Paradehelm Tschako ist das Prunkstück

Roland Schreyer präsentiert im alten Rathaus in Großaspach in seiner Polizeisammlung exotische Mützen und Uniformen

Als Roland Schreyer im Juli 2010 sein Polizeimützenmuseum im alten Rathaus in Großaspach eröffnete, präsentierte er 350 Exponate. Die Sammlung ist inzwischen auf stolze 600 Mützen angewachsen. Neben teilweise recht wunderlichen Kreationen, die Ordnungshüter in aller Welt tragen, gibt es im Museum auch noch Sammlungen von Polizeimodellautos und Polizeiuniformen zu bestaunen.

Im Polizeimuseum von Roland Schreyer gibt es außer Mützen auch Polizeimodellautos und verschiedene Uniformen zu bestaunen. Foto: A. Becher

Von Renate Häußermann

 

ASPACH. Mit einem warnenden „Vorsicht“ begrüßt Roland Schreyer seine Besucher unterm Dach des historischen Rathauses. Die letzte Stufe der schmalen Holztreppe ist etwas höher als die anderen und somit eine Stolperfalle. Da wäre es doch peinlich, wenn die Gäste mit dem letzten beziehungsweise ersten Schritt ins Museum purzelten. Überhaupt sind die Verhältnisse beengt. Auf rund 30 Quadratmetern reihen und stapeln sich Kopfbedeckungen und Uniformen von Polizisten aus aller Herren Länder.
Roland Schreyer, im Backnanger Revier im Ermittlungsdienst für Betrug und Internetkriminalität zuständig, hat den Grundstein für seine Sammlung im Jahr 1990 gelegt. Unwissentlich freilich, denn er bekam von einem Kollegen ein Polizeimodellauto. Und als er selbiges zu Hause immer wieder in der Vitrine betrachtete, kam ihm stets der Gedanke: „Da fehlt noch was.“ So fand die erste Polizeimütze den Weg ins Hause Schreyer, und dann gab’s kein Halten mehr.
Anfangs klapperte er auf Urlaubsreisen im In- und Ausland noch die Polizeidienststellen ab und kam mitunter mit großzügigen Gaben der Kollegen zurück. Auf einer Börse erstand er dann seinen ersten Bobby, die typische Kopfbedeckung der Londoner Kollegen, für 60 Mark. Und schließlich wurde seine Sammlerleidenschaft durchs Internet immer mehr unterstützt. Exponate aus dem hintersten Winkel der großen, weiten Welt finden jetzt Einzug unterm Dach des alten Großaspacher Rathauses.
Der handwerklich begabte Polizeikommissar bestückt die selbst gebauten Regale nicht nur mit Mützen und Helmen. Dazwischen finden auch noch Modellautos Platz, niedliche Teddybären mit witziger Bekleidung und Comicfiguren – alles auf die Polizei gemünzt. Als Prunkstück seiner Sammlung bezeichnet er den Tschako, diese Kopfbedeckung trugen deutsche Polizisten von 1918 bis in die Mitte der 1960er-Jahre. Als die englische Königin Elizabeth II. 1965 Deutschland besuchte, wurden eigens für die Ehrenformation der Polizei 230 Tschakos angefertigt. Einer dieser begehrten Paradehelme hat nun seinen Platz im Aspacher Museum. Einen „höheren dreistelligen Betrag“ hat Schreyer dafür investiert, und sagt: „Wer diesen Helm heute hat, gibt ihn nicht mehr her.“ Dass deutsche Polizisten mit Tropenhelmen unterwegs sein sollten, war ein ernst gemeinter Versuch in den 1960er- Jahren in Nordrhein-Westfalen. „Ganz kurios“, kommentiert Polizist Schreyer diese Absicht. Es kam nie dazu, dass der weiße Tropenhelm in Einsatz kam. Jetzt liegt er nigelnagelneu im Aspacher Museum.
Auch für Polizistinnen hatten sich praxisferne Designer Besonderes ausgedacht: Ein Zwischending zwischen Barett und Schirmmütze, dem schnell der Name „Kaffeebohne“ verpasst wurde. Mit eingearbeiteten Kämmen sollte die Mütze an den Haaren festgesteckt werden. „Sieht flott aus, ist aber unpraktisch“, resümiert Schreyer.
Das waren noch Zeiten, als die Polizei mit dem Porsche Cabrio Verkehrssündern hinterherjagte! Weißer Sportwagen, weiße Mäntel, weiße Helme. Es waren die sogenannten weißen Mäuse, die in den 1950er- und 1960er-Jahren unterwegs waren. Bewundert und respektiert. Eine Elitetruppe. In jenen Jahren warb die Polizei noch mit Abbildungen des flotten Sportwagens aus Zuffenhausen um Nachwuchs. Doch so einfach war es nicht, zum elitären Kreis vorzustoßen. Die damaligen Herren mussten verheiratet sein und möglichst auch Kinder haben. Gestandene Männer von untadeligem Ruf wollte man haben. Ab 30 Jahren aufwärts bestand die Möglichkeit, bei den weißen Mäusen aufgenommen zu werden. Und abgehärtet sein mussten sie auch – ab drei Grad plus musste offen gefahren werden.
„Abführmittel“ sind gleichfalls ausgestellt. Schmunzelnd zeigt der 55-jährige Sammler auf Handschellen in vielerlei Ausführung. Daneben hängt ein Schlagstock. Einst hat ihn Schreyer selbst mitgeführt. Einsetzen musste er ihn glücklicherweise nie. „Ich musste nur einmal damit drohen.“ Das war damals, als Atomkraftgegner regelmäßig und zuhauf in Neckarwestheim demonstrierten. Aus dieser Zeit stammt auch sein ausgestellter eigener Kampfanzug. Ein unscheinbares Kleidungsstück angesichts der Gardeuniform eines italienischen Carabiniere einschließlich Säbel.
Jedes Teil im Aspacher Museum hat eine Geschichte. Roland Schreyer führt seine Besucher ohne große Vorrede in sein Sammelsurium. Da kommen dann automatisch Fragen auf, die er mit interessanten Details zu beantworten weiß.