Bund kann schneller bauen als das Land

Abgeordnete fordern, den Autobahnzubringer Backnang–Mundelsheim zur Bundesstraße hochzustufen

In die Frage, ob der Autobahnzubringer zu einer Bundesstraße hochgestuft werden soll, ist Dynamik gekommen. Nachdem zuletzt Wilfried Klenk (CDU) einen entsprechenden Antrag beim Land gestellt hat, begrüßt auch Norbert Barthle das Ansinnen seines Parteikollegen. Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium ist der Ansicht, der Ausbau des Zubringers könnte als Bundesstraße schneller verwirklicht werden, da der Bund derzeit ziemlich flüssig ist.

Einer der kritischsten Straßenabschnitte im gesamten Raum Backnang: Der Autobahnzubringer zwischen der Krähenbachkreuzung und der Abzweigung der Landesstraße1124 nach Marbach am Neckar. Der Ausbau der B14 wird das Problem noch verstärken. Foto: A. Becher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Erfreut hat der Verkehrsstaatssekretär und Bundestagsabgeordnete Norbert Barthle (CDU) auf die Initiative des Landtagsabgeordneten Wilfried Klenk reagiert, die L1115 zur Bundesstraße aufzustufen. „Ich freue mich wirklich, dass CDU und Grüne im Land bei dieser Frage einig sind, und werde alles tun, damit dieser Antrag Erfolg hat“, so Barthle. Bereits im Vorfeld habe er sich eng mit Klenk abgestimmt und auch mit der Straßenbauabteilung im Bundesverkehrsministerium konkrete Gespräche geführt, um zu erfahren, wie die Chancen für eine Hochstufung aussehen.

„Um die Ortslage von Großaspach herum sind vier Spuren erforderlich“

Nun erklärt Barthle: „In der Regel ist es Voraussetzung für die Hochstufung einer Landesstraße zur Bundesstraße, dass eine andere Bundesstraße abgestuft wird; nach einer solchen Möglichkeit lasse ich bereits suchen. Sobald der förmliche Antrag des Landes dann vorliegt, wird das Bundesverkehrsministerium mit Hochdruck an die Arbeit gehen und ich werde mich persönlich für ein positives Ergebnis einsetzen.“

Eine Bundesstraße muss abgestuft werden – auf Nachfrage stellt Barthle klar, dass es sich dabei nicht um die restliche B14 zwischen Backnang und Schwäbisch Hall handeln wird, „wir haben eine andere im Blick“. Allerdings müsse das Tauschangebot vom Land kommen. Der CDU-Politiker deutet an, dass eine Bundesstraße im Raum Nürtingen im Gespräch sei.

Sollte der Autobahnzubringer den Sprung in die Bundesstraßen-Liga schaffen, muss das nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Straße auch vierspurig ausgebaut wird. „Da kann man heute noch gar nichts sagen, das ist Sache der Verkehrsplaner. Grundsätzlich gilt: Die Straße muss eine leistungsfähige Achse sein.“ Barthle ist jedoch überzeugt davon, dass das Projekt bei einer Hochstufung schneller realisiert wird, „denn wir wollen Straßen bauen, das ist bei der Landesregierung nicht immer der Fall“. Auch beim Thema Finanzierung, sonst die höchste Hürde, ist Barthle optimistisch gestimmt: „Wir haben einen Investitionshochlauf und dadurch deutlich höhere Spielräume als das Land.“

Die Tatsache, dass die Verbindung bis jetzt gar nicht im Bundesverkehrswegeplan vertreten ist, bereitet Barthle kein Kopfzerbrechen: „Das ist kein Problem. Die Investitionsrahmenpläne werden alle fünf Jahre neu erstellt, in einen solchen kann man die Maßnahme reinschieben.“

Aspachs Bürgermeister Hans-Jörg Weinbrenner ist von den Berliner Tönen überrascht, „bisher hat bei einer möglichen Hochstufung doch immer der Bund gebremst“. Für Weinbrenner ist es letztendlich egal, welchen Status die Straße hat: „Hauptsache sie wird ausgebaut und ertüchtigt. Wer der Bauträger ist, ist nachrangig.“ Spätestens dann, wenn die B-14-Umfahrung von Backnang einmal fertig gebaut sein wird, zum Teil auch schon früher, rechnet Weinbrenner nochmals mit einer deutlichen Verkehrszunahme. „Der Zubringer kann dann den Verkehr nicht mehr aufnehmen, wodurch es zu einer Verdrängung in die Fläche, sprich in die Ortsdurchfahrt von Großaspach kommt.“

Auch bei der Zahl der Spuren will Weinbrenner sich nicht auf eine Forderung festlegen, „hauptsächlich die Straße funktioniert“. Sagt er, und differenziert dann doch: „Ich könnte mir vorstellen, dass durch den Hardtwald drei Spuren ausreichen. Aber um die Ortslage von Großaspach sind vier Spuren dringend erforderlich, allein schon wegen der Ein- und Ausfahrten.“

Aufgrund der Verkehrsbelastung fordert Weinbrenner ferner, die Reihenfolge des Ausbaus an die Verhältnisse anzupassen. Derzeit ist nur der mittlere Abschnitt – die Umfahrung von Großbottwar – im Planfeststellungsverfahren. Dabei ist Weinbrenners Ansicht nach die Umfahrung von Großaspach viel wichtiger. Knapp 30000 Fahrzeuge sind täglich auf dem Abschnitt zwischen der Backnanger Krähenbachkreuzung und der Abzweigung der L1124 nach Marbach unterwegs. Zum Vergleich: Die Umfahrung Großbottwar benutzen nur etwa 10000 Fahrzeuge. Weinbrenner: „Wir haben den meisten Verkehr, die meisten Staus und keinen Lärmschutz.“ Wenn die Hochstufung den Ausbau beschleunigen würde, „dann bin ich sehr dafür“, so der Aspacher Verwaltungschef.

Sein Kollege aus Großbottwar, Bürgermeister Ralf Zimmermann, verfolgt die Angelegenheit genau. „Ich sehe mit Sorge, dass der Verkehr auf der L1115 spätestens mit dem Ausbau der B14 stark zunehmen wird.“ Für ihn steht ganz offensichtlich der Lärmschutz im Vordergrund. „Es kann nicht sein, dass wir eine große Achse vor die Haustür bekommen, die uns nur Nachteile bringt.“ Sein Appell: „Bund und Land sollen sich Gedanken machen, wie sie der Stadt helfen können, der Lärmschutz muss höchste Priorität haben und vorab geklärt sein.“ So ist zum Beispiel eine Forderung der Storchenstadt, dass die neue Straße von der Kernstadt abrückt.

Für wie wichtig Norbert Barthle den Ausbau ansieht, das wird auch aus seiner abschließenden Einschätzung deutlich. So begründet er seinen Vorstoß: „Nach dem Ausbau der B14 bis zum Verteiler Backnang-West ist der verkehrsgerechte Ausbau bis zur Anschlussstelle Mundelsheim von wirklich zentraler Bedeutung für die ganze Raumschaft.“