E-Learning macht Wissen flexibel

Die Firma vimotion entwickelt internetbasierte Lernsysteme – Individualisiertes Lernen unabhängig von Ort und Zeit

Die Zeiten, als das Lernen mit der Schule beendet war, sind längst vorbei. Der rasante Wandel in der Arbeitswelt erfordert lebenslanges Lernen. Die Firma vimotion in Althütte entwickelt digitale Systeme, die Wissen speichern, verwalten und vermitteln. Ziel ist eine größere Effektivität und Flexibilität im Umgang mit immer komplexer werdenden Themen.

Wenn die Kreativität Pause hat, schnappt er sich den Rucksack und macht eine Tour durch den Wald: vimotion-Chef Harald Grübele. Foto: A. Becher

Von Annette Hohnerlein

ALTHÜTTE. „Digitale Formen demokratisieren die Bildung“, sagt Harald Grübele, Geschäftsführer von vimotion. Er zeigt ein Video mit einem Beispiel: Das 11-jährige Mädchen Khadija aus Pakistan belegte einen kostenlosen Online-Kurs über künstliche Intelligenz an der amerikanischen Eliteuniversität Stanford. Sie bestand die Prüfung – zusammen mit 23000 anderen Online-Absolventen weltweit. Das Überraschende: 412 der Online-Teilnehmer schlossen besser ab als der beste Stanford-Student. Aber das digitalisierte Lernen führt nicht nur zu mehr Chancengleichheit. Es macht die Wissensvermittlung auch flexibler und effektiver.

vimotion gibt seinen Kunden Lernsysteme an die Hand, mit denen diese ihre Mitarbeiter wissensmäßig up to date halten können. Dabei passen sich die Angebote dem individuellen Wissensstand des Teilnehmers an. Und dieses maßgeschneiderte Lernen führt zu besseren Ergebnissen. Das Gießkannenprinzip des herkömmlichen Frontalunterrichts ist passé. Eine Erkenntnis, die im Übrigen auch im Konzept der Gemeinschaftsschulen Eingang findet.

Die Firma vimotion gehört zum Kernteam von ILIAS, einer Plattform für Wissensmanagement, mit der an vielen Universitäten gearbeitet wird. ILIAS ist eine Art digitales Regalsystem, das dem Lernen, der Kooperation und der Wissensdokumentation und -archivierung dient. Dieses System in die Firma seines Kunden einzupassen, ist Aufgabe von Harald Grübele und seinen 15 Mitarbeitern.

Damit ist Lernen nicht mehr räumlich und zeitlich gebunden. Wenn während der Arbeit ein Problem auftritt, kann der Mitarbeiter über ILIAS Wissen jederzeit und überall abrufen. Dieses arbeitsplatzgebundene Lernen ist eine der Anwendungen, Weiterbildungen und Schulungen eine andere. Heißt das, dass Lernen mit digitalen Methoden eine einsame Sache ist? Nein, sagt Grübele. Seine Produkte unterstützen zahlreiche Kommunikationswerkzeuge wie Chats, Mails oder Videokonferenzen, mit denen die Akteure in engem Kontakt miteinander stehen, um sich gegenseitig zu unterstützen oder gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten. Durch eine solche Vernetzung können zum Beispiel immer komplexer werdende Abläufe besser beherrscht werden. Und so werden Fähigkeiten wie Kommunikations- und Teamfähigkeit oder Kompromissbereitschaft geschult.

Ein wichtiges Motivationsprinzip, das jeder gute Lehrer kennt, wird auch bei vimotion berücksichtigt: Wer mit Spaß bei der Sache ist, lernt besser. Dieser Aspekt kommt etwa bei der Aufbereitung der Lerninhalte, der sogenannten Contents, zum Tragen. „Die Werkzeuge sind so gestaltet, dass sie motivieren, weiterzumachen“, betont Grübele. Auch Aspekte des Daten- und Diebstahlschutzes sowie der IT-Sicherheit gehören zum Paket dazu.

Die Anfänge von vimotion liegen im Jahr 2000. Und in der Computeranimation. Die animierten Szenen des Jugendfilms „Herr der Diebe“ entstanden in Althütte. Seit 2008 haben sich Grübele und seine Mitarbeiter dem digitalen Lernen verschrieben. Die Kunden kommen aus ganz Deutschland und Westeuropa. In Kooperation mit dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport entwickelte vimotion den digitalen Weiterbildungscampus Baden-Württemberg, der mehrfach mit Preisen beim European E-Learning-Award ausgezeichnet wurde und 2017 Sieger in der Kategorie Infrastruktur ist. Mit diesem Instrument bekommen Weiterbildungsträger wie Volkshochschulen oder Bibliotheken die Möglichkeit, eine zentrale Infrastruktur zu nutzen und damit Angebote zur Verfügung zu stellen, mit denen eine einzelne Institution wirtschaftlich und organisatorisch überfordert wäre. So kann zum Beispiel die Volkshochschule in einem kleinen Ort Flüchtlingen die gleichen Online-Deutschkurse anbieten wie eine Großstadt-VHS.

Und wie kommt eine solche Hightech-Schmiede in die schwäbische Provinz? Dem Firmengründer Grübele, der in der Gemeinde Burgstetten aufgewachsen ist, hat es die schöne Landschaft rund um seine Wahlheimat Althütte angetan: „Hier kann man kreativ arbeiten“, sagt der 47-jährige Mathematiker.

Und wenn die Kreativität Pause hat, schnappt er sich den Rucksack und macht mit seiner Frau Christine, die als Teilzeitkraft im Unternehmen mitarbeitet, eine Tour durch den Schwäbischen Wald.