Jäger sind auch Naturschützer

KJV-Sprecher Reiner Eblen informiert rund ums Jagdrecht – Vergabe vieler Jagdpachten findet am 1. April statt

Wer in Deutschland jagen möchte, benötigt nicht nur einen Jagdschein, sondern auch einen Begehungsschein bei einem Pächter oder eine Jagdpacht. Die Mindestpachtdauer beträgt im Altkreis Backnang meist neun Jahre. Am 1. April wird in den Bereichen der Hegeringe Sulzbach, Auenwald und Backnang neu verpachtet. Reiner Eblen, Pressesprecher der Kreisjägervereinigung Backnang, sagt, worauf es ankommt.

Reiner Eblen, Vorstandsmitglied der Kreisjägervereinigung Backnang, mit seiner treuen, zehn Jahre alten Begleiterin Aura. Foto: E. Layher

Von Florian Muhl

BACKNANG. Reiner Eblen ist, was das Jagen anbelangt, ein alter Hase. Seit 27 Jahren ist er Vorstandsmitglied in der Kreisjägervereinigung (KJV) Backnang, war 15 Jahre lang Schatzmeister, anschließend 10 Jahre Schriftführer, und seit der Vorstandswahl im vergangenen Jahr kümmert er sich als Verbands-, Behörden- und Pressesprecher um die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins.

Mit an der Seite des 53-Jährigen seine treue Begleiterin Aura. Als Welpe hat er die Deutsch-Kurzhaar-Hündin bekommen. Das ist jetzt knapp zehn Jahre her. „Die weicht mir nicht von der Seite, die ist bei der Jagd bei mir und auch im Büro hat sie ihren Platz“, sagt Eblen. Jagdhunde seien Rudeltiere und ein Rudel mit zwei Wesen sei ja etwas mickrig. „Da ist die Führerbeziehung schon extrem“, erklärt der Waidmann. Eblen kommt auf das neue Jagdgesetz zu sprechen, das vor ziemlich genau zwei Jahren eingeführt wurde. Das zeige jetzt seine ersten Auswirkungen. „Die Fuchsbestände knallen rauf, frei laufende Katzen werden mehr und die Bleifrei-Geschichte ist auch noch nicht ausgegoren“, man dürfe in Baden-Württemberg nur noch mit bleifreier Munition schießen. Und dann die Bürokratie: „Wenn man mal einen strengen Winter hat und füttern will – bis man da den Antrag durch hat, ist der Frost vorbei“, klagt Eblen. Die Erlaubnis zur Fütterung könne man nur erlangen, wenn man eine Konzeption erstellt mit Gründen und Angabe der Standorte und Art und Umfang der Fütterung, „da sind von zehn vielleicht drei durchgegangen, weil die anderen Formfehler hatten“, sagt Eblen. „Solche Sachen zeigen sich jetzt erst und machen unser Geschäft nicht leichter.“

„Von 2,50 bis 25 Euro pro Hektar reicht da bei uns die Spanne“

Zudem geht die Schere zwischen Ertrag, also den Einnahmen, die ein Jäger durch den Fleischverkauf hat, und den Ausgaben immer weiter auseinander, sagt Eblen. Bei den Kosten muss der Jäger zunächst die Pacht verbuchen. „Von 2,50 bis 25 Euro pro Hektar reicht da bei uns die Spanne.“ Zudem das steigende Wildschadenrisiko durch die Schwarzwildbesätze, deren Bejagung durch Einschränkungen der Jagd im neuen Gesetz deutlich erschwert worden sei. „Bei einem normalen Revier bei einem Schweinebesatz, den wir gerade haben, sind beispielsweise oben in Marhördt 1000 Euro im Jahr gar nichts.“ Nur in Murrhardt habe der Jäger eine Art Sicherheit. Denn in dieser Genossenschaft kann er aus der Jagdpacht aussteigen, sobald der Wildschaden die Höhe der Jagdpacht erreicht hat. „Die Murrhardter waren schon immer ein bisschen weiter, auch unter Einbeziehung der Landwirte“, meint Eblen. In anderen Jagdbezirken sträube man sich noch gegen die Deckelung. Da gäbe es Jagdgenossenschaften, da bekomme der Jäger ein Angebot vorgelegt nach dem Motto: „Friss oder stirb.“ Wenn der langjährige Jagdpächter nicht bereit dazu sei, das Risiko zu tragen, werde die Pacht eben öffentlich ausgeschrieben.

Keine Frage, das Jagen sei ein Hobby, für viele ein sehr intensives, und jedes Hobby koste Geld. „Der Jäger leistet aber darüber hinaus einen wichtigen Beitrag für den Umweltschutz“, sagt Eblen. Denn wenn der Waidmann Wildfleisch anbietet, müsse schon weniger Nutztierfleisch erzeugt werden. Somit sinke auch der CO2-Ausstoß nicht unerheblich. „Das ist schon eine Hausnummer, wie viel Eintritt wir für den Wald bezahlen, um dann auch noch den Naturschutz ehrenamtlich zu leisten.“ Der KJV-Sprecher hat anhand der Abschusszahlen im Altkreis Backnang eine Rechnung erstellt, bei der er Einnahmen und Ausgaben der Jäger gegenübergestellt hat. Eblen kommt auf einen Minusbetrag von rund 1200 Euro, den durchschnittlich jeder Pächter pro Jagdjahr bezahlen muss. Das unkalkulierbare Wildschadenrisiko sei bei dieser Berechnung allerdings noch gar nicht berücksichtigt.

Und wie wird man Jäger? „Man meldet sich bei einer Jagdschule an, beispielsweise bei der vereinseigenen Jagdschule in Backnang, ansonsten sind die Schulen dicht gestreut in Baden-Württemberg“, sagt Eblen, der seit einigen Jahren auch im Prüfungsausschuss sitzt.

Dieses Jahr sind’s 54 Prüflinge aus den Einzugsgebieten Backnang (25), Waiblingen und Ludwigsburg. Und ablegen darf man die Prüfung bereits mit 16 Jahren. Dann erhält man einen Jugendjagdschein. „Man muss dann in Begleitung jagen. Das ist wie betreutes Fahren.“ Der Kurs in Backnang beginnt im September, die Prüfung ist meist Ende April/Anfang Mai. Der Unterricht fängt an mit zwei Abenden pro Woche Theorie, im Spätherbst/Winter geht’s weiter mit Schießtraining bis zu zweimal pro Woche und dann kommt die Zwischenprüfung am Eschelhof. Bei der Abschlussprüfung wird zuerst geschossen, 100 Meter sitzend aufgelegt. „Wir achten zu 95 Prozent auf Sicherheit. Wer die nicht beachtet, ist raus aus der Schießprüfung und muss diese zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Das ist knallhart“, sagt Eblen. Danach kommt die schriftliche Prüfung im Rathaus Fellbach. Jeder Prüfling hat zwei Stunden Zeit für fünf Fächer. Im dritten Teil wird dann mündlich und praktisch geprüft; für fünf Fächer stehen jeweils 15 Minuten zur Verfügung. Hat der Prüfling alles bestanden, erhält er ein Zeugnis. Mit diesem kann er zur Jagdbehörde gehen und bekommt dann seinen Jagdschein. „Mit dem Jagdschein kann er gleich loslegen“, sagt der KJV-Sprecher. Aber erst drei Jahre später ist er jagdpachtfähig. Sucht er eine Jagdpacht, muss er sich bewerben und einen Pachtwechsel abwarten.

  Nach der Hauptversammlung der Kreisjägervereinigung Backnang, die am 8. April in der Festhalle in Murrhardt stattfindet, ist die Festhalle am Sonntag, 9. April, für die Bevölkerung mit Speis und Trank geöffnet. Gegen 11 Uhr werden dort von Hundeobmann Lothar Glass die gängigen Jagdhunderassen mit einer Vorführung verschiedener Qualifikationen vorgestellt. Alle heimischen Wildarten werden innerhalb eines Dioramas auf der Tribüne der Festhalle vorgestellt, alle Informationen rund um die Jagd werden vorgehalten. Die KJV-Jagdhornbläser umrahmen die Veranstaltung laufend mit Naturtönen aus den Jagdhörnern.