S4 rollt wieder bis nach Backnang

Fahrgäste sind erleichtert: Nach dem Einbau der Eisenbahnbrücke über die B14 fährt die S-Bahn wieder fahrplanmäßig

Nach einem halben Jahr Pause fährt die S4 seit gestern wieder von und bis Backnang. Nach Einbau der neuen Brücke über die B14 ist die S-Bahn wieder fahrplanmäßig im Einsatz. Vor allem Pendler sind froh, dass alles wieder in gewohnten Bahnen rollt.

Seit gestern fährt die S4 wieder planmäßig von der Haltestelle Stuttgart-Schwabstraße über Ludwigsburg bis nach Backnang und zurück. Foto: E. Layher

Von Sarah Schwellinger

BACKNANG. Zur Freude vieler Bahnfahrer fährt die S4 seit Betriebsbeginn gestern Morgen wieder bis nach Backnang. Wie mehrfach berichtet, hatte ein Lkw im September vergangenen Jahres die Brücke auf der Strecke zwischen Backnang und Burgstall so stark beschädigt, dass sie ausgetauscht werden musste. Deshalb endete die S4 bereits in Burgstall und wurde zwischen Burgstall und Backnang durch Busse ersetzt. Damit ist jetzt Schluss. Vor allem für Pendler Richtung Ludwigsburg ist das eine große Erleichterung. So auch für Lena Kreder aus Murrhardt, die an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg studiert: „Zum Glück fährt die S4 wieder, das ist schon eine große Erleichterung.“ Während die Brücke repariert wurde, hat eine Gruppe mehrerer Studenten eine Fahrgemeinschaft gebildet. „Von Murrhardt nach Backnang, dann in die Ersatzbusse und dann mit der S-Bahn weiter? Das ist schon sehr umständlich. Deshalb sind wir immer mit dem Auto bis nach Burgstall gefahren.“

Auch für Michel Saalbach, der jeden Tag aus Benningen am Neckar nach Backnang muss, ist die Fahrt zur Arbeit wieder angenehm. „Es ist großartig. Immerhin läuft jetzt wieder alles nach Standard. Wenn jetzt noch mehr Busse in die Industriegebiete fahren, dann wären die öffentlichen Verkehrsmittel eine echte Alternative zum Individualverkehr. Von einem der teuersten Verbunde Deutschlands erwartet man schon, dass der Verkehr läuft.“ Der Ersatzverkehr mit Bussen hatte für Pendler nicht nur den Nachteil, dass man öfter umsteigen musste, sondern hat auch für Verzögerungen gesorgt. Bei allen, die am Bahnhof dann auf Anschlussbusse oder -züge angewiesen sind, konnte das zu Wartezeiten führen. „Ich habe am Backnanger Bahnhof nur eine Minute, um von der S-Bahn in den Bus umzusteigen“, erklärt Saalbach. Sollte da mit der S-Bahn etwas schiefgehen, wartet er weitere 30 Minuten auf den nächsten Bus. Der Schienenersatzverkehr mit Bussen hat einige dazu veranlasst, dann doch wieder das Auto zu nehmen. So wie auch Alexander Maier, der mindestens einmal pro Woche von Kirchberg an der Murr nach Backnang muss. „Während der Bauarbeiten der Brücke wollte ich eigentlich das Auto nehmen. Doch das hat leider den Geist aufgegeben“, sagt er missmutig. „Und dann diese Umsteigerei – das ist so mühsam und umständlich.“ Erst gerade habe er bemerkt, dass nun wieder „Backnang“ auf der Anzeige am Gleis steht. „Fährt die wirklich wieder ganz durch?“, fragt er ungläubig. „Na endlich ist wieder Schluss mit dem Hickhack.“

Die neue Brücke ist
nur ein Provisorium

Doch nicht nur für Pendler im alltäglichen Berufsverkehr ist die Fahrt der S4 eine Erleichterung. Rentnerin Brigitte Straub aus Marbach am Neckar hat vor Kurzem einen Bericht über Backnang und die Kultur gelesen. „Der Artikel war für mich ein Anreiz, mal wieder nach Backnang zu kommen und mir die Stadt mal ganz genau anzusehen.“ Doch für Brigitte Straub war klar, dass sie das erst macht, wenn die S4 wieder durchfährt. „Das mit dem Umsteigen ist mir dann doch zu umständlich. Und ich hätte kein besseres Wetter für einen Backnang-Besuch erwischen können, als heute“, sagt die Rentnerin und lacht. Strahlender Sonnenschein durchflutet die S-Bahn-Abteile. Alles ist wie einst, als wäre nichts gewesen. Die Bahn rattert in Backnang los und überquert kurz darauf auch schon die neue Brücke. Aus der Bahn sieht man kaum einen Unterschied zu vorher, nur die geparkten Fahrzeuge der Deutschen Bahn erinnern daran, dass hier eine größere Baustelle war.

Ende Februar war die Ersatzbrücke eingesetzt worden, die Gleise wurden angepasst und die Oberleitung wieder aufgebaut. Nach einem halben Jahr Pause kann die Bahnstrecke nun wieder voll genutzt werden. Die neue Brücke ist jedoch nur eine Ersatzbrücke für begrenzte Zeit. Wegen der langen Planungs-, Prüfungs- und Vorlaufzeit wird das Provisorium nun für mindestens zwei Jahre dort stehen, bevor die endgültige Brücke montiert wird. Denn von den ersten Plänen bis zum tatsächlichen Bau rechnet das Regierungspräsidium mit einem Zeitraum von mindestens zwei Jahren.