Fichter will sich die Fahrerei nicht antun

Abwehrspieler verlässt die TSG Backnang aus privaten und beruflichen Gründen und kickt nächste Saison für Normannia Gmünd

Dieser Abgang tut richtig weh. Fußball-Verbandsligist TSG Backnang muss künftig ohne Stephan Fichter auskommen, der aus privaten und beruflichen Gründen zum 1. FC Normannia Gmünd wechselt. Vorher will der Routinier aber noch dazu beitragen, dass es zwischen seinem alten und seinem neuen Verein nächste Saison kein Duell gibt. Dafür müssen die Roten den Oberliga-Aufstieg schaffen.

Verlässt die TSG Backnang im Sommer nach vier Jahren und ist künftig für Normannia Gmünd am Ball: Stephan Fichter (links).Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Eigentlich hatte Fichter noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2018, doch die Verantwortlichen wollten ihm keine Steine in den Weg legen. Sie konnten nämlich nachvollziehen, warum der Abwehrspieler seine Zelte in den Etzwiesen nach vier Jahren abbrechen wollte. Die Ehefrau des 29- Jährigen trat vor wenigen Monaten einen Job in Aalen an, er selbst konnte sich von seiner Firma von Schwieberdingen nach Schwäbisch Gmünd versetzen lassen, wo die Familie seit kurzer Zeit auch wohnt.

Fichter hätte mehrere Male pro Woche zwischen der Rems- und der Murr-Metropole pendeln müssen, diese Fahrerei wollte er sich nicht antun. „Die Entscheidung ist ihm spürbar schwer gefallen“, hat Marc Erdmann registriert und glaubt, „dass ein Wechsel für Stephan niemals infrage gekommen wäre, wären die Umstände nicht so, wie sie sind.“ Das TSG-Vorstandsmitglied äußert Verständnis, dass Familie und Beruf „oberste Priorität haben. Daher haben wir unsere Vereinsbrille abgesetzt und Eigeninteressen hintangestellt“. Schweren Herzens stimmte der Verbandsliga-Zweite der vorzeitigen Trennung zu, auch die Modalitäten mit der Normannia sind geklärt. „Wir werden ihm nicht nur eine Träne nachweinen. Er ist sportlich und menschlich ein großer Verlust“, sagt Erdmann. Die Worte des Funktionärs unterstreicht auch der Trainer, zumal Stephan Fichter für Markus Lang nicht nur ein Leistungsträger, ein sicherer Elfmeterschütze und der stellvertretende Kapitän ist, sondern auch „eine Vertrauensperson. Er gehört zu den letzten drei Mohikanern, die bereits hier waren, als ich in den Etzwiesen angefangen habe“. Das war 2013, die beiden anderen treuen Weggefährten des Trainers sind Mario Marinic und Oguzhan Biyik.

Für die TSG war’s wichtig, dass Fichter die Verantwortlichen frühzeitig unterrichtet hatte. Fortan hielten sie die Augen offen und konnten mit Marcel Friz vom Ligarivalen VfB Neckarrems auch schon einen Spieler holen, dem zugetraut wird, als Rechtsverteidiger in Fichters Fußstapfen zu treten (wir berichteten). „Er ist ein etwas anderer Spielertyp“, erklärt Erdmann. „Er lebt von der Dynamik, bringt eine hohe Geschwindigkeit mit und kann auf der rechten Außenbahn auch eine Position weiter vorne spielen“, präzisiert Lang.

Neben Friz stehen bei der TSG für die neue Saison auch bereits wichtige Stützpfeiler wie Sebastian Gleißner, Mario Marinic, Marius Jurczyk, Julian Geldner, Benito Baez-Ayala, Athanasios Coutroumpas oder der momentan verletzte Torwart Paul Kruse unter Vertrag. Zu den Spielern, deren Kontrakte im Sommer enden, gehört Kapitän Oguzhan Biyik. „Wir sind in Gesprächen und wollen mit ihm verlängern“, verkündet Marc Erdmann. Weil der Kader künftig aber nur noch 18 bis 20 statt wie bislang 21 Spieler inklusive zweier Torhüter umfassen und mehr von Qualität statt von Quantität geprägt sein soll, braucht man kein Rechengenie zu sein, um festzustellen: Nicht alle Verträge dürften verlängert werden. „Der eine oder andere kann sich im restlichen Saisonverlauf empfehlen und beweisen“, betont Erdmann. Zudem wolle man die Talente verstärkt über das Bezirksligateam heranführen. Die Kaderplanung ist also längst nicht beendet, zumal sich die TSG neben der Verbandsliga auch für die Oberliga wappnen muss. Für Fichter wäre der Aufstieg der perfekte Abschied nach vier erfolgreichen Jahren.