnanger Bürgerhaus sein Programm „Headfit“ vor

Im Leistungssport wird die Methode „Gehirntraining durch Bewegung“ schon länger angewandt. Dass auch Schüler durch Sport und Spaß leichter lernen, zeigte Ben Blümle am Dienstagabend im Backnanger Bürgerhaus. Der Sportwissenschaftler präsentierte im Rahmen der Backnanger Bildungsgespräche nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch praktische Übungen.

Referent Ben Blümle spreizt seinen rechten Zeigefinger und linken Daumen beziehungsweise linken Zeigefinger und rechten Daumen im Wechsel ab. Mit dieser und weiteren Übungen mit kognitiven Aufgaben demonstrierte der Sportwissenschaftler, wie man sein Gehirn trainieren kann. Foto: A. Becher

Von Florian Muhl

BACKNANG. Viel gelacht wurde an diesem Abend. Die rund 70 Zuhörer hatten reichlich Spaß beim Vortrag im Fritz-Schweizer-Saal. Denn es war für alle verblüffend, wie scheinbar simple Bewegungsübungen doch zu einer großen Herausforderung gerieten. Ben Blümle startet gleich mit einer praktischen Aufgabe in seinen Vortrag: Arme nach vorne, gleichzeitig rechten Zeigefinger und linken Daumen ausstrecken, jetzt wechseln und gleichzeitig den rechten Daumen und den linken Zeigefinger ausstrecken, und diese Bewegung immer im Wechsel. Gar nicht so einfach. Es sollte aber noch anspruchsvoller werden. Dazu später.

„Sie gehen durch die Stadt, begegnen einer Person, die Sie kennen, aber Ihnen fällt partout der Name nicht ein.“ Dieses Phänomen, so der gebürtige Winnender, sei wohl jedem bekannt. Gespeicherte Daten lassen sich in dem Moment, in dem man sie braucht, nicht abrufen. Anderes Beispiel: Für die Prüfung bestens vorbereitet. Dann kommt eine „falsche“ Frage – plötzlich weiß man gar nichts mehr. Blackout. Alles wie gelöscht.

„Die gute Nachricht: Wir können etwas dagegen tun“, sagt Blümle. „Wir können unser Gehirn trainieren.“ Mehr noch: Es ist ausbaufähig. „Wir können Synapsen neu entwickeln“, erklärt der 38-Jährige. „Je größer das Netz im Gehirn, desto besser können dort Informationen fließen.“ Die Lösung: Auf sportliche und spielerische Art schaffen „neuartige Bewegungsherausforderungen, gepaart mit verschiedenen kognitiven Aufgaben, neue Verbindungen zwischen den Gehirnzellen, woraus eine bessere Arbeitsfähigkeit des Gehirns resultiert“, sagt der ehemalige Kicker der TSG Backnang. Der sportliche Leiter der Stuttgarter Firma Schwabensport Management präsentiert seinem Publikum die nächste Übung aus seinem speziellen Trainingsprogramm „Headfit“. Blümle gibt Kommandos. Bei eins müssen sich die Zuschauer nach hinten beugen, bei zwei nach vorne, bei drei nach rechts und bei vier nach links. Die Zahlen sagt der ehemalige Jugendfußballtrainer zunächst langsam auf, wird dann immer schneller. 2-4-3-3-1-2-4-3-und so weiter.

Viele, die zunächst gut mitkommen, müssen plötzlich dann doch überlegen und geraten so aus dem Takt. Dann setzt Blümle noch eins drauf, bringt Farben ins Spiel. Wenn er rot zeigt, müssen sich die Probanden nach vorne beugen, bei weiß nach hinten, blau steht für rechts und gelb für links. Kniffelig ist’s. blau-rot-weiß-rot-gelb... Frei nach dem Spruch: „Einer geht noch“ wird’s jetzt noch komplizierter. Der Gehirntrainer wirft jetzt Zahlen und Farben in einen Topf: 1-rot-gelb-3-4-weiß-blau. Jetzt ist wirklich für die meisten alles zu spät.

Blümle erklärt, warum. Jetzt müssen die beiden Gehirnhälften, die zahlenaffine und die gestalterische, zusammenarbeiten. Durch solche Übungen werde nicht nur die Gedächtnisleistung und die Merkfähigkeit verbessert, sondern auch der Stress reduziert, die Konzentration und die geistige Flexibilität gesteigert.

Blümle gibt seinem Publikum noch Tipps mit auf den Weg: „Machen Sie gewohnte Bewegungen und Abläufe einfach mal anders.“ So sollten sich Rechtshänder auch mal mit der linken Hand die Zähne putzen. Und: „Lesen Sie doch mal Ihre Zeitung von hinten nach vorn.“