Tour-de-France-Flair in Backnang

Schlichenmaier-Teamkollege Yannik Steimle gewinnt zweite Etappe des Rems-Murr-Pokals – Rennunterbrechung wegen Unfalls

Tour-de-France-Flair in der Backnanger Innenstadt. Beim Radrennen im Rahmen des Rems-Murr-Pokals schossen den halben Tag große und kleine Radfahrer über Kopfsteinpflaster und Asphalt. Das Eliterennen gewann der Kemptener Yannik Steimle. Sein Teamkollege und Lokalmatador Tim Schlichenmaier fuhr als Sechster ins Ziel.

Sorgen für viel Bewegung in der Backnanger Innenstadt: Die Teilnehmer des Rems-Murr-Pokals, die fast 70-mal die Markstraße hoch hecheln, ehe Yannik Steimle gewinnt.Fotos: A. Becher

Von Katharina Klein

 

Es war ein ereignisreicher Samstag in der Backnanger Innenstadt. Oben auf dem Stiftshof erklangen die ersten Töne des Soundchecks mit Schlagersängerin Vanessa Mai, direkt darunter auf der Marktstraße fuhren sich die Teilnehmer des Eliterennens warm. Ein bisschen wirkte alles so, als wäre Silvesterlauf. Nur, dass es Sommer ist und die Sportler mit Fahrrädern unterwegs sind.

Im Rahmen des Rems-Murr-Pokals flitzten die Profis bereits am Freitag durch Schorndorf, gestern stand in Fellbach der Abschluss auf dem Plan. Zusammen mit dem Stopp in Backnang fuhren die Teilnehmer drei Tage hintereinander um Punkte. So ein Großevent an verschiedenen Orten verlangt dem Team rund um die Organisatoren einiges ab: „Wir sind über drei Tage mit 15 Helfern im Einsatz. Das bedeutet mega Stress“, berichtet Marc Sanwald, Radsport-Abteilungsleiter des TSV Schmiden, der mit Christian Schröder den Rems-Murr-Pokal organisiert. Nachdem sie und ihre Helfer am Freitagabend in Schorndorf alle Absperrgitter, Flatterbänder, Luftbögen, Bierbänke und Pavillons abgebaut und in einen LKW verstaut hatten, ging es tags drauf in Backnang Punkt 12 Uhr mit dem Aufbau wieder los. „Wir sind dem Wochenmarkt sehr dankbar, dass die so verständnisvoll sind. Es ist ein Geben und ein Nehmen und man hilft sich jedes Jahr gegenseitig“, freut sich Sanwald über die Kooperationsbereitschaft.

Bevor das Eliterennen über 45 Runden und (67,5 Kilometer) startete, traten beim Jedermann-Rennen Amateure in die Pedale und legten die selbe Strecke zurück. Die Kinder mussten deutlich weniger strampeln. Für die Sechs- bis Zehnjährigen stand eine Runde mit 1,5 Kilometern auf dem Plan, für die über Zehnjährigen zwei Runden, also drei Kilometer.

Punkt 16.30 Uhr war es dann für die Elite an der Zeit, sich in Startposition zu begeben. Vom Rathaus aus ging die Marktstraße hoch, beschallt von Vanessa Mais Soundcheck-Tönen rechts in die Kurve, noch ein Stück auf der Markstraße entlang, dann eine kurze Rechts-links-Schikane über den Schillerplatz in die Albertstraße hinein, über die Eduard-Breuninger-Straße zur Talstraße, dann bis zum Kreisverkehr und wieder die Marktstraße hoch. Diese Runde fuhr der spätere Sieger Yannik Steimle (RSC Kempten) mit 1:58 Minuten und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 45,5 Kilometern pro Stunde am schnellsten. Er war auch insgesamt am rasantesten unterwegs und benötigte für die 45 Runden 1:52 Stunden. Der Fahrer des Teams RSC Kempten gewann bereits am Freitag in Schorndorf. „Ich wusste, dass ich heute wieder gewinnen muss, wenn ich am Sonntag die Gesamtwertung gewinnen will“, fasst der Sieger zusammen, der sich bereits in den beiden Vorjahren den Gesamtsieg im Rems-Murr-Pokal gesichert hatte. Das Sprintertrikot bekam Florian Tenbruck (Racing Team Students). Das Intersport Bergtrikot sicherte sich Dario Rapps (RSC Kempten). Steimles Teamkollege Tim Schlichenmaier kämpfte sich im Laufe des Rennens immer weiter nach vorne und rollte schließlich als Sechster über die Ziellinie. Obwohl der 26-Jährige vergangenes Jahr in Backnang Zweiter war, ist er nicht betrübt über die schlechtere Platzierung: „Das Feld war von Anfang an brutal schnell. So schnell habe ich das in Backnang noch nie erlebt. Ich bin deshalb absolut nicht unzufrieden.“

Einen kleinen Schockmoment hatten er und der Rest des Feldes aber zu verkraften. Ein Auto missachtete an der Talstraße die Absperrung, fuhr entgegen der Fahrtrichtung und kollidierte mit zwei Radfahrern. Zum Glück kamen die Sportler mit leichten Blessuren davon. Das Rennen wurde kurzzeitig unterbrochen.

Lokalmatador Schlichenmaier

besonders motiviert

bei den Rennen vor der Haustür

Für Schlichenmaier sind die Rennen vor der Haustür besonders wichtig. Denn: „Viele kommen hauptsächlich wegen mir zum Zuschauen. Deshalb ist es mir wichtig, dass ich in Backnang eine gute Form habe“. In den nächsten Monaten stehen aber deutlich schwerere Rennen an. Erst geht’s zu einem 200-Kilometer-Rennen ins badische Bellheim, danach zum Dachauer Bergkriterium und dem 1001-Runden-Bahn-Rennen nach Öschelbronn. „Und dann geht es langsam aber sicher in die Pause,“ blickt Schlichenmaier voraus.

Für Marc Sanwald und seine Partner geht es indes bald schon an die Planung fürs nächste Jahr: „Der Termin wird auf den 4. August fallen und wir werden bestimmt gemeinsam mit Vanessa Mai eine super Lösung finden“, so Sanwald. Denn auch das Open Air der Schlagersängerin findet nächstes Jahr wieder am selben Tag statt. Für nette Töne wäre dann ja auf jeden Fall schon einmal gesorgt.